Robert Marc Lehmann (43) beruhigte den Riesen„Er wusste, dass ich da bin” – Walflüsterer von Timmendorfer Strand erklärt die Rettung

Ein Buckelwal liegt vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank.
Der Buckelwal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Robert Marc Lehmann (43) beruhigt das Tier, während Bagger eine Fahrrinne für den Säuger ausheben.
IMAGO/Susanne Hübner

Mit vereinten Kräften!
Tagelang versuchen Einsatzkräfte, einen Buckelwal von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand zu befreien. Dabei kommt schweres Gerät zum Einsatz – ein riesiger Stressfaktor für den geschwächten Meeressäuger. Dicht an seiner Seite: Walflüsterer Robert Marc Lehmann (43).

Rettung mit schwerem Gerät

Vier Tage lang hat ein Buckelwal vor Timmendorfer Strand, aufgelaufen auf eine Sandbank, im seichten Gewässer gelegen. Nun ist er vorerst frei. Das verdankt der Meeressäuger den Einsatzkräften vor Ort, einem ganz besonders: Robert Marc Lehmann (43). Der Meeresbiologe hatte die Aufgabe, während der Rettung mit schwerem Gerät am Donnerstag (26. März) beim Wal zu bleiben, ihn zu beruhigen und seine Stimmung einzuschätzen: „Ihr müsst euch vorstellen, nur weil das ein Wal ist, ist der nicht anders als ein Hund oder ein Pferd”, sagte der Meeresbiologe nach dem Einsatz. Er erklärt: „Es ist superwichtig, mit so einem Wal zu reden, ihn anzufassen.” Der Wal reagiert auf die Beruhigungsversuche: „Er wusste, dass ich da bin.”

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Der Buckelwal hat Angst

Lehmann schwimmt um den Wal herum, berührt ihn, streichelt ihn. Währenddessen graben zwei Bagger eine Fahrrinne in die Sandbank: „Du merkst, er hat Angst. Er ist unsicher, er fühlt sich schlecht. Und er liegt wirklich richtig scheiße”, so der Meeresbiologe. Er redet auf ihn ein und zeigt ihm, dass sie zum Helfen gekommen sind. Man könne nicht einfach losbaggern und „Steh mal auf” sagen. Was der Wal für Töne von sich gibt, könne der 43-Jährige zwar noch nicht übersetzen: „Das müsst ihr mich in 20 Jahren mit KI nochmal fragen”, aber das Unwohlsein in seinen Rufen verstehe er durchaus.

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Walflüsterer Lehmann

Marc Robert Lehmann ist Umweltschützer, Forscher und Fotograf. Er liebt die Natur und das Meer: „Ich versuche, mich ganz doll zusammenzureißen, weil eigentlich möchte ich hier stehen und dass mir die Tränen kullern“, gibt er zu, als der Wal noch auf der Sandbank liegt. Er habe es sich gut überlegt, nach Timmendorfer Strand zu kommen, habe tagelang mit sich gerungen. Als er hörte, dass er vielleicht helfen könne, war er aber zur Stelle. Lehmann hat nach eigenen Angaben schon bei vielen Strandungen von Meeressäugern assistiert – unter anderem in Australien und Neuseeland. Die persönliche Rettungsbilanz des Walflüsterers: „Zwölf Wale, die auch noch leben“.

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Diesen Buckelwal dürfte Lehmann noch nicht dazuzählen, wie er am Freitagmorgen (27. März), nachdem der Wal von der Sandbank entkommen konnte, mahnt: „Das ist nicht die Rettung, das ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.” Gerettet sei der Wal erst, wenn er wieder sicher in die Nordsee und von da aus in seine Heimat, den Atlantik, gelange.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen