Deutschlands peinlichste Oper?Fast 1,5 Milliarden Euro Kosten in Köln – und jetzt streikt die Technik!

Es wird immer peinlicher!
14 Jahre Bauzeit, fast 1,5 Milliarden Euro (!) Gesamtkosten – und ausgerechnet jetzt macht die Technik schlapp. Kurz vor der ersten großen Premiere in der Kölner Oper funktionieren wichtige Teile der Bühnentechnik nicht zuverlässig. Die Inszenierung musste sogar verändert werden.
Kölner Oper kämpft kurz vor Premiere mit Technikproblemen
Eigentlich sollte jetzt endlich Ruhe einkehren. Nach 14 Jahren Sanierung haben die Kölner Bühnen wieder geöffnet, am kommenden Sonntag steht mit Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“ die erste Opernpremiere an. Doch wenige Tage vorher gibt es ausgerechnet mit der aufwendig sanierten Technik Probleme.

Opernintendant Hein Mulders bestätigte die Schwierigkeiten im Deutschlandfunk. Bei Bühnenpodien, Drehscheibe und Obermaschinerie hake es derzeit, erklärte er dort. Der Kölner Stadt-Anzeiger und der WDR berichten ebenfalls über die technischen Probleme. Laut WDR funktionieren Teile der Technik nicht zuverlässig, es gebe sowohl mechanische als auch Softwareprobleme.
Und das hat bereits konkrete Folgen: Die Inszenierung des „Rosenkavaliers“ wurde gegenüber der ursprünglichen Planung verändert. Wie stark sie reduziert werden musste, lässt die Stadt offen. Mehrere Gesprächspartner des Kölner Stadt-Anzeigers sprechen von einer „abgespeckten“ Inszenierung.
Das Absurde: Die Technik war 2021 schon zu 98 Prozent fertig
Besonders pikant: Von brandneuer Technik kann teilweise kaum die Rede sein. Während sich die Sanierung der Gebäude immer weiter verzögerte (14 Jahre insgesamt), war die Bühnentechnik laut Kölner Stadt-Anzeiger bereits 2017 zu 95 Prozent und 2021 sogar zu 98 Prozent fertiggestellt.
Damals galt das sogar als Vorteil. Die Verantwortlichen erklärten 2021, mögliche technische Kinderkrankheiten seien behoben und die neue Bühnentechnik werde beherrscht. Fünf Jahre später sieht die Realität offenbar anders aus.
Opernintendant Mulders erklärt im Deutschlandfunk, was das lange Warten mit der Technik gemacht haben könnte: Wird eine große Maschine früh abgenommen und steht anschließend jahrelang still, könne sie zwar funktionieren – und dann plötzlich wieder nicht.
In einem vor rund vier Wochen gedrehten „Tagesthemen“-Beitrag zeigt sich das Problem sogar vor laufender Kamera. Ein Techniker will die Bühne im Boden versenken – doch sie bewegt sich nicht. Der Mitarbeiter weist darauf hin, dass die Bühnenmaschinerie inzwischen fast zehn Jahre alt sei und manche elektronischen Bauteile bereits an ihre Lebensgrenze kämen.
Selbst die große Technikshow fällt aus

Auch Besucher bekommen bereits mit, dass noch nicht alles rundläuft. Beim Eröffnungsfest am vergangenen Wochenende sollte eine Technikshow eigentlich demonstrieren, was die neue Bühnentechnik alles kann. In der Oper fällt die angekündigte Vorführung jedoch aus. Die Stadt verweist gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger auf die laufenden Endproben für den „Rosenkavalier“.
Laut WDR gibt es zudem Probleme mit dem Lastenaufzug, über den Bühnenbilder transportiert werden. Dieser bleibe immer wieder stehen.
Und was passiert, wenn die Technik ausgerechnet während der Premiere streikt? Die Bühnen Köln erklären gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger, dass technische Probleme im ungünstigsten Fall auch zu Verzögerungen, Unterbrechungen oder sogar einer Vorstellungsabsage führen könnten. Gleichzeitig betonen sie, dass dieses Risiko grundsätzlich auch in anderen technisch aufwendig ausgestatteten Theatern bestehe.
Kölner Oper: Aus 253 Millionen werden fast 1,5 Milliarden Euro

Die neuen Probleme sind auch deshalb so brisant, weil die Kölner Oper eine gigantische Bau-Odyssee hinter sich hat.
2012 startete die Sanierung. Für Planung und Bau waren damals rund 253 Millionen Euro vorgesehen. Inzwischen liegen allein diese Kosten laut Kölner Stadt-Anzeiger bei 798,6 Millionen Euro. Werden unter anderem Finanzierung und Interimsspielstätten berücksichtigt, könnten sich die Gesamtkosten auf rund 1,465 Milliarden Euro summieren. Die genaue Summe ist wegen schwankender Finanzierungskosten allerdings mit Unsicherheiten verbunden.
Auch der Zeitplan geriet völlig aus den Fugen. Statt der ursprünglich geplanten gut drei Jahre dauerte die Sanierung 14 Jahre. Planungsfehler, Baumängel, Firmeninsolvenzen und Koordinationsprobleme sorgten immer wieder für Verzögerungen.
Die Oper Köln war für RTL für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.


