Kein Batmobil, aber PaketbandMexikos dunkler Rächer! Selbsternannter „Batman” klebt Diebe an Laternen fest

Ein Mann, der von einem Selbstjustizler gefesselt wurde, der als „mexikanischer Batman“ bekannt ist
Hier hat der „mexikanische Batman” zugeschlagen
X/LuisCardenasMX

Ein mysteriöser Rächer macht die Straßen von Lagos de Moreno (Mexiko) unsicher!
Oder sicherer, je nachdem, wen man fragt. Er nennt sich „Batman“, jagt mutmaßliche Motorrad-Diebe, fesselt sie mit Paketband an Laternen und stellt sie öffentlich zur Schau. Während die Polizei ihn fieberhaft sucht, fragen sich viele: Ist dieser Mann ein Held oder ein brutaler Krimineller?

Gotham liegt neuerdings in Jalisco

Lagos de Moreno ist eine Stadt mit rund 110.000 Einwohnern im mexikanischen Bundesstaat Jalisco – bekannt für Kolonialarchitektur, Käseproduktion und eine tiefe katholische Tradition. Doch seit Juni 2026 schreibt die Stadt Schlagzeilen, die eher nach einem Comic-Strip klingen als nach einer Polizeimeldung: Ein Unbekannter macht laut The Sun Jagd auf Motorraddiebe, überwältigt sie – und klebt sie anschließend mit Paketband an Straßenlaternen fest. Wie ein selbsternannter Superheld. Wie Batman. Nur eben mexikanisch.

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Mindestens fünf Männer wurden innerhalb von zehn Tagen auf diese Weise zur Schau gestellt. Der erste Fall ereignete sich am 13. Juni 2026. Ein junger Mann wurde an einen Laternenpfahl gewickelt aufgefunden – bewegungsunfähig, gedemütigt, mit einem Pappschild um den Hals, auf dem stand: „Ratero” – Dieb. In den folgenden Tagen folgten weitere Fälle, stets nach demselben Muster.

Die Handschrift des Rächers

Was den unbekannten Rächer von einem gewöhnlichen Schläger unterscheidet, ist sein Sinn für Inszenierung. Der selbsternannte „Batman von Lagos de Moreno” – wie ihn der mexikanische Journalist Luis Cárdenas auf der Plattform X taufte – hinterlässt eine unverkennbare Handschrift. Auf einem der Fotos, die Cárdenas veröffentlichte, sind zwei Männer Rücken an Rücken an denselben Pfahl gewickelt.

Die gefesselten Männer wurden nicht nur mit Paketband an Pfähle gewickelt, Arme und Körper fest verschnürt, Münder zugeklebt. Nein, der Unbekannte nahm sich auch die Zeit, ihnen mit einem Filzstift Schnurrbärte und Katzenbart-Muster ins Gesicht zu zeichnen. Über den Köpfen der Gefesselten hingen große pinke Schilder mit handgeschriebenen Texten, die die angeblichen Vergehen der Männer detailliert auflisteten. Und als wäre das noch nicht genug: Die mutmaßlich gestohlenen Motorräder stellte der Rächer direkt neben seinen Opfern ab – als stumme Beweismittel. Es sieht aus wie eine Kunstinstallation über Gerechtigkeit – oder wie eine sehr ernste Warnung.

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Die Polizei sucht den Rächer, nicht die Diebe

Hier wird die Geschichte juristisch und moralisch kompliziert. Denn die Behörden in Jalisco haben klargestellt: Die gefesselten Männer gelten offiziell als Opfer. Nicht die mutmaßlichen Diebe stehen im Fokus der Ermittlungen – sondern der Rächer. Staatssekretär Juan Pablo Hernández erklärte laut Medienberichten, die gefesselten Männer würden von der Polizei als Geschädigte behandelt. Die Polizei habe fünf Fälle registriert und sei dem Unbekannten auf der Spur. Zwei Fahrzeuge wurden bereits identifiziert, die mit den Vorfällen in Verbindung stehen könnten. Verhaftungen gab es bislang keine.

Batman
Ein Möchtegern-Superheld hat in Mexiko als Reaktion auf eine Welle von Diebstählen drastische Maßnahmen ergriffen
xCAP/FBx

Ob gegen die gefesselten Männer wegen der angeblichen Diebstähle ermittelt wird, ist unklar. Sie wurden von den Pfählen befreit und medizinisch versorgt. Einige wiesen Verletzungen auf, die auf Schläge hindeuteten. Einer war blutüberströmt.

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Wenn der Staat versagt, kommt Batman

Was wie eine skurrile Anekdote klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Jalisco ist kein gewöhnlicher mexikanischer Bundesstaat, wie The Sun weiter berichtet. Es ist das Heimatterritorium des CJNG – des Jalisco New Generation Cartel, einer der brutalsten und mächtigsten Verbrechensorganisationen Mexikos. Die Gruppe ist bekannt für spektakuläre Gewalt: Leichen, die von Autobahnbrücken hängen, Angriffe auf Sicherheitskräfte mit Militärwaffen, eine aggressive Expansion in andere Bundesstaaten.

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In diesem Klima der Angst und staatlichen Ohnmacht ist Selbstjustiz kein Randphänomen – sie ist eine verbreitete Reaktion auf das Versagen der Institutionen. Erst kürzlich sorgten Frauen aus dem benachbarten Bundesstaat Michoacán für Aufsehen, die sich mit Sturmgewehren bewaffneten, Straßensperren errichteten und sogar einen selbstgebauten Panzer konstruierten – um ihre Dörfer vor CJNG-Kämpfern zu schützen.

Vor dem Hintergrund wirkt der „Batman von Lagos de Moreno” weniger wie ein Comic-Exzentriker und mehr wie ein brutales Symptom in einem Land, in dem viele das Gesetz lieber selbst in die Hand nehmen.

Held oder brutaler Krimineller?

Die Reaktionen in den sozialen Medien sind gespalten. Viele Nutzer feiern den Unbekannten als Volkshelden, der endlich dort anpackt, wo die Polizei versagt. Andere warnen vor den Gefahren der Selbstjustiz: Wer garantiert, dass die Gefesselten tatsächlich schuldig sind? Wer kontrolliert den Kontrolleur?

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Die Polizei von Jalisco hat diese Frage bereits beantwortet – zumindest aus ihrer Sicht. Der Mann mit dem Paketband ist ein Gesetzesbrecher. Ob er ein Held ist, entscheidet die Straße. Und die Straße in Lagos de Moreno? Die schweigt. Und wartet, ob Batman wieder zuschlägt.

Verwendete Quellen: The Sun, New York Post