Nach Suizid des mutmaßlichen Täters kommt es nicht zum ProzessOpferanwalt von Stade: „Es fehlt die Möglichkeit, Fragen zu stellen”
Hinterbliebene sind in Schockstarre!
Für die Angehörigen der sechs Todesopfer von Stade ist es ein Schock, als sie erfahren, dass sich der mutmaßliche Täter in seiner Gefängniszelle umgebracht hat. Denn durch diesen Suizid wird es nicht zu einem Prozess kommen. Im RTL-Interview spricht Opferanwalt Steffen Hörning darüber, was das konkret für die Hinterbliebenen bedeutet.
Nach Todesnachricht herrscht bei den Hinterbliebenen Fassungslosigkeit

Am Dienstag (21. Juli) findet ein Justizbeamter den mutmaßlichen Stade-Killer tot in seiner Zelle. Die Angehörigen sowie die Hinterbliebenen der Opfer werden darüber informiert. Opferanwalt Steffen Hörning erklärt im Gespräch mit RTL, wie die Reaktion der Hinterbliebenen auf diese Nachricht gewesen ist: „Also in allererster Linie Fassungslosigkeit, weil man mit sowas natürlich überhaupt nicht gerechnet hat. Und das in einer Phase, wo das Ereignis an sich, dieses schreckliche Ereignis vom 29. Juni noch so präsent ist, als wäre es gestern gewesen für die betroffenen Familien.”
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Der Mann soll Ende Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen getötet haben – darunter jeweils drei Mitarbeitende des Jugendamtes Hannover und der Einrichtung in Stade. Hintergrund der Tat ist nach bisherigen Ermittlungen offenbar ein Sorgerechtsstreit um die damals drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen.
Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen
Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.
Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.
Steffen Hörning: Tatverdächtiger wurde falsch eingeschätzt
Einen Tag nach der Tat kommt der 45-Jährige in die JVA Bremervörde. Die Haftbedingungen für den mutmaßlichen Täter waren am Vortag seines Todes gelockert worden. Der 45-Jährige hatte anfangs unter besonderer Beobachtung gestanden, die nach Einschätzung einer Psychologin schrittweise gelockert und schließlich ganz aufgehoben worden war.
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Steffen Hörning geht von einer völlig falschen Einschätzung des Tatverdächtigen von Stade aus: „Das muss dringend aufgearbeitet werden, weil ich glaube, dass wir von erheblichen Versäumnissen reden“, sagt Hörning im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Hier haben sich die Anzeichen so gehäuft. Die Leute, die entscheidend dafür waren, sind dem Mann auf den Leim gegangen.“
Anwalt: „So ein Prozess dient in aller Regel auch der Aufarbeitung”
Hörning, der zwei hinterbliebene Familien vertritt, betont die schwierige Bewältigung des Geschehens ohne einen Mordprozess: „So ein Prozess dient in aller Regel auch der Aufarbeitung, der Verarbeitung, Informationen zu erhalten, Fragen stellen zu können und am Ende natürlich auch auf ein gerechtes Urteil hoffen zu können, das sicherlich auch Genugtuungsfunktion hätte. Dazu wird es nicht kommen und das ist für viele tatsächlich unerträglich”, beschreibt er im RTL-Interview die Situation. Es fehle die Möglichkeit für die Hinterbliebenen, Fragen zu stellen, ergänzt er.
Beschuldigt sind auch die Fahrerin und die Mutter
Eventuell könnte es aber doch noch zu einem Prozess kommen, erklärt Hörning. Denn es gibt noch zwei weitere Beschuldigte: einmal die Frau, die den mutmaßlichen Mörder zum Tatort gefahren hat, und die Kindsmutter: „Das wäre so ein kleiner Rettungsanker für die Hinterbliebenen, vielleicht zu wissen, dass es dann doch zu einem Prozess kommt, wo man vielleicht dann doch die eine oder andere Frage stellen kann und eventuell das Gefühl hat, dass man jetzt auch selber aktiv noch etwas tun kann, sich beteiligen kann. Im Moment ist mehr oder weniger Schockstarre, weil man davon ausgeht, es ist jetzt alles vorbei.”
Verwendete Quellen: RTL-Recherche, dpa


