Wachstumsschub dank KI?Kanzler sammelt bei Investoren: Hunderte Milliarden Euro sollen die Wirtschaft beleben

In Berlin steigt derzeit der Investitionsgipfel „Invest in Germany“. Bundeskanzler Friedrich Merz und die Minister rühren vor Ort kräftig die Werbetrommel bei ausländischen Unternehmen. Anscheinend mit Erfolg. Laut Merz haben zahlreiche Firmen Investitionen im Milliardenbereich zugesagt.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sehen Investitionszusagen von Hunderten Milliarden Euro in die deutsche Wirtschaft. Der Kanzler sprach bei der Konferenz „Invest in Germany“ in Berlin von Zusagen der Unternehmen der Initiative „Made for Germany“ in Höhe von 800 Milliarden Euro bis 2028. „Wir sehen ein beschleunigtes Wachstum im Jahr 2026 trotz steigenden geopolitischen Drucks und eines Sprungs der Energiepreise“, fügte er hinzu. Das Wirtschaftsministerium sprach davon, dass in diesem Jahr 228,6 Milliarden Euro in Deutschland investiert würden - davon 95 Milliarden Euro aus dem Ausland.
Der Kanzler verwies darauf, dass der Internationale Währungsfonds die Wachstumsannahme für Deutschland auf 1,3 Prozent in diesem Jahr erhöht habe. Die ausländischen Direktinvestitionen seien 2025 gegenüber 2024 um 50 Prozent auf 86 Milliarden Euro gestiegen. Auch die Anzahl neuer Startups hätten sich sprunghaft erhöht.
Ziel der Konferenz ist es, im globalen, aber auch innereuropäischen Wettbewerb Firmen zu Investitionen in den Standort Deutschland zu bewegen. Allerdings werden auf solchen Konferenzen auch oft Summen von Investitionen zusammengezählt, die bereits vorher entschieden worden waren. So sprach etwa Sanofi-Chefin Belén Garijo davon, dass der Pharmakonzern bis 2032 zwei Milliarden Euro in Deutschland in die Insulin-Produktion stecke.
Kanzler fordert Firmen auf: „Nutzt mehr KI“
Merz sowie etliche Ministerinnen und Minister der schwarz-roten Regierung warben gerade gegenüber ausländischen CEOs mit den Vorzügen Deutschlands. Die Bundesregierung versucht, diese Entwicklung mit entschiedenen Reformen der Sozialsysteme und dem Abbau von Bürokratie auf nationaler und europäischer Ebene zu unterstützen, so Merz. „Wichtig sind Tempo und Umsetzung“.
Als Stärken Deutschlands nannte der Kanzler die politische Stabilität, die gute Bonität, die Unabhängigkeit des Justizsystems, die multilaterale, verlässliche Ausrichtung des Landes, die starke Forschungslandschaft, die geografische Lage in der Mitte des EU-Binnenmarktes sowie die nach wie vor starke industrielle Basis. Er forderte die Firmen ebenso wie Wirtschaftsministerin Reiche auf, verstärkt Künstliche Intelligenz (KI) bei ihrer Arbeit einzusetzen.
Klingbeil: „Ich will ihr Geld“
In einer für Investitionskonferenzen üblichen sogenannten Schnellrunde warben Reiche, Digitalminister Karsten Wildberger, Finanzminister Lars Klingbeil, Bauministerin Verena Hubertz, Verkehrsminister Steffen Bilger, Forschungs- und Weltraumministerin Dorothee Bär sowie der Investitionsbeauftragte des Kanzlers, Martin Blessing, für Investitionen in den von ihnen verantworteten Bereichen. „Ich will Ihr Geld“, scherzte Vizekanzler Klingbeil und verwies darauf, dass die Regierung den Kapitalmarkt in Deutschland und Europa deutlich stärke. Ein Beispiel sei das neue geplante Kapitalmarkt-Element in der gesetzlichen Rentenversicherung nach schwedischem Vorbild. Es sollten insgesamt mehr Gelder am Kapitalmarkt angelegt werden, anstatt sie auf Sparkonten zu horten, so der SPD-Vorsitzende.
Bauministerin Hubertz betonte, dass die Nachfrage nach Wohnungen enorm sei, weswegen sich Investitionen lohnten. Die SPD-Politikerin bekräftigte, Enteignungen großer Immobilienkonzerne, wie sie in Berlin auf Landesebene von der wahrscheinlich neuen Regierung geplant sind, durch ein Bundesgesetz zu unterbinden. Hubertz hatte zuvor bereits dem „Spiegel“ gesagt, dass die Bundesregierung im staatlichen Deutschlandfonds über eine KfW-Investition von 100 Millionen Euro privates Kapital von einer Milliarde Euro für den Wohnungsbau mobilisieren wolle.
Verkehrsminister Bilger verwies auf die 500 Milliarden Euro für Infrastruktur in den kommenden Jahren, die für die Erneuerung eingesetzt würden. Es sei ein langfristig ausgerichteter Plan, der auch Möglichkeiten für Kooperationen mit privaten Investoren schaffe. Digitalminister Wildberger verwies auf die forcierte Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und den Abbau der Bürokratielasten für Unternehmen um 30 Prozent.
Eine Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group hatte Deutschland zuvor großes Potenzial bei der KI-Entwicklung bescheinigt. Allerdings hätten Japan und Südkorea aufgeholt und seien in die Weltspitze vorgerückt. Deutschland trete dagegen auf der Stelle. Es fehlten vor allem Fachkräfte in dem Bereich
Verwendete Quellen: sts/rts


