Live-Ticker zum Anschlag auf Berliner CSDLKA filmte mutmaßlichen Attentäter noch kurz vor Anschlag

Der mutmaßliche Attentäter Abdul B. ist tot.
Der mutmaßliche Attentäter Abdul B. ist tot.
Polizei / dpa
von Lea Haberbosch, Denise Gatzweiler, Samina Faizi, Camilla Koziol, Sebastian Fuhrmann, Roger Saha, Nele Balgo, Doro Steitz und Dimitri Blinski

Horror beim CSD in Berlin!
Am Samstagabend ist ein weißer Mini-Van durch den Großen Tiergarten in eine Menschenmenge gerast. Es gibt mindestens eine Tote und 29 Verletzte. Der Attentäter kann fliehen. Am Sonntagabend gelingt der Polizei in Berlin-Spandau dann der Zugriff - bei dem der mutmaßliche Attentäter stirbt.

Anschlag auf CSD in Berlin: Hier im Live-Ticker die Entwicklung verfolgen

Wichtige Updates
Camilla Koziol

Attentäter eine Stunde vor CSD-Anschlag gefilmt 

Der mutmaßliche Attentäter des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) stand bis kurz vor der Tat unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR hatte das Berliner Landeskriminalamt (LKA) eine verdeckte Kamera am Wohnhaus des als islamistischen Gefährder eingestuften Abdul B. installiert. Die Kamera zeichnete demnach auf, wie er am Abend des Anschlags gegen 20.58 Uhr das Gebäude verließ. Kurz darauf soll er mit einem Transporter in eine Menschenmenge gefahren sein.

Auch nach RTL-Informationen soll es die Kamera gegeben haben, aber sie hätte den Anschlag nicht verhindern können, da sich der mutmaßliche Attentäter im Vorfeld extrem unauffällig verhalten haben soll und es keinerlei Anzeichen für sein Vorhaben gegeben habe. 

Den Recherchen von SZ, NDR und WDR zufolge wurde Abdul Ballout bereits Wochen zuvor von einem Analyseinstrument des Bundeskriminalamts als „Hochrisikoperson“ eingestuft. Sein Fall war mehrfach Thema im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ). Trotz der fortgesetzten Überwachung konnte der Anschlag nicht verhindert werden. 

Der Fall löst eine Debatte über den Umgang mit islamistischen Gefährdern sowie die Zusammenarbeit von Justiz und Sicherheitsbehörden aus. Politiker verschiedener Parteien fordern eine umfassende Aufarbeitung der Abläufe und prüfen, ob bestehende Instrumente zur Gefahrenabwehr ausreichen.
Camilla Koziol

Dobrindt schlägt Fußfessel für Gefährder vor

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat als Reaktion auf den islamistischen Anschlag in Berlin ein Drei-Punkte-Sicherheitspaket für den Umgang mit Gefährdern angekündigt. 

"Bewegungseinschränkung durch die Fußfessel muss zum Standard gegenüber Gefährdern werden", sagte Dobrindt dem der "Bild"-Zeitung. Zudem will der Innenminister bundesweit einheitliche Regeln zur Präventivhaft. "Es braucht in ganz Deutschland anwendbare Präventivhaftregeln, um Gefährder aus dem Verkehr zu ziehen", erklärte er. Als dritten Punkt nannte Dobrindt eine Reform des Jugendstrafrechts. "Die Anwendung von Jugendstrafrecht bei erwachsenen Gefährdern ist inakzeptabel."

Bereits zuvor hatten Kanzler Friedrich Merz und Unionspolitiker Gesetzesänderungen erwogen, die in eine ähnliche Richtung gehen. 
Camilla Koziol

Verletzten geht es immer besser

Den verletzten Menschen, die in der Berliner Uniklinik Charité behandelt werden, geht es inzwischen besser. "Der körperliche Gesundheitszustand der vier Patienten stabilisiert sich erfreulicherweise weiter", sagte ein Sprecher. 

"Drei Patienten konnten inzwischen auf eine Normalstation verlegt werden, einer ist weiterhin auf einer Intensivstation, aber auch auf dem Weg der Besserung." Die Menschen erlitten laut dem Sprecher vor allem Stichverletzungen, zum Teil aber auch mehrere Knochenbrüche durch den Zusammenstoß mit dem Auto. 
Camilla Koziol

Städtetag ruft nach CSD-Anschlag zu Zusammenhalt auf

Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat der Deutsche Städtetag dazu aufgerufen, sich Offenheit und Freiheit nicht nehmen zu lassen. "Unsere offene und freie Gesellschaft lassen wir uns nicht nehmen, auch nicht von denen, die Gewalt, Angst und Hass verbreiten wollen", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung. Der Leipziger Oberbürgermeister (SPD) betonte zugleich, die Städte täten alles, was in ihrer Verantwortung liege, um öffentliche Veranstaltungen sicher zu gestalten. Jung sprach von einem tiefen Schock. 

"Wir trauern mit den Angehörigen und Freunden. Unsere Gedanken sind bei der Familie der Toten und bei allen Menschen, die unter dieser Tat leiden", sagte er. Ein Fest für Offenheit, Vielfalt und Freiheit sei zum Ziel eines menschenverachtenden Anschlags geworden.

Sicherheit als gemeinsame Aufgabe

Mit Blick auf die Sicherheit verwies Jung auf die enge Zusammenarbeit der Städte mit Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Veranstaltern und weiteren Sicherheitsbehörden. Schutzmaßnahmen müssten wirksam sein, ohne öffentliche Räume abzuriegeln oder den offenen Charakter der Innenstädte zu zerstören. "Absolute Sicherheit kann es nicht geben. Aber es braucht bestmögliche Vorbereitung, klare Verfahren und ein enges Zusammenwirken aller Beteiligten", sagte Jung.

Am Samstag hatten hunderttausende Menschen unter dem Motto „Haltung ist hot” am Christopher Street Day in Berlin teilgenommen. Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar „Stonewall Inn” in der Christopher Street New York stürmte. Es folgten tagelange gewaltsame Auseinandersetzungen mit Aktivsten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.