Liveticker zum Grenz-Drama in Ceuta„Vorurteile und Falschmeldungen” – Spanien beklagt mangelnde EU-Solidarität

von Sebastian Fuhrmann, Camilla Koziol, Martina Lewinski und Jan Luhrenberg

Größter Ansturm seit 2021!
60.000 Migranten haben Polizeiangaben zufolge binnen weniger Tage die Grenze von Marokko zur spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gestürmt. Dutzende sind beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen. Mittlerweile hat sich die Lage vor Ort nach offiziellen Angaben entspannt, aber durch die EU geht ein Riss. In unserem Liveticker informieren wir euch stets über die neuesten Entwicklungen.

Grenz-Drama in Ceuta – hier geht’s zu unserem Live-Ticker!

Wichtige Updates
Anja Blanuscha

Spanien beklagt mangelnde Solidarität

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kritisierte die Reaktion einiger EU-Staaten als von "Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Interessen" getrieben. In einem Brief an die EU-Spitze verwies er darauf, dass Ceuta nicht zum Schengen-Raum gehört und Migranten von dort nicht ohne Weiteres in andere EU-Staaten weiterreisen könnten. Die spanische Exklave ist von Marokko und dem Mittelmeer umschlossen.
Der für Inneres und Migration zuständige EU-Kommissar Magnus Brunner sicherte Spanien unterdessen die Unterstützung der EU zu. "Wenn unsere Außengrenzen bedroht sind, muss die europäische Antwort entschlossen, schnell und geeint sein. Solidarität ist der Schlüssel", schrieb er auf X.
Auch der neue britische Premierminister Andy Burnham bot Spanien Unterstützung an, obwohl das Vereinigte Königreich nicht zum Schengen-Raum gehört. Er sagte, er habe mit Sánchez gesprochen und werde "jede mögliche Hilfe leisten", wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete.
Emanuel Holz

Jetzt spricht der SPD-Chef zum Ceuta-Drama


Nach dem Flüchtlingsdrama in Ceuta macht SPD-Chef Lars Klingbeil allen spalterischen Kräften, die Spanien aus dem Schengen-Abkommen werfen wollen, eine klare Ansage.  
„Die spanische Exklave Ceuta wurde Ziel einer offenbar gesteuerten Migrationsbewegung. Migranten wurden instrumentalisiert in dem Versuch, Europa zu spalten. Deshalb steht die Geschlossenheit Europas und die Solidarität mit Spanien jetzt an erster Stelle. Es gilt, mit Spanien zu agieren und nicht über Spanien zu sprechen. Wer Spanien vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen die Eignung als Schengen-Mitglied abspricht, ignoriert bewusst, dass von Ceuta aus keine Einreise ohne Grenzkontrollen auf das europäische Festland möglich ist. 
Pedro Sánchez hat mit entschlossenem Handeln dafür gesorgt, dass der allergrößte Teil der Menschen innerhalb kürzester Zeit von Ceuta wieder nach Marokko zurückgekehrt ist. Jetzt muss genau geklärt werden, was zu dieser Bewegung geführt hat und wer dafür verantwortlich war. 
Das entschlossene Handeln Spaniens verdient Respekt und volle Solidarität. Gerade in solchen Situationen darf Europa sich nicht auseinander dividieren lassen. Europa muss seine Außengrenzen gemeinsam konsequent schützen und darf nicht zulassen, dass Migration politisch instrumentalisiert wird.“ 
Anja Blanuscha

Lage in Ceuta normalisiert sich

Die Situation in der spanischen Exklave hat sich nach einem massiven Zustrom von Migranten weitgehend entspannt. Nach Angaben der spanischen Regierung sind fast alle der 50.000 bis 60.000 Menschen, die es innerhalb kurzer Zeit von Marokko in die abgeschottete Exklave geschafft haben, inzwischen zurückgekehrt. Die Rückkehr erfolgte demnach freiwillig, nachdem sich für die Migranten kaum Aussichten auf eine Weiterreise ergeben hatten. Nicht zuletzt mangelte es in der Stadt, die nicht einmal 85.000 Einwohner und weniger Fläche als der Frankfurter Flughafen hat, an Unterkünften und Versorgung.

Nach spanischen Angaben kamen mindestens 67 Menschen bei dem Versuch ums Leben, nach Ceuta zu gelangen. Zwischen der Küste Marokkos und dem Ceuta-Strand Tarajal wird inzwischen laut der spanischen Zivilgarde eine rund 500 Meter lange schwimmende Barriere installiert. Sie soll gemeinsam mit Bojen der spanischen Marine die Kontrolle und Überwachung der Küste verbessern.
Anja Blanuscha

Wadephul: Schutz der EU-Außengrenzen hat absolute Priorität  

Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat die EU-Kommission dazu aufgerufen, dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einzuräumen. Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika sagte er der Bild am Sonntag: "Die Lage in Ceuta in den vergangenen Tagen war ein absoluter Stresstest, den wir bestanden haben." Die Situation habe aber die Anfälligkeit Europas gezeigt. 
"Ich erwarte daher, dass die EU-Kommission dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einräumt, um das Schengen-System offener EU-Binnengrenzen nicht weiter zu gefährden", sagte er. Wadephul hob hervor, dass eine effektive Migrationspolitik nicht ohne die Hilfe von Drittstaaten funktioniere. "Um illegale Migration zu kontrollieren, brauchen wir Partner außerhalb Europas, wie in diesem Fall Marokko." Spanien und Marokko hätten es gemeinsam geschafft, diese Krise schnell zu lösen – dies begrüße er sehr. 

Im Mai 2021 kamen innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen

Mindestens 19 Menschen kamen dabei bisher ums Leben. Es ist die größte Zahl von nach Ceuta gekommenen Migranten seit 2021. In der Nacht und auch am Freitagmorgen kamen demnach weiter Hunderte Menschen über die Grenze, aber viele kehrten auch zurück. Die Lage habe sich etwas entspannt, hieß es.

Verwendete Quellen: dpa, AFP