„Schweres Störungsbild“ und „Fass ohne Boden“Gina H.s Psychotherapeut packt über Fabians (†8) mutmaßliche Mörderin aus

09.07.2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte betritt den Verhandlungssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung im Verfahren wegen Mordes im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen, am 10.10.2025 heimtückisch und aus sonst niedrigen Beweggründen den zur Tatzeit achtjährigen Fabian aus Güstrow getötet zu haben.
Die Angeklagte Gina H. betritt am 9. Juli den Verhandlungssaal des Landgerichts Rostock.
Danny Gohlke/dpa

Er kennt Gina H. vielleicht am allerbesten!
Im Mordprozess im Fall Fabian (†8) aus Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) gibt der Psychotherapeut tiefe Einblicke in seine Diagnosen und jahrelange Arbeit mit der Angeklagten. Er offenbart eine „komplexe Erkrankung“. Dahinter verbergen sich tatsächlich sogar mehrere psychische Auffälligkeiten.

Gina H. suchte Hilfe bei einer Langzeittherapie

Bis vor Kurzem war Gina H. bei dem Psychotherapeuten in Behandlung. Ihr erster Kontakt: der 7. November 2017. Doch auch vorher schon war die Angeklagte in Behandlung; sie fand Hilfe bei einer Kollegin des Zeugen, der am heutigen Donnerstag (9. Juli) vor dem Landgericht Rostock aussagt.

Er skizziert dabei die Erkrankungen von Gina H. bis ins kleinste Detail: Gina H. sei sozial phobisch, fühle sich in Menschenmengen unwohl. Eine posttraumatische Belastungsstörung sei eher im Hintergrund gewesen. Zudem neige sie dazu, psychischen Stress, emotionale Belastungen oder innere Konflikte unbewusst in körperliche Beschwerden umzuwandeln. Und er habe eine Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Anteilen festgestellt.

Lese-Tipp: Rätsel um Mordwaffe im Fall Fabian (†8)! Mysteriöses Messer plötzlich wieder aufgetaucht

Gina H. habe für ihre „komplexe Erkrankung“ eine Langzeittherapie beantragt, der Therapeut ihr dabei geholfen. In der Arbeit ist der Experte zwischendurch an Grenzen gestoßen. Zunächst habe er es tiefenpsychologisch versuchen wollen, sich dann aber für eine Verhaltenstherapie entschieden. Es sei generell ein „schweres Störungsbild“. Der Therapeut bezeichnet es auf Nachfrage eines Schöffen hinsichtlich von Behandlungserfolgen sogar als „Fass ohne Boden“.

Auch Gina H. selbst hat den Ausführungen des Therapeuten zufolge immer wieder einen hohen Leidensdruck. „Es gab immer wieder Situationen, in denen sie selbst gesagt hatte, sie würde gerne in die Klinik gehen“, sagt er, wie der Stern berichtet. Aber das sei nicht möglich gewesen – wegen der Pferde und wegen ihres Sohnes.

Fall Fabian (†8) aus Güstrow – die Chronologie des Verbrechens

Mehr Details in unserem Text: Die Chronologie im Fall Fabian (†8) aus Güstrow

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Psychotherapeut findet Gina H.s Suizidversuche „ungewöhnlich“

Vor Gericht geht es auch um Gina H. Suizidversuche. Das Erstaunliche laut dem Psychotherapeuten: Gina H. habe ihn gar nicht kontaktiert, was ungewöhnlich sei. Sie habe ihm erst im Nachhinein davon berichtet. „Normalerweise würde in der Klinik schon ein Kontaktversuch stattfinden.“ Der Zeuge vermutet, dass sich über die Jahre kein Vertrauen aufgebaut habe.

Suizid Hinweis als Bild
Hier findet ihr Hilfe!

„Könnte es auch sein, dass Sie Ihre Hilfe nicht in Anspruch genommen hat, weil sie die Hilfe nicht brauchte? Weil die Suizidversuche nicht ernst gemeint waren?“, hakt der Richter nach. Der Zeuge: „Diesen Gedanken hatte ich auch. Das kann ich nicht bestätigen. Aber nicht ausschließen. Ich finde es ungewöhnlich“.

Lese-Tipp: So erlebt RTL-Reporter Gina H. im Gerichtssaal: „Ich-bezogen, keine Empathie, kein Mitgefühl“

„Es ging immer um aktuelle, familiäre Konflikte“

Gina H.s Langzeittherapie sei eigentlich ab 2021 schon abgeschlossen, verrät ihr Psychotherapeut. Weitere Gespräche hätten aber stattgefunden. Den letzten Kontakt habe es am 4. November 2025 gegeben, zwei Tage vor Gina H.s Festnahme.

Bei den Sitzungen standen immer ähnliche Themen im Vordergrund: „Es ging immer um aktuelle, familiäre Konflikte.“ Allen voran die On-off-Beziehung mit Matthias R., Fabians Vater. Gina H. berichtete ihrem Psychotherapeuten davon sogar direkt per SMS. Aber auch der Tod von Gina H.s Pferd Tiffy habe sie „sehr belastet“.

Im Video: Lachen und triumphieren! Warum verhält sich die Angeklagte Gina H. so?

Mordverdächtige Gina H. steht seit April 2026 vor Gericht

Fabian aus Güstrow verschwand am 10. Oktober 2025 spurlos. Vier Tage später meldete sich ausgerechnet Gina H. bei der Polizei. Sie will die verbrannte Leiche des Jungen an einem Tümpel in einem abgelegenen Waldstück gefunden haben.

Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater, ist tatverdächtig.
Gina H. muss sich vor dem Landgericht Rostock verantworten.
dpa/Schwarck Media

Anfang November wurde sie festgenommen und muss sich seit dem 27. April vor Gericht verantworten. Ihr mögliches Motiv laut Staatsanwaltschaft: Gina H. habe mit der Tat die Streitigkeiten mit Fabians Vater beenden wollen und gehofft, die Beziehung mit ihm so fortsetzen zu können. Die Angeklagte schweigt weiterhin beharrlich zu den Vorwürfen. Bis zu einer möglichen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Stern