Aus einem Volo-Einsatz wird ein Lebenstraum: Lena Palm kämpft in Namibia für Kinder ohne Schutz
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Lena Palm wollte eigentlich nur ein paar Monate bleiben – daraus sind mittlerweile mehr als zehn Jahre geworden. In Namibia hat sie eine Hilfsorganisation aufgebaut, ein Kinderheim eröffnet und plant jetzt ihr nächstes Herzensprojekt. Doch was sie täglich erlebt, geht auch an die Substanz, wie ihr im Video seht.
Sehnsuchtsort Afrika. Weite Landschaften, eine atemberaubende Tierwelt – aber eben auch: ganz viel Armut. Lena: „Es gibt keine sauberen Toiletten hier. Der Müll liegt auf der Straße. also. Auch das bringt viele Krankheiten mit sich. Und dann hier die Kinder, die eben auf der Straße ihren Tag verbringen.“ Für die meisten eher kein Ziel zum Auswandern, für sie ihr Lebensmittelpunkt. Lena Palm hat es sich mit gerade mal 30 Jahren zur Herzenssache gemacht, hier den Ärmsten der Armen zu helfen und darauf ihr ganzes Leben auszurichten – über acht Tausend Kilometer weg von ihrer Familie in Deutschland. Schon damals, als wir sie 2021 in Afrika das erste mal besuchen, hat sie große Pläne: will ein Kinderheim bauen und heiraten. Was ist heute, fünf Jahre später, daraus geworden? Wir reisen ins elf Flugstunden entfernte Windhuk in Namibia. Hier befindet sich das Büro von Lenas eigenen Hilfsorganisation Wadadee Cares, die sie vor 10 Jahren, als sie gerade mal 20 ist, gegründet hat. „Was eigentlich jeden Monat in der Zeitung steht, ist, dass irgendwo irgendwelche toten Babys aufgefunden werden. Also dieses Baby Dumping, weil die jungen Frauen oder die jungen Mädchen dann nicht wissen, wohin mit den Kindern überhaupt nicht die Möglichkeit haben, sich um sie zu kümmern. Nicht mehr zur Schule gehen dürfen, zu Hause rausgeschmissen werden und dann eben gucken, dass sie ihre Kinder auf irgendwelchen Müllhalden oder im Flussbett oder irgendwo aussetzen.“ Deshalb will Lena ein Frauenhaus bauen, für Minderjährige Schwangere, die oft Gewalt erlebt haben und auf Hilfe angewiesen sind. Für Lena ein ganz besonderes Anliegen, denn auch privat ist in den letzten Jahren bei ihr so einiges passiert, wie sie uns später noch berichtet. Erstmal muss sie jetzt aber eine neue Volontärin begrüßen. Auf diese freiwilligen Helfer ist die Organisation nämlich dringend angewiesen. „Ja wir haben ein Volontär Problem. Es macht die Arbeit einfach einfacher. Man hat mehr Betreuungspersonen für die Kinder.“ Aber es ist auch ein Job, der nicht zu unterschätzen ist. Das wird gleich auch Amelie merken. Sie ist gerade erst in Namibia angekommen und darf Lena heute an ihrem ersten Tag zur Suppenküche begleiten, wo sie die kommenden Tage mithelfen soll. Dafür fahren die beiden nach Katutura, mitten ins Township, einem sozialen Brennpunkt. Katutura bedeutet übersetzt: Ort an dem wir nicht leben wollen. Mittlerweile bekommen hier bis zu 800 Kinder täglich eine warme Mahlzeit. So viele Kinder, die ohne Lena und ihre vielen Helferinnen und Helfer jeden Tag hungern müssten, weil sie selbst nichts haben. Lena startet damals mit 18 Jahren als Volontärin. Doch anders als alle anderen entscheidet sie sich nach ihrer Volozeit zu bleiben, ihr Studium in Köln zu beenden und ihren Lebensmittelpunkt komplett nach Namibia zu verlegen. Sie verliebt sich nicht nur in Afrika, sondern auch in ihren heutigen Mann, der selbst aus Afrika stammt. Die beiden heiraten 2025, haben sogar einen gemeinsamen Sohn. Dass