Jetzt schon drei Tote!Hat das Gesundheitsamt Frankfurt die Todesgefahr durch Malaria unterschätzt?

Sechs Menschen infizieren sich am Frankfurter Flughafen mit Malaria – zwei Airport-Mitarbeiter sterben. Kurz danach erklärt das Gesundheitsamt Ende August, die Gefahr für die Bevölkerung sei „sehr, sehr gering“. Jetzt bestätigt die Behörde zwei weitere Fälle außerhalb des Flughafens. Eine dieser beiden Personen ist jetzt ebenfalls gestorben. Das Gesundheitsamt muss sich die Frage gefallen lassen, ob das Risiko unterschätzt wurde.
Nach zwei Malaria-Toten spricht das Amt von „sehr, sehr geringer“ Gefahr

Zwei Mitarbeiter am Frankfurter Flughafen sind tot. Weil sie sich mit Malaria infiziert hatten. RTL.de hatte Ende August über den schockierenden Fall berichtet.
Trotz der Toten fällt die Einschätzung des zuständigen Gesundheitsamts damals eindeutig aus: „Für die Bevölkerung in Frankfurt ist die Gefahr als sehr, sehr gering anzusehen.“ Als Begründung verwies das Amt darauf, dass Malaria im Alltag nicht von Mensch zu Mensch übertragen werde und die klimatischen Bedingungen in Deutschland für Mücke und Erreger ungünstig seien. Jetzt räumt das Amt plötzlich weitere Ansteckungen ein.
Flughafen-Malaria in Frankfurt: Von zwei weiteren Infizierten ist eine Person gestorben
Es geht um zwei weitere Malaria-Infektionen. Betroffen sind nach Angaben der Stadt zwei Menschen aus dem Frankfurter Stadtteil Schwanheim in der Nähe des Flughafens. Beide werden stationär behandelt. Das Gesundheitsamt bestätigt RTL: Eine dieser Personen ist jetzt ebenfalls tot!
Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass auch sie von einer eingeschleppten infizierten Mücke gestochen worden sein könnten. Anders als die zuvor erkrankten Flughafen-Mitarbeiter arbeiten die beiden neuen Betroffenen nicht am Airport. Außerdem waren sie nach Angaben der Behörde zuvor nicht in einem Malaria-Endemiegebiet.
Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt: Hat das Gesundheitsamt die Gefahr weiterer Infektionen unterschätzt?
Gesundheitsamt hatte Risiko weiterer Ansteckungen als gering eingeschätzt

RTL.de hat bei der Behörde nachgefragt. Das Gesundheitsamt erklärt, das Risiko weiterer Erkrankungen in Stadtteilen rund um den Flughafen sei bereits bei der Bewertung der ersten Fälle berücksichtigt worden.
„Bei der Bewertung der Erkrankungsfälle von Mitarbeitenden am Flughafen ist das Risiko für weitere Ansteckungen in Stadtteilen in der Nähe des Flughafens berücksichtigt und als gering eingeschätzt worden“, teilt die Behörde auf Anfrage von RTL.de mit. Fakt ist: Von den beiden neu erkrankten Personen ist eine tot!
Ob das Amt die Gefahr tatsächlich unterschätzt hat, ist noch unklar. Denn noch ist nicht erwiesen, ob die Malaria-Fälle aus Juli, August und September auf dieselbe Erregerquelle zurückgehen – oder andere, eingeschleppte Mücken für die neuesten Ansteckungen verantwortlich sind.
Zusammenhang der acht Malaria-Fälle noch ungeklärt
Spezialuntersuchungen sollen jetzt klären, ob zwischen den insgesamt acht Fällen (davon zwei Todesfälle) ein Zusammenhang besteht. „Die Untersuchungen laufen und eine abschließende Bewertung ist voraussichtlich erst in mehreren Wochen möglich“, erklärt das Gesundheitsamt gegenüber RTL.de.
An seiner grundsätzlichen Einschätzung hält das Amt fest: Für die Bevölkerung in Frankfurt sei die Ansteckungsgefahr weiterhin „sehr gering“. Malaria werde nicht im normalen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, sondern über infizierte Mücken.
Gesundheitsamt rät Frankfurtern jetzt zu Mückenschutz
Gleichzeitig reagiert die Stadt auf die neuen Fälle. Das Mücken-Monitoring wurde auf Schwanheim ausgeweitet. Außerdem rät das Gesundheitsamt inzwischen zu Mückenschutz – etwa durch bedeckende Kleidung, Fliegengitter und sogenannte Repellentien. Damit sind Mückenschutzmittel wie Sprays oder Lotionen gemeint, die die Tiere fernhalten sollen.
Auch Ärzte und Gesundheitsämter im Rhein-Main-Gebiet wurden für Flughafen-Malaria sensibilisiert. Bei entsprechenden Beschwerden soll deshalb auch dann an Malaria gedacht werden, wenn die Betroffenen zuvor nicht in einem typischen Malariagebiet waren.
Für Rückfragen hat das Gesundheitsamt eine Hotline unter 069-212-30030 eingerichtet.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche


