Stadt sucht Notlösung für 60 MenschenPflegeheim-Chaos in Laatzen: Bewohner auf die Straße geworfen

Feuerwehr und Rettungsdienst sind an dem Pflegeheim in Laatzen (Niedersachsen) im Einsatz
Feuerwehr und Rettungsdienst sind an dem Pflegeheim in Laatzen (Niedersachsen) im Einsatz
RTL Nord

Sie müssen von jetzt auf gleich raus!
Zahlreiche Bewohner eines privaten Pflegeheims in Laatzen (Region Hannover/ Niedersachsen) stehen mit nichts da. Die Stadt lässt die Einrichtung seit Mittwochmorgen (1. April) räumen. Grund laut einer Sprecherin des Bürgermeisters: Der private Betreiber soll insolvent sein. Die Heimaufsicht der Region Hannover habe deshalb die weitere Nutzung der Einrichtung untersagt: „Die Versorgung der dort lebenden Menschen ist nicht mehr sichergestellt”, heißt es aus dem Büro des Bürgermeisters.

Angehörige weinen: Wohin jetzt mit den Eltern und Großeltern?

Eine Angehörige wischt sich im Gespräch mit RTL die Tränen aus dem Gesicht. Ihre Eltern müssen raus aus dem Pflegeheim. Die Frau, die anonym bleiben will, sagt, sie habe durch Zufall erfahren, dass die Einrichtung mit sofortiger Wirkung dicht gemacht werde. Der Tag heute sei furchtbar gewesen. Seit dem Morgen schleppe sie die Möbel der Eltern aus dem Heim des privaten Anbieters. Sie habe sich selbst um eine neue Einrichtung gekümmert.

Doch nicht alle Bewohner haben so viel Glück. Die Sprecherin der Stadt Laatzen teilt RTL.de mit: „Die Stadt hat umgehend eine Sondereinsatzgruppe gebildet und verschafft sich gegenwärtig vor Ort einen Überblick über die Situation und nimmt die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner auf. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand leben noch rund 60 Menschen mit Pflegebedarf im Heim, für die nun jeweils eine neue Unterkunft in einer anderen Einrichtung mit freien Kapazitäten gesucht wird.”

Rettungswagen stehen in Laatzen bereit, um die betroffenen Bewohner in neue Einrichtungen zu bringen
Rettungswagen stehen in Laatzen bereit, um die betroffenen Bewohner in neue Einrichtungen zu bringen
RTL Nord

Und weiter: „Die Stadt handelt hier im Rahmen der Gefahrenabwehr, da die unmittelbare Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner möglicherweise nicht mehr [...] gegeben ist. Dies ist eine vorübergehende und akute Maßnahme, die über die Aufgaben der Heimaufsicht hinausgeht, um akute Gefährdungen zu verhindern.”

Heimleitung in Laatzen lehnt Gespräch mit RTL ab: Deutsches Rotes Kreuz kümmert sich um die Bewohner

Eine RTL-Reporterin will mit der Leitung des privaten Heims vor Ort sprechen. Die lehnt ab, will, dass die RTL-Reporter gehen. Das tun sie. Eine schriftliche Anfrage ließ der Betreiber zunächst unbeantwortet.

Währenddessen versucht die Stadt Laatzen, den Bewohnern zu helfen, sie suchte den ganzen Tag über neue Unterbringungsmöglichkeiten für alle, die sonst womöglich auf der Straße gelandet wären. Die Sprecherin der Stadt: „Von den rund 60 Bewohnerinnen und Bewohnern wurden etwa 20 von Angehörigen transportiert. Für rund 40 Personen hat die Stadt Laatzen das DRK beauftragt.” Das Deutsche Rote Kreuz ist nach RTL-Informationen mit 50 Kräften im Einsatz, um zu helfen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Stadt Laatzen