Wer warf die Gehwegplatte auf den Streifenwagen?Mordanschlag! Ein ganzes Hochhaus in Kiel unter Verdacht

Die Polizei hat das Hochhaus umstellt.
Die Polizei hat das Hochhaus umstellt.
von Henrike Laing und Lynn Michel

242 Wohnungen, ein Täter? Polizei startet ungewöhnliche DNA-Aktion!
Seit den frühen Morgenstunden läuft am Dienstag (14. Juli) im Kieler Hochhaus „Weißer Riese” eine Großaktion der Polizei. Auf 22 Etagen mit insgesamt 242 Wohnungen gehen die Beamten von Tür zu Tür und bitten die Bewohner um freiwillige DNA-Proben. Der Tatvorwurf wiegt schwer: Es geht um den Verdacht des versuchten Mordes.

Polizei durchsucht Problemhochhaus

Ein Großaufgebot der Polizei – im unteren dreistelligen Bereich – ist in dem Hochhaus im Kieler Brennpunktviertel Mettenhof im Einsatz.
Ein Großaufgebot der Polizei – im unteren dreistelligen Bereich – ist in dem Hochhaus im Kieler Brennpunktviertel Mettenhof im Einsatz.

Schon kurz nach sechs Uhr morgens beginnt der Großeinsatz. Die Beamten starten ihre Durchsuchung im „Weißen Riesen” im Kieler Stadtteil Mettenhof. Nach RTL-Informationen arbeiten sich die Polizisten von oben nach unten durch das Hochhaus. Stockwerk für Stockwerk klopfen die Einsatzkräfte lautstark an jede Wohnungstür und rufen: „Polizei, bitte einmal öffnen!“ Viele Bewohner reagieren zunächst allerdings nicht und öffnen den Beamten nicht.

Zeitgleich setzen die Ermittler auf eine außergewöhnliche Maßnahme: Alle Bewohner sollen eine Speichelprobe für einen DNA-Test abgeben. Zwingen kann die Polizei niemanden – die Teilnahme ist freiwillig. Mit den DNA-Proben hoffen Staatsanwaltschaft und Polizei, den Täter zu identifizieren, der Anfang Juni eine schwere Gehwegplatte auf einen Streifenwagen geworfen haben soll. Die Ermittler gehen von versuchtem Mord aus.

Alle Hausbewohner sind verdächtig

Eine Polizistin entnimmt mit einem Stäbchen eine Speichelprobe.
Eine Polizistin entnimmt mit einem Stäbchen eine Speichelprobe.

Hassan Al Darwisch gibt freiwillig eine DNA-Probe ab, weil er nichts zu verbergen habe. „Ich verstehe das auch nicht, warum die Leute sowas machen”, sagt er im Gespräch mit RTL. „Ich wollte gerne auch helfen, damit man die Person finden kann.”

Lese-Tipp: Massen-DNA-Test im Fall Émile (†2): Warum stehen die Ermittler plötzlich beim Ex-Nachbarn der Großeltern vor der Tür?

Alle Bewohner sollen laut Beschluss des Amtsgerichts Kiel eine Speichelprobe abgeben. Denn alle sind verdächtig. „Die Untersuchung halten wir für sehr erfolgsversprechend. Denn wir haben am Stein DNA gefunden und jede DNA, die wir abgleichen können, bringt uns einen Schritt weiter. Auch wenn es nicht übereinstimmt”, sagt Staatsanwältin Hanna Borgwardt im Gespräch mit RTL. Nach vorläufigem Stand willigten mehr als 80 Prozent der angetroffenen Personen einer DNA-Entnahme ein.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Video-Tipp: Schüsse im Taxi! Fahrer überlebt Mordversuch – und fährt weiter

Wer hat die Gehwegplatte auf den Streifenwagen geworfen?

Der Stein hat die Windschutzscheibe des Streifenwagens zerstört.
Der Stein hat die Windschutzscheibe des Streifenwagens zerstört.

Trotz intensiver Ermittlungen fehlt vom Täter bislang jede Spur. Eine Belohnung von 1.000 Euro für entscheidende Hinweise wurde bereits ausgesetzt – bislang ohne Erfolg. Bei dem Angriff war eine 25-jährige Polizistin an der Hand und am Sprunggelenk verletzt worden.

Die Gehwegplatte durchschlug die Frontscheibe des Einsatzwagens. Nur durch großes Glück kam niemand ums Leben. Der Großeinsatz und die freiwilligen DNA-Proben sollen nun den entscheidenden Durchbruch bringen.

Lese-Tipp: Freiwillige DNA-Probe führte zum Killer von Amy Lopez

Der „Weiße Riese” im Stadtteil Mettenhof ist Kiels höchstes Wohnhaus und steht seit Jahren im Fokus der Polizei. Immer wieder kommt es dort zu Einsätzen, das Gebäude gilt als sozialer Brennpunkt. Der Angriff auf den Streifenwagen sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, Polizei Kiel