Live-Ticker zum Hackerangriff auf das InternetCDU-Politiker mit drastischer Warnung: „Wir erleben einen Wendepunkt”

von Sebastian Fuhrmann, Camilla Koziol und Jana Kerzmann

Hacker-Alarm im Internet!
Zwei kritische Sicherheitslücken bedrohen weltweit Millionen Webseiten. Erste Angreifer sollen die Schwachstellen bereits ausgenutzt haben. Deutsche Behörden nehmen vorsorglich Internetseiten vom Netz. Alle aktuellen Entwicklungen zur Hacker-Gefahr gibt es hier im Live-Ticker.

Alle Details zum Hackerangriff im Live-Ticker

Wichtige Updates
Sebastian Fuhrmann

CDU-Politiker warnt vor neuer Dimension der Cyberbedrohung: "Wir erleben einen Wendepunkt"


Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU), hat angesichts einer schwerwiegenden Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP vor einer neuen Dimension der Cyberbedrohung gewarnt. "Wir erleben einen Wendepunkt", sagte Henrichmann dem "Handelsblatt" (Donnerstag). Künstliche Intelligenz (KI) mache aus Schwachstellen, die bisher als kaum ausnutzbar gegolten hätten, in kurzer Zeit "echte Einfallstore".
Hintergrund ist eine als hochkritisch eingestufte Schwachstelle in der weitverbreiteten Programmiersprache PHP. Angreifer könnten darüber die Kontrolle über Webseiten übernehmen oder sensible Daten abgreifen. Mehrere Regierungsbehörden, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben ihre Internetseiten vorsorglich abgeschaltet. In Europa waren am Mittwoch unter anderem Websites in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien betroffen. Ein inzwischen bereitgestelltes Sicherheitsupdate soll die Schwachstelle schließen.
"Das ist eine der ernstesten Sicherheitslücken der vergangenen Jahre", sagte Henrichmann weiter. Die Schwachstelle betreffe einen Großteil der Websites weltweit und sei damit "ein Problem für die gesamte digitale Infrastruktur". Der Fall zeige auch, wie verwundbar staatliche Einrichtungen seien, wenn zentrale Software über Jahre unentdeckte Fehler enthalte. Solche Sicherheitslücken würden gezielt von Kriminellen und staatlichen Akteuren ausgenutzt.
Marc Henrichmann (CDU) im Bundestag.
Marc Henrichmann (CDU) im Bundestag. picture alliance/dpa | Celine Frohnapfel
Sebastian Fuhrmann

Hessische Ministerien wieder online - weiter Einschränkungen

Nach der zeitweisen Abschaltung vieler Internetseiten hessischer Behörden und Ministerien wegen einer weltweiten Sicherheitslücke sind viele Seiten inzwischen wieder erreichbar. Dazu gehören die Internetseiten der Landesregierung und aller hessischen Ministerien. Als Vorsichtsmaßnahme wegen einer kritischen Sicherheitslücke in der weit verbreiteten Programmiersprache PHP waren die Seiten vom Netz genommen worden.
Die Staatskanzlei hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass die Sicherheitslücke in der weit verbreiteten Programmiersprache PHP "technische Anpassungen" auf hessen.de, den Ministeriumsseiten sowie nachgeordneten Bereichen im Hessen-Web nötig gemacht habe. 
Sebastian Fuhrmann

PHP-Sicherheitslücke: BSI rät zur "umgehenden" Installation von Sicherheitsupdate

Nach dem Bekanntwerden einer gravierenden Sicherheitslücke in der Web-Programmiersprache PHP haben Regierungsbehörden und Unternehmen weltweit zahlreiche Internetseiten vorsorglich abgeschaltet. In Europa waren am Mittwoch unter anderem Websites in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Belgien betroffen. Der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn hatten wegen der Gefahr von Cyberangriffen dringend zu diesem Schritt geraten. Zudem rieten sie zur "umgehenden" Installation eines Sicherheitsupdates. BSI-Vizepräsident Thomas Caspers warnte auch Nutzer vor kompromittierten Websites.
Die Sicherheitslücke könne es Hackern ermöglichen, sich "direkten Zugriff" auf Datensysteme oder Server-Datenbanken zu verschaffen, warnte die NSA. "Kritische Schwachstellen innerhalb der Programmiersprache PHP bedrohen aktuell weltweit Webanwendungen", erklärte das BSI.
Camilla Koziol

Behörden in Niedersachsen online nicht mehr erreichbar

Auch viele Behörden in Niedersachsen haben ihre Webseiten vorübergehend abgeschaltet. Etwa teilten die Kreisverwaltungen der Landkreise Cuxhaven, Harburg und Hameln-Pyrmont mit, Webseiten aufgrund der Sicherheitslücke vorsorglich vom Netz genommen zu haben. Sowohl die Internetauftritte als auch Online-Dienstleistungen seien vorerst nicht zu erreichen, hieß es.
In Hannover schaltete das Verkehrsunternehmen Üstra wegen der Sicherheitslücke seine Website vorübergehend ab. "Auch der Fahrkartenkauf und die Anzeige von gekauften Fahrkarten in der App sind betroffen", teilte das Unternehmen mit. Es werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. 
Auch Webseiten der Niedersächsischen Landesregierung, etwa von Ministerien, sowie von Polizeibehörden und Hochschulen sind seit dem Nachmittag nicht mehr erreichbar. Dort sind teils Hinweise auf Wartungsarbeiten zu lesen – ob diese mit der Sicherheitslücke zusammenhängen, war zunächst nicht klar. 
Die Universität Göttingen teilte etwa mit: "Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um die Sicherheit der Daten und der IT-Infrastruktur der Universität Göttingen gewährleisten zu können."

Kritische PHP-Sicherheitslücken: Millionen Webseiten könnten betroffen sein

Eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke bringt weltweit das Fundament zahlreicher Webseiten und Onlinedienste ins Wanken. Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, auf der ein Großteil des gesamten Internets basiert - von einfachen Blogs über große Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress.

Experten schätzen, dass allein mit WordPress weltweit zwischen 400 und 500 Millionen Webseiten betrieben werden. Auf PHP setzen aber auch andere populäre Content-Management-Systeme auf wie Moodle, Joomla!, Typo3 und Drupal.

Neben dem IT-Sicherheitsunternehmen Huntress und dem PHP-Sicherheitsteam schlägt auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Alarm und hat eine offizielle Cybersicherheitswarnung herausgegeben.

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BSI stuft Lage als kritisch ein

In seiner veröffentlichten Warnung (Aktenzeichen BITS-H Nr. 2026-297981-1032) ordnet das BSI das Risiko mit der Warnstufe „3/ Orange” als außerordentlich hoch ein. Dies bedeutet, dass unverzüglich Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen, da eine massive Beeinträchtigung des Regelbetriebs droht. Das BSI wies in seiner Mitteilung explizit darauf hin, dass von den Schwachstellen ein herausragendes Bedrohungspotenzial ausgeht.

Das Amt machte deutlich, wie ernst die Lage ist, falls nicht umgehend Sicherheitsupdates installiert werden können: „Alternativ kann eine vorübergehende Trennung des Webservers vom Internet bis zum Einspringen des Patches erwogen werden, um eine Kompromittierung zu verhindern, sollten Patches nicht kurzfristig installiert werden können.”

Dass das BSI Betreibern von Internetangeboten explizit rät, ihre Server im Zweifel komplett vom Netz zu nehmen, unterstreicht die Dringlichkeit der Lage.

Verwendete Quellen: dpa, Reuters