Milliardär Mike Lynch ist totTödliches Superyacht-Drama vor Sizilien: Crew schuld am Unglück?

The hull of the superyacht Bayesian, which sank near Palermo, Sicily, on August 19, 2024, is pulled out of the sea off the village of Porticello to be taken to the nearby shipyard in Termini Imerese, Sunday, June 22, 2025. (AP Photo/Salvatore Cavalli)
Erst im vergangenen Jahr wurde das Schiff vom Grund des Meeres geborgen.
AP Photo/Salvatore Cavalli

Als eine der weltweit größten Luxusjachten sinkt, schauen Tausende nach Sizilien. Was führte zu diesem Unglück, fragen sie sich. Ein Gutachten legt sich auf schlechtes Wetter als Ursache fest, jetzt wird das widerlegt.

Experten haben im Auftrag der italienischen Staatsanwaltschaft das Wetter am Unglückstag des Kenterns der Superjacht „Bayesian“ des britischen Software-Milliardärs Mike Lynch untersucht. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass das Unwetter vor der Küste Siziliens nicht die Hauptursache für den dramatischen Vorfall gewesen war, bei dem sieben Menschen starben, darunter der Eigentümer und seine 18-jährige Tochter Hannah. Das berichtet der britische Sender Sky News. Das schlechte Wetter sei „nicht schwerwiegend genug“ gewesen. Die Besatzung hätte damit umgehen können müssen, sind die Gutachter überzeugt.

Laut Sky-News-Bericht habe der Expertenmeinung zufolge lediglich eine leichte Böe geweht, als es gegen 5 Uhr am frühen Morgen des 19. August 2024 vor der Hafenstadt Porticello, östlich von Palermo, zur Katastrophe kam. Die Jacht sei „aufgrund unsachgemäßen Verhaltens der Besatzung“ in Kombination mit der Unterschätzung des Wetters und der „nicht ordnungsgemäßen Aktivierung bestimmter Sicherheitsvorrichtungen“ gekentert und schließlich gesunken.

Die Staatsanwaltschaft untersucht jetzt, ob sich der Kapitän und zwei Besatzungsmitglieder schuldig gemacht haben. Im Raum stehen Straftatvorwürfe wie fahrlässige Verursachung eines Schiffbruchs und mehrfacher fahrlässiger Totschlag. Ihnen wird zur Last gelegt, Sturmwarnungen ignoriert und sich selbst in Sicherheit gebracht zu haben, ohne sich um andere zu kümmern. Offen ist noch, ob es zu einem Prozess kommen wird.

Die Ermittler gehen dem Bericht zufolge aber auch der Frage nach, ob den Erbauer des 56 Meter langen Schiffs, die italienische Werft Perini Navi aus der Toskana, eine Schuld trifft. Dieser deklarierte die Megajacht als „unsinkbar“.

Anfangs hieß es, das Wetter sei Auslöser der Tragödie gewesen. Das britische Marine Accident Investigation Branch (MAIB) sagte in einem Zwischenbericht, der Wind beschleunigte rasch auf mehr als 70 Knoten (entspricht knapp 130 Kilometer pro Stunde) und drehte schlagartig. Daraufhin sei die Jacht innerhalb von 15 Sekunden umgekippt und in der Folge untergegangen. Ein Stromausall habe dafür gesorgt, dass die Generatoren ausfallen.

Bei dem Unglück vor Sizilien starben neben Lynch und seiner Tochter zwei befreundete Paare und der Schiffskoch. Bis auf den Koch konnte sich die gesamte Besatzung retten. Insgesamt überlebten 15 Crewmitglieder und Gäste, darunter die Frau des Milliardärs, der die Jacht über eine Firmenbeteiligung gehört.

Erst zehn Monate nach dem Untergang hievten Spezialkräfte das Wrack mit Hilfe eines Spezialkrans an die Meeresoberfläche. Es hatte es bis in den Juni des vergangenen Jahres etwa 50 Meter unter der Meeresoberfläche auf Grund gelegen. Für die Bergung wurde zuvor der Mast der Jacht gekappt, der mit 72 Metern außergewöhnlich hoch war.

Der Milliardär Lynch, auch bekannt als „britischer Bill Gates“, hatte Freunde und Familie auf die Jacht eingeladen: Der Unternehmer feierte seinen Freispruch im Prozess um Vorwürfe eines Milliardenbetrugs.

Verwendete Quellen: mpa/dpa/AFP