„Assoziierte Mitgliedschaft“Kanada bald Teil der EU?

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Kommt eine Annäherung? Der kanadische Premierminister Mark Carney hier beim Kanada-EU-Gipfel in Brüssel.
picture alliance/dpa/The Canadian Press/AP

Die Beziehungen zwischen Kanada und den USA verschlechtern sich immer weiter. Das öffnet die Tür für eine Annäherung an die EU. Einem Bericht zufolge prüft Kanada nun eine Möglichkeit, die extra für das Land geschaffen werden könnte. Es wäre praktisch gesehen eine Verschiebung der EU-Außengrenze.

Kanada strebt angesichts der verschlechterten Beziehungen zu den USA einem Zeitungsbericht zufolge eine engere Anbindung an die Europäische Union (EU) an. Ministerpräsident Mark Carney prüfe dazu die Möglichkeit einer „assoziierten Mitgliedschaft“, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Vertreter der EU und Kanadas. Demnach soll die EU, die sich in der Vergangenheit bei ihren Beitrittsregeln wenig flexibel gezeigt habe, nun offen für die Schaffung eines solchen neuen Status sein.

Von der kanadischen Botschaft in Brüssel und der EU-Kommission liegt noch keine Stellungnahme vor. Assoziierungsabkommen für eine engere politische und wirtschaftliche Kooperation ohne Mitgliedschaft hat die EU bereits mit einigen Ländern wie der Ukraine, Georgien und Israel.

Hintergrund des strategischen Kurswechsels Kanadas ist der eskalierende Handelsstreit mit den USA. Im Zuge dessen haben die USA Zölle auf kanadische Waren im Volumen von mehreren Milliarden Dollar verhängt, worauf Kanada mit entsprechenden Gegenzöllen reagierte. Kanadas Beziehungen zu Washington haben sich seit der Rückkehr von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus Anfang 2025, aber auch wegen Differenzen in anderen Bereichen deutlich verschlechtert.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge sprechen Kanada und die EU über Wege, den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Arbeitskräften in Bereichen wie Energie, Künstliche Intelligenz (KI), Verteidigung und kritischen Rohstoffen zu ermöglichen. Dies würde praktisch einer Verschiebung der EU-Außengrenze gleichkommen. Zudem gebe es Gespräche über die Verlegung von Unterseekabeln, den gemeinsamen Bau von Rechenzentren, Cloud-Speichern und Satellitennetzwerken sowie über den Aufbau von Infrastruktur für kanadische Energielieferungen in die EU.

Carney habe zudem regelmäßig mit mehreren EU-Regierungschefs über die Möglichkeit gesprochen, Kanadiern ein visumfreies Leben und Arbeiten in der EU zu ermöglichen, berichtete das Blatt unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Besonders intensiv sei der Austausch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gewesen. Carney und Macron sollen sich demnach Ende des Monats treffen. Macrons Büro äußerte sich bislang nicht dazu.

Das Vorhaben einer engeren Partnerschaft gilt jedoch als schwierig. Dies zeigt der Widerstand gegen ein bestehendes, weniger weitreichendes Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada: Mehr als zehn Jahre nach dessen Abschluss und neun Jahre nach dem vorläufigen Inkrafttreten haben mehrere EU-Mitgliedstaaten den Vertrag noch immer nicht ratifiziert.

Verwendete Quellen: toh/rts