Ab November gilt eine GewichtsgrenzeZu schwer für den Helikopter? Neue Regel könnte Offshore-Arbeiter ihren Job kosten

Zu schwer für den eigenen Job?
Genau das könnte bald Hunderte Arbeiter vor der britischen Küste treffen. Ab 1. November gilt für Beschäftigte auf Energieanlagen weit draußen auf dem Meer eine neue Gewichtsgrenze von rund 125 Kilogramm. Der Grund: Im Notfall müssen sie sicher per Hubschrauber gerettet werden können. Bis zu 800 Beschäftigte liegen laut BBC noch über dem Limit – für einige könnte das berufliche Konsequenzen haben.
Was bedeutet eigentlich Offshore-Arbeit?
Offshore bedeutet zunächst einmal: Die Menschen arbeiten nicht an Land, sondern auf Anlagen weit draußen auf dem Meer. Im britischen Offshore-Energiesektor sind das beispielsweise Öl- und Gasplattformen in der Nordsee.
Weil solche Arbeitsplätze teilweise weit von der britischen Küste entfernt liegen, können die Beschäftigten nicht einfach mit dem Auto oder Zug zur Arbeit fahren. Der Transport zu den Anlagen und zurück erfolgt häufig mit dem Hubschrauber.
Und genau das ist für die neue Gewichtsgrenze entscheidend.
Darum gilt künftig die 125-Kilo-Grenze
Hinter der Regel steckt nicht die Frage, ob ein Mensch mit mehr als 125 Kilogramm grundsätzlich körperlich für die Arbeit auf einer Offshore-Anlage geeignet ist. Es geht darum, ob er im Notfall sicher gerettet werden kann.
Kommt es auf einer weit draußen im Meer gelegenen Anlage zu einem medizinischen oder anderen Notfall, kann ein Rettungshubschrauber zum Einsatz kommen. Unter Umständen muss eine Person dabei mit einer Seilwinde geborgen werden .Diese Winde kann allerdings nur ein bestimmtes Gesamtgewicht sicher tragen.
Nach Angaben des britischen Branchenverbandes Offshore Energies UK (OEUK) liegt die maximale Belastung der entsprechenden Rettungswinde bei rund 249 Kilogramm.
Diese 249 Kilogramm stehen aber nicht allein für den zu rettenden Beschäftigten zur Verfügung. Auch ein Rettungshelfer, eine Trage und weitere Ausrüstung müssen mit an die Winde.
Damit das zulässige Gesamtgewicht bei einer Rettung nicht überschritten wird, darf der Offshore-Arbeiter selbst mit Kleidung und Schuhen künftig höchstens rund 124,7 Kilogramm wiegen.
Video-Tipp: Waldbrände in Südeuropa außer Kontrolle – Einsatzkräfte kämpfen gegen Hitze und Sturm!
Bis zu 800 Arbeiter noch über dem Limit
Die neue Grenze kommt nicht überraschend. Bereits im vergangenen Jahr kündigte OEUK die Regel an. Damals lagen nach Angaben des Verbandes mehr als 2200 Beschäftigte über dem vorgesehenen Limit.
Seitdem hat sich die Zahl deutlich reduziert. Aktuelle Daten von mehr als 35.000 Offshore-Reisenden zeigen laut BBC, dass noch rund 3,4 Prozent über der Gewichtsgrenze liegen. Bis zu 800 Menschen könnten damit weiterhin betroffen sein.
Der Branchenverband weist außerdem darauf hin, dass das durchschnittliche Gewicht der Offshore-Beschäftigten seit 2008 um rund zehn Kilogramm gestiegen sei.
Lese-Tipp: Schiffbrüchige vor Nordseeinsel Wangerooge gerettet
Ab 1. November wird die Gewichtsgrenze Pflicht
Vom 1. November an soll die neue Gewichtsgrenze im britischen Offshore-Sektor verpflichtend gelten.
Für die Betroffenen kann das erhebliche Konsequenzen haben. Ein Arbeitsmediziner aus Aberdeen, der Beschäftigte auf ihre Tauglichkeit für Offshore-Einsätze untersucht, berichtet BBC Scotland, dass Menschen oberhalb der Grenze das notwendige medizinische Zertifikat nicht erhalten.
Viele Betroffene versuchen deshalb, Gewicht zu verlieren. Einige hätten sich nach Erfahrung des Mediziners allerdings auch entschieden, die Offshore-Branche zu verlassen. Andere wechseln demnach in Tätigkeiten an Land oder suchen nach Arbeitsmöglichkeiten im Ausland.
Der Mediziner warnt gleichzeitig davor, unter dem Zeitdruck zu drastischen Methoden zu greifen. Einige Betroffene würden über längere Zeit fasten, um schnell Gewicht zu verlieren. Das sei nicht nachhaltig.
Lese-Tipp: Abnehmspritze bald als Pille – das müsst ihr wissen
Kann das Gewicht tatsächlich den Job kosten?
Eine automatische Kündigung bedeutet das Überschreiten der 125-Kilo-Grenze allerdings nicht. Ein von der BBC befragter britischer Arbeitsrechtsexperte erklärt, dass Arbeitgeber zunächst verschiedene Möglichkeiten prüfen müssten. Dazu könne beispielsweise gehören, einem betroffenen Beschäftigten eine alternative Tätigkeit an Land anzubieten.
Auch müsse berücksichtigt werden, welche Bemühungen der Arbeitnehmer unternommen habe, um die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, und welche weitere Unterstützung möglich sei.
Kann ein Beschäftigter die Gewichtsgrenze dauerhaft nicht einhalten und gehört der Offshore-Einsatz zwingend zu seinem Job, könnte am Ende allerdings auch eine Kündigung möglich sein.
Für Hunderte Beschäftigte läuft damit die Zeit: Bis zum 1. November müssen sie entweder unter die neue Grenze kommen – oder gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber nach einer anderen Lösung suchen.
Verwendete Quelle: BBC