dieser auch hier in Namibia aufwachsen wird, ist für die beiden sofort klar. Mit ihren Eltern in Deutschland hält sie regelmäßig Telefonkontakt. Lena: „Also wir fliegen jetzt nächste Woche wieder nach Deutschland, dann wird der Kleine zum Beispiel bekommt die Meningokokkenimpfung. Das sind so Kleinigkeiten, die es halt hier in Namibia nicht gibt, wo ich dann schon froh bin, dass wir so diese Verbindung irgendwie haben und die Möglichkeit haben, das eben in Deutschland zu machen. Aber ansonsten fühlen wir uns hier total wohl und er geht hier in den Kindergarten und hat auch hier in Namibia ein sehr behütetes Leben und eine schöne Kindheit.“ Und die wünscht sie auch den anderen Kindern in Namibia. Vor 5 Jahren hat sie deshalb die große Vision von einem Kinderheim. Damals noch ein Traum auf Papier, heute ist es das Zuhause von 20 Waisenkindern. Heute ist Grace 6 Jahre alt, geht zur Schule und zwei mal die Woche zum Ballett. Dass sie nicht allen Kindern so eine Perspektive wie Grace schenken kann, ist Lena mittlerweile bewusst. Lena: „Ja, natürlich ist es im weitesten Sinne unsere Arbeit hier ein Tropfen auf den heißen Stein, weil wir niemals für alle Kinder da sein können. Aber für die Kinder, die jeden Tag hier hinkommen und auch in unsere anderen Projekte gehen, hat es sich schon gelohnt. Und für die können wir wirklich so deren Leben verändern.“ Und das tut sie, nicht nur für die Kinder, die hier leben, auch für junge Frauen, für die das Kinderheim ein Zufluchtsort geworden ist. Lena: „Das ist Tia. Tia ist ungeplant ungewollt mit 19 schwanger geworden, hat keinen Schulabschluss. Der Vater von dem Kind kümmert sich überhaupt nicht. Sie macht es komplett alleine. Und Tia ist aber zusätzlich die einzige in ihrer Familie, die einen Job in einem Supermarkt hat und eigentlich ihre Mutter und ihre drei Geschwister auch noch mit ernähren muss. Und wir versuchen sie jetzt dahin zu bekommen, dass sie sich davon so ein bisschen frei löst, um ihre Schule nachzuholen. Weil für immer im Supermarkt putzen gehen ist natürlich nichts, womit man langfristig eine ganze Familie ernähren kann. Ganz häufig ist genau das das Problem, dass die jungen Frauen sich das gar nicht zutrauen, dass sie keine Unterstützung von zu Hause kriegen, nicht mehr zur Schule gehen dürfen, rausgeschmissen werden. Und deren einzige Lösung ist es dann, ihr Kind irgendwo auf der Müllhalde auszusetzen.“ Und genau deshalb will Lena ihr neues Projekt, das Frauenhaus, so schnell es geht erbauen. Auch wenn der Weg dahin steinig und vor allem auch für sie persönlich mit großen finanziellen Herausforderungen verbunden ist: „Wir sind wirklich zu 100 % von Spenden abhängig. Wir versuchen so mit dem Gästehaus zu kooperieren, dass alle Kosten für Gehälter und Versicherungen und Administrationskosten eben über die Einnahmen von dem Gästehaus finanziert werden, sodass wirklich alle Spenden direkt in unsere Partnerprojekte und in unsere eigenen Projekte fließen können.“ Ein harter Job, auch emotional. Aufgeben kommt für die 30-Jährige aber nicht in Frage. „Es gibt einem einfach unglaublich viel zurück. Man weiß einfach, dass man am Ende des Tages irgendwas geleistet hat und was getan hat, was jemand anderem irgendwie die Welt bedeutet. Und dieses Gefühl ist eigentlich das, wofür man das, wofür man das tut.“ Sie hat noch viel vor, will ihre Projekte weiter vorantreiben und den Menschen in Namibia helfen, um ihnen eine bessere Zukunft zu schenken. (bearbeitet)
