Islam-Expertin sieht Entwicklung in „falsche Richtung“Kita-Kinder lernen, wie man in Moschee betet – einige Eltern verärgert

von Vanessa Brodka und Fabian Klein

Verständnis und Akzeptanz oder doch versuchte Entfremdung?
Während des Ramadans will eine Gelsenkirchener Kita einen verstärkten Blick auf den muslimischen Fastenmonat werfen. Kinder lernen dort, wie sie in einer Moschee beten und ihren Namen auf Arabisch schreiben. Bei einigen Eltern sorgt dies für Entsetzen.

Stimmt hier ab: Was haltet ihr davon, dass die Kita den Kindern den Islam näherbringt?

Debatte um Kita in Gelsenkirchen

Enxhi Seli-Zacharias von der AfD in Nordrhein-Westfalen sieht das Projekt als Vorbereitung auf ein „drohendes Kalifat”, erzählt sie im RTL-Interview. Eltern mit kleinen Kindern hätten sich angstvoll an die stellvertretende Fraktionsvorsitzende gewendet, sich über den Fokus auf den muslimischen Fastenmonat beschwert. Vor der Gelsenkirchener Kita treffen wir eine Mutter, die das ganz anders sieht.

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Enxhi Seli-Zacharias von der NRW-AfD erklärt, dass sich besorgte Eltern bei ihr gemeldet hätten.
Enxhi Seli-Zacharias von der NRW-AfD erklärt, dass sich besorgte Eltern bei ihr gemeldet hätten.
Imago

„Wenn die Kinder sich dafür interessieren, dann ist das okay für mich”, berichtet Jessica Tiennemeier. Ihr Sohn habe nicht nur die muslimischen Gebetsformen und die arabische Schreibweise seines Namens gelernt, sondern auch das Bild einer Moschee ausgemalt. „Ich empfinde das jetzt nicht als so wichtig, aber für die Kinder ist das bestimmt auch ganz interessant, einfach mal eine andere Seite zu sehen.”

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Gelsenkirchen und NRW-Familienministerium reagieren

Auf RTL-Anfrage reagiert auch die Stadt Gelsenkirchen, ein Sprecher erklärt: „Die Kita Herforder Straße setzt jährlich pädagogische Angebote zu religiösen Festen um. Neben der Oster-Familienfeier, dem St. Martin-Familienfest, der Nikolausfeier und der Weihnachtsfeier ist der Ramadan und Zuckerfest nur eins dieser Feste.“

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Den Eindruck teilt Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter dagegen nicht. Es sei „ganz offensichtlich so, dass man deutliche Zeichen setzen möchte. Der Islam gehört zu Deutschland und wir tun alles , damit sich Muslime hier wohlfühlen und damit die Kinder lernen, wie schön das alles ist mit den muslimischen Gebeten.“ Das führe für sie aber in eine „falsche Richtung”, erzählt sie RTL.

Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter sieht die Entscheidung der Kita eher problematisch.
Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter sieht die Entscheidung der Kita eher problematisch.
RTL

Zu dem konkreten Fall will sich das NRW-Familienministerium nicht äußern. Allgemein heiße es aber, dass es „beim Kennenlernen anderer Kulturen, Lebensstile, Haltungen oder Religionen“ darum gehe, „Verständnis und Akzeptanz zu fördern“, und eben nicht darum, „Kinder und ihre Familie den eigenen Werten zu entfremden.“

Die Entscheidung darüber, in welchem Ausmaß dies geschieht, liegt laut des Kinderbildungsgesetzes beim Kita-Träger selbst.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche