„Ich weiß noch genau, was ich anhatte“ Johannes Erlemann wurde als Elfjähriger entführt und tagelang in einen kleinen Holzverschlag gesperrt

„Da stockt mir heute noch der Atem.“
Johannes Erlemann ist am 6. März 1981 elf Jahre alt und auf dem Weg nach Hause in den noblen Kölner Stadtteil Hahnwald, als es passiert. Als der blonde Junge im weißen Sweatshirt und Jeans mit dem Fahrrad durch den Forstbotanischen Garten radelt, fallen ihm noch zwei Männer auf einer Bank auf. Im nächsten Moment wird er zu Boden gerissen.
Entführer verschleppen Johannes Erlemann in Kölner Park
In der vierteiligen RTL+ Doku „Lebenslänglich Erlemann“ erinnert sich Johannes Erlemann an den Tag, der sein Leben für immer verändert hat, zurück. „Ich vermeide bewusst das Wort Opfer. Ich bin Überlebender“, sagt er all die Jahre nach der Entführung. „Was treibt Menschen dazu an, ihre Moral derartig über Bord zu werfen?“, fragt er sich noch immer. „Wie man einem Kind derartiges Leid zufügen muss…“

Die Täter seien damals zu dritt gewesen. Ihm sei ein Tuch mit Betäubungsmittel ins Gesicht gedrückt worden, erinnert sich Erlemann. Er habe sich dann bewusstlos gestellt und gespürt, wie er weggetragen wird. Er hörte dann, wie sich ein Auto nähert. Die Täter hätten ihm Augen und Ohren mit Klebeband zugeklebt und ihn in eine Kiste gesperrt. „In dem Moment ging das Licht für mich aus“, sagt Erlemann in der Doku. Und es sei dann auch aus geblieben.
Täter wollen Lösegeld von der Familie Erlemann erpressen
Die Entführer bringen das Kind damals aus Köln in die Eifel und sperren es dort in einem Holzverschlag ein. Dann beginnt ein tagelanger Nervenkrieg, denn sie fordern drei Millionen D-Mark von Johannes Eltern, bevor sie das Kind wieder freilassen wollen.

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Der heutige Fünffach-Papa weiß noch genau, was es für ein Gefühl ist, angekettet in dem Verschlag gefangen zu sein. Das erste Wachwerden sei besonders schrecklich gewesen. „Was hast du falsch gemacht?“, fragt sich der Junge immer wieder. „Dann bist du wach und was machst du dann da?“
Johannes Erlemann muss zwei Wochen lang in seinem Verlies ausharren
Zuerst habe er nur so dagelegen. Seine Entführer öffnen sein Verlies ab und zu und reichen ihm Brot und Tee hinein. Sonst ist alles dunkel um ihn herum. Er habe dann angefangen, alles abzutasten. Es fühlt sich an, als wäre er lebendig begraben. „Später als er mit der Taschenlampe kam, hab ich gesehen, dass mich schon die ersten Würmer besucht haben.“

Wie er die 14 Tage in der Gewalt der Entführer übersteht, ob die Täter gefasst wurden und was Johannes Erlemann nach seiner Freilassung alles durchmachen muss, erfahrt ihr in der Doku auf RTL+. Auch der Spielfilm „Entführt - 14 Tage Überleben“ auf RTL+ erzählt die Ereignisse von damals und wie Johannes Mutter Gabi verzweifelt um das Leben ihres Sohnes kämpfte.
Verwendete Quellen: „Lebenslänglich Erlemann”


