Flughafen München und Lufthansa ganz kleinlautJetzt schon 600 Passagiere betroffen! Immer mehr Details zum „unzumutbaren” Übernachtungschaos in Flugzeugen

Die Lufthansa will mit digitalen Methoden die eigenen Abläufe verbessern (Symbolbild)
Die Lufthansa und der Flughafen München wurden zur nächtlichen Falle für Passagiere (Symbolbild)
Sven Hoppe/dpa

Erst war von 123 betroffenen Passagieren die Rede. Dann enthüllte RTL.de exklusiv, dass 500 Reisende über Nacht in Flugzeugen am Münchner Flughafen gefangen waren. Jetzt gibt der Airport zu: Es waren sogar 600!
Der Skandal des Winters wird vor allem für Lufthansa und den Flughafen München zum Desaster.

Flughafen München gibt nach Übernachtungsdrama Fehler zu

Die Lufthansa und der Flughafen München arbeiten eine Panne im Schneechaos der vergangenen Woche auf, durch die hunderte Passagiere die Nacht in den Flugzeugen verbringen mussten. „Wir arbeiten derzeit mit unseren Partnern daran, die Sachlage vollständig aufzuklären und unmittelbar Prozessverbesserungen umzusetzen”, erklärte der Airport München am Montag. „Die Vorfälle entsprechen nicht unserem Anspruch.” Auch die Lufthansa erklärte, alles daran zu setzen, dass sich solche Fehler nicht wiederholten. „Wir bitten all unsere Gäste für diese unzumutbare Situation ausdrücklich um Entschuldigung.”

Am Donnerstagabend war der Flugbetrieb in München wegen unerwartet starken Schneefalls so stark eingeschränkt, dass fünf Flüge der Lufthansa und einer von Air Arabia nicht mehr abheben durften. Die Flugzeuge strandeten auf Außenpositionen. Am Flughafen stand kein Bustransfer mehr zur Verfügung, deshalb mussten rund 600 Passagiere die Nacht in den Flugzeugen verbringen, statt in Hotels untergebracht zu werden. Die Kunden seien kontaktiert worden und erhielten eine Entschädigung, erklärte die Lufthansa. Neben fünf Maschinen des Lufthansa-Konzerns war auch ein Flugzeug der Gesellschaft Air Arabia betroffen.

Piloten kritisieren Lufthansa scharf: „Erhebliche Schwächen im Krisenmanagement”

Ein Flugzeug von Lufthansa wird am Flughafen München enteist. Ein Fahrzeug spritzt Flüssigkeit auf die linke Tragfläche des Airbus.
Ein Flugzeug von Lufthansa wird am Flughafen München enteist.
RTL

Der Airport teilte mit, der starke nasse Schneefall habe zu überdurchschnittlich langen Enteisungszeiten und zeitweise zu Schließungen der Start- und Landebahnen geführt. Die betroffenen Flugzeuge konnten trotz Ausnahmegenehmigung vom Nachtflugverbot das dann geltende Zeitlimit bis 1.00 Uhr nicht einhalten. Sie mussten auf Außenpositionen bleiben, weil nach Flugstreichungen alle Terminalkapazitäten belegt waren. „Aufgrund der nächtlichen Uhrzeit und Defiziten bei der Kommunikation war der Busverkehr stark eingeschränkt”, räumte der Airport ein.

Die Crews der Lufthansa-Flüge nach Singapur, Kopenhagen und Danzig sowie der Tochtergesellschaft Air Dolomiti nach Graz und Venedig hätten die Gäste fortlaufend informiert und bestmöglich mit der an Bord vorhandenen Verpflegung versorgt, erklärte die Lufthansa. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) forderte vom Lufthansa-Management Vorkehrungen, damit sich ein derartiges Chaos nicht wiederholt. Die Crews seien mit der schwierigen Situation weitgehend allein gelassen worden. „Das entstandene Chaos offenbart erhebliche Schwächen im Krisenmanagement”, ergänzte die VC.

Anfang des Jahres zur ersten absehbaren Schlechtwetterlage hatten alle großen Flughäfen beteuert, wie gut ihr Winterdienst vorbereitet sei. Trotzdem mussten die Airports Berlin und Frankfurt an Tagen mit Eisregen und starkem Schneefall den Betrieb über Stunden einstellen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, rts