Haftbefehle nach mutmaßlicher GewaltWochenlang misshandelt? Familie soll Putzhilfe gequält haben

Die Vorwürfe sind erschreckend.
Eine junge Frau lebt als Haushaltshilfe im Haus einer Familie im niedersächsischen Salzgitter und wird dort offenbar zur Zielscheibe von Gewalt. Wochenlang soll sie misshandelt, gedemütigt und gequält worden sein. Jetzt sitzen drei Tatverdächtige in Untersuchungshaft.
Drei Verdächtige in Untersuchungshaft
Die Vorwürfe wiegen schwer: Eine 32-jährige Putzhilfe soll in einem Haus in Salzgitter über Wochen hinweg misshandelt worden sein. Laut der Staatsanwaltschaft lebte sie gemeinsam mit der Familie unter einem Dach. „Wir haben drei Beschuldigte. Das ist ein 49-jähriger Mann und seine 62-jährige Frau, dazu noch die 28-jährige Tochter der Frau“, sagt Oberstaatsanwalt Christian Wolters im Interview mit RTL.
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„Wir haben uns dafür entschieden, in diesem Fall etwas zurückhaltend zu agieren. Deshalb sprechen wir auch nur von Misshandlungen“, erklärt Wolters. Man wolle vermeiden, vorschnell Details zu nennen, die sich später als falsch herausstellen könnten. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehle erwirkt. Alle drei sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.
Ehemann soll die Folter-Szenen gefilmt haben
Die Ermittler stellen bei Durchsuchungen belastendes Material sicher, darunter auch Videos. „Diese Videodateien zeigen vermutlich Misshandlungen des Opfers“, so Christian Wolters. Die Auswertung der Videos läuft. Sie sollen helfen, die Aussagen des Opfers zu überprüfen und die Taten zeitlich einzuordnen. Auch die Beschuldigten sollen sich äußern können.

Warum floh das Opfer nicht früher?
Wochenlang erträgt die 32-Jährige das Martyrium offenbar im gemeinsamen Haus. Erst letzte Woche geht sie gemeinsam mit einer Bekannten zur Polizei und erstattet Anzeige. Obwohl sie theoretisch hätte gehen können, blieb sie. „Wir haben das allerdings öfter, dass gerade in Fällen von häuslicher Gewalt die Opfer eben nicht diese innere Hemmschwelle überwinden“, erklärt der Staatsanwalt im Gespräch mit RTL.

Die Ermittler meinen, dass die Gefahr für die 32-Jährige nun gebannt sei, „sodass wir davon ausgehen, dass niemand mehr auf dieses Opfer einwirken wird.” Den Beschuldigten drohen nun empfindliche Strafen. „Für gefährliche Körperverletzung drohen grundsätzlich Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren“, sagt Christian Wolters.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa


