Laut ersten PrognosenHammer in Baden-Württemberg! Grüne bei Landtagswahl vor der CDU

Cem Özdemir (Grüne) nimmt bei der SWR-Sendung «Die Wahlarena» teil. Am 8. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. (zu dpa: «Özdemir attackiert AfD-Konkurrenten scharf in TV-Debatte») +++ dpa-Bildfunk +++
Cem Özdemir (Grüne) führt die Prognosen aktuell an.
picture alliance/dpa

Cem Özdemir hat das Kopf-an-Kopf-Rennen wohl gewonnen!
Grüne und CDU kämpfen um Platz eins, die AfD verdoppelt ihr Ergebnis bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die SPD stürzt ab. FDP und Linke schaffen es beide nicht in den Landtag.

Grüne gewinnen Landtagswahl in Baden-Württemberg

Die Grünen mit Cem Özdemir an der Spitze haben mit knappem Vorsprung die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen. Die CDU kommt nach dem vorläufigen Endergebnis nur auf Platz zwei, wie die Landeswahlleiterin in der Nacht mitteilte.

Der 60-jährige frühere Bundesminister Özdemir dürfte jetzt Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), werden, der nach 15 Jahren im Amt nicht mehr antrat. Über Monate hatte die CDU mit Landeschef Manuel Hagel in Umfragen deutlich geführt, am Ende holten die Grünen aber rasant auf.

Lese-Tipp: Cem Özdemir und Flavia Zaka geben sich um Mitternacht das Ja-Wort

Die AfD verdoppelt ihren Stimmenanteil und fährt ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl im Westen ein. Die SPD stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagswahlen bundesweit und ist gerade noch so im Parlament vertreten. Ihr Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. Die FDP fliegt erstmals aus dem Landtag – Landeschef Hans-Ulrich Rülke will sein Amt niederlegen. Auch die Linke scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde.

Das ist das vorläufige Endergebnis der Wahl in Baden-Württemberg

Die Grünen kommen laut vorläufigem Endergebnis auf 30,2 Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU liegt mit 29,7 Prozent knapp dahinter (24,1). Die AfD erhält 18,8 Prozent (9,7). Mit großem Abstand folgt die SPD mit 5,5 Prozent (11,0). Die FDP kommt auf 4,4 Prozent (10,5), die Linke ebenfalls auf 4,4 Prozent (3,6).

Die Grünen erhalten demnach 56 Sitze im Landtag (2021: 58), die CDU ebenfalls 56 (42). Die AfD kommt auf 35 Mandate (17), die SPD auf 10 (19). Grüne und CDU stellen also gleich viele Abgeordnete, auch wenn die Grünen nach Zweitstimmen gewonnen haben. Zusammen haben die beiden Parteien eine Zweidrittelmehrheit im Landtag.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Video-Tipp: Trump tätschelt Merz plötzlich das Knie – und macht DIESEN Witz!

Özdemir will mit CDU zusammen arbeiten

Özdemir erklärte sich am Abend zum Sieger. „Wir haben die Wahl gewonnen”, sagte er auf der Grünen-Wahlparty. Als er 2024 seinen Hut in den Ring geworfen habe, hätte nicht viele daran geglaubt, dass so ein Tag wie heute kommen könne. Er rief die Christdemokraten zu einer erneuten Zusammenarbeit auf und bot ihnen eine «Partnerschaft auf Augenhöhe» an. „Der Maßstab sollten die letzten zehn Jahre sein und die Erfolge, die wir eingefahren haben.”

Hagel sagte, seine CDU habe das beste Wahlergebnis seit 2011 erzielt, aber dennoch nicht den ersten Platz erreicht. Der Auftrag zur Regierungsbildung liege bei den Grünen und Özdemir. „Das ist eine Niederlage für uns.” Grünen-Bundeschef Felix Banaszak nannte das starke Grünen-Ergebnis auch eine Ansage an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen politische „Orientierungslosigkeit”.

Der 77-jährige Kretschmann, bundesweit erster und einziger Regierungschef der Grünen, verabschiedet sich in den Ruhestand. Seit 2016 regierte er mit der CDU, davor mit der SPD. Özdemir ist seit Jahrzehnten in der Politik – er saß im Bundestag und im Europaparlament, war Grünen-Chef und auch Bundesminister. Im Wahlkampf ging Özdemir, der sich einen „anatolischen Schwaben” nennt, auf Abstand zu den Bundes-Grünen und gab sich ein eher konservatives Profil.

Bürger hatten erstmals zwei Stimmen

Die Wahlbeteiligung liegt den Prognosen nach bei 69,5 bis 71,5 Prozent (2021: 63,8). Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte durften ihre Stimme abgeben – so viele wie nie zuvor.

Lese-Tipp: Vorwurf Kindesmissbrauch! Ex-Bundestagsabgeordneter vor Gericht

Erstmals galt ein neues Wahlrecht, auch 16- und 17-Jährige durften abstimmen. Zudem hatten Bürger zum ersten Mal zwei Stimmen, wie bei der Bundestagswahl. Die Zweitstimme entscheidet über die Kräfteverhältnisse im Landtag, die Erststimme über den Direktkandidaten im Wahlkreis. (fkl/dpa)

Verwendete Quellen: dpa