Keine Jobs weg in Europa!VW-Riese in Gefahr? Lies spricht Machtwort gegen Schließungen!

VW steckt wie andere Autobauer in einer tiefen Krise. In China schließt oder verkauft der Konzern deshalb bereits mehrere Werke. VW-Chef Blume möchte auch in Europa sparen. Der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen widerspricht - und hat ein Vetorecht.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat sich strikt gegen Werkschließungen bei Volkswagen in Europa ausgesprochen. VW müsse sich angesichts der Marktlage durchaus fragen, wie viele Fahrzeuge langfristig noch verkauft werden könnten, sagte der SPD-Politiker der „Welt am Sonntag“ einem Vorabbericht zufolge. „Das bedeutet aber nicht, dass man zwangsläufig Standorte in Europa schließt.“ Dazu sei er nicht bereit.
Lies sitzt im VW-Aufsichtsrat. Laut dem „Handelsblatt“ werden in Unterlagen für eine Sitzung des Kontrollgremiums am Montag unter anderem die niedersächsischen VW-Standorte in Hannover und Emden als besonders kostenintensiv benannt.
Anstatt Fabriken zu schließen, müsse über eine andere Auslastung der Standorte nachgedacht werden, sagt Lies in der „Welt am Sonntag“. Er erneuerte seinen Vorschlag, künftig in Europa auch VW-Modelle zu produzieren, die in China gemeinsam mit dortigen Partnern entwickelt wurden: „Warum nutzen wir diese Partnerschaften nicht stärker auch in Europa, um unsere Standorte hier auszulasten?“
VW ist Europas größter Autobauer. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte des Konzerns und verfügt damit bei wichtigen Entscheidungen über ein Vetorecht. Dem „Handelsblatt“ zufolge werden in den Unterlagen für die Aufsichtsratssitzung auch die VW-Fabrik in Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm als besonders kostenintensiv genannt. Die Zeitung beruft sich bei dem Bericht auf Konzern- und Aufsichtsratskreise.
VW leidet wie andere Autobauer speziell unter dem stagnierenden oder sogar schrumpfenden China-Geschäft. Volkswagen war jahrzehntelang der dominierende Autobauer in der Volksrepublik, wurde jedoch wie andere westliche Hersteller vom Aufstieg der heimischen Konkurrenz bei Elektroautos kalt erwischt: „Es ist nicht auszuschließen, dass wir erstmals seit 2018 - die Corona-Pandemie ausgenommen - wieder einen rückläufigen Markt haben werden“, sagte der für das China-Geschäft zuständige VW-Vorstand Ralf Brandstätter dem „Handelsblatt“.
Um die Kosten in den Griff zu bekommen, hat Volkswagen seine Produktionskapazitäten bereits in China um 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr reduziert und seit 2023 fünf Werke verkauft, geschlossen oder umgewidmet. Die Zahl der Beschäftigten wurde um 20.000 reduziert. Zudem setzt das Unternehmen seine Hoffnungen auf den Export. Dabei gehe es vor allem um Ausfuhren in die Länder, die von Europa aus nicht wirtschaftlich bedient werden könnten, wie etwa Usbekistan, Thailand oder Vietnam.
Um Geld zu sparen, möchte VW-Chef Blume die Produktionskapazitäten auch in Europa um eine Million Fahrzeuge senken. „Aktuell beschäftigen wir uns mit bis zu einer weiteren Million Kapazität, um die globale Marktsituation abzubilden“, sagte er dem „Manager Magazin“. Die Volumenplanung der Vergangenheit sei in der derzeitigen Markt- und Wettbewerbssituation unrealistisch. Mit der neuen Planung kommt der Konzern ihm zufolge „von insgesamt über zwölf Millionen investierten Kapazitäten auf nachhaltig neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr“. Das betreffe die Standorte des Unternehmens weltweit.
Volkswagen hatte sich Ende 2024 mit dem Betriebsrat auf den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland geeinigt. Insgesamt fallen im Konzern, zu dem neben der Marke Volkswagen auch Audi und Porsche gehören, bis 2030 50.000 Arbeitsplätze weg.
Verwendete Quellen: chr/rts


