Brandkatastrophe in Bangkok „Ich wollte meinen Bruder retten“ – Überlebender schildert Feuer-Horror

von Philipp Petersdorff

Nach dem verheerenden Brand in einer Bar in Bangkok kommen immer mehr Details ans Licht.
Ein Mitarbeiter berichtet jetzt, wie er verzweifelt versuchte, seinen jüngeren Bruder aus den Flammen zu retten. Gleichzeitig rückt die Ursache des Infernos immer stärker in den Fokus. 27 Menschen starben in der Feuerhölle.

„Ich will meinen Bruder nach Hause bringen.“

Mehr als das wünscht sich Kaewudon Pongpanee im Moment nichts. Der 24-Jährige arbeitete gemeinsam mit seinem 21 Jahre alten Bruder in der Unglücksbar „Rong Beer Na Lat Phrao“ in Bangkok. Jetzt erzählt er, wie er in der Brandnacht alles versuchte, um ihn zu retten – vergeblich.

Bei dem Feuer in der Nacht zum Montag kamen nach aktuellem Stand 27 Menschen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt.

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Als das Feuer ausbricht, ist sein Bruder plötzlich verschwunden

Zum Zeitpunkt, in dem der Brand ausbrach, befand sich Kaewudon auf der Toilette. Als er zurück in den Gastraum wollte, sah er Menschen panisch ins Freie rennen. Sofort sei ihm klar gewesen, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Der Lärm in der Bar sei so laut gewesen, dass er keinen Feueralarm wahrgenommen habe. Er rannte zunächst zum Hinterausgang in der Küche und fragte nach seinem Bruder Pongpaset. Doch niemand hatte ihn gesehen. Anschließend suchte er am Haupteingang weiter und sprach jeden an, der ihm begegnete. Wieder erhielt er dieselbe Antwort. Niemand wusste, wo der 21-Jährige war.

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Mit Feuerlöscher gegen die Flammen

Schließlich griff Kaewudon gemeinsam mit einem Kollegen zu einem Feuerlöscher. Die beiden versuchten, sich den Weg durch den Eingangsbereich freizukämpfen. Doch gegen Rauch, Ruß und die enorme Hitze hatten sie keine Chance. „Ich hörte Menschen um Hilfe schreien. Deshalb wollte ich meinen Bruder umso mehr retten. Aber ich konnte nicht hinein“, schildert der 24-Jährige. Die Flammen hätten jeden Versuch unmöglich gemacht. Sein Bruder ist in dem Feuer gestorben.

„Ich will keine Entschädigung“

An finanzielle Hilfe denkt Kaewudon nach eigenen Worten derzeit überhaupt nicht. Sein einziger Wunsch sei es, den Leichnam seines Bruders in die gemeinsame Heimat Laos zu bringen. „Meine Eltern haben darauf gewartet, dass wir beide zusammen nach Hause kommen. Jetzt ist einer von uns nicht mehr da“, sagt er. Sobald es möglich sei, wolle er seinen Bruder zurück zu den Eltern bringen.

Ermittler prüfen mehrere mögliche Ursachen

Während Angehörige um die Opfer trauern, laufen die Untersuchungen zur Brandursache auf Hochtouren. Nach ersten Erkenntnissen der Katastrophenschutzbehörde könnte ein Kurzschluss in einer Klimaanlage an der Decke das Feuer ausgelöst haben. Die Polizei geht zusätzlich weiteren Hinweisen nach. Ermittler prüfen unter anderem, ob Notausgänge versperrt oder Türen verschlossen waren. Außerdem untersuchen sie, ob leicht entflammbare Materialien für Bühnendekoration und Schalldämmung die Ausbreitung des Feuers begünstigt haben. Erst wenn diese Untersuchungen abgeschlossen sind, dürfte feststehen, wie es zu der folgenschweren Brandkatastrophe kommen konnte.

Verwendete Quellen: AFP, Reuters TV