„Sie haben mich umarmt”Jetzt spricht der Vermieter, der zwei eingesperrte Brüder in Zürich (7 und 10) befreit hat

Die Fenster abgedunkelt, die Tür verriegelt und kein Wasser im Zimmer.
In Zürich entdeckt ein Vermieter zwei eingesperrte Brüder im Alter von sieben und zehn Jahren. Was die Polizei danach vorfindet, ist offenbar nur das letzte Kapitel einer jahrelangen Leidensgeschichte.
„Ich melde das der Polizei”
Der dramatische Fall wurde schon am 3. Februar entdeckt. Heute (14. August) spricht der Vermieter der Gefängnis-Wohnung im schweizer Tagesanzeiger. Als der 72-Jährige am Nachmittag Geräusche aus dem Zimmer seines neuen Mieters in Zürich-Wollishofen hört, wird er misstrauisch. Er geht nachsehen und entdeckt ein Vorhängeschloss an der Tür. Den dazugehörigen Schlüssel findet er im Briefkasten.
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Dahinter sind zwei Jungen, sieben und zehn Jahre alt. „Als sie mich gesehen haben, sind sie zu mir gekommen und haben mich umarmt“, schildert Simon gegenüber dem „Tages-Anzeiger“. Dem Vater der Kinder schreibt er nach Angaben der Zeitung sofort. „Die Kinder einzusperren, ist kriminell, ich melde das der Polizei.”
Eingesperrte Brüder rennen sofort zum Wasser
Als die Stadtpolizei Zürich eintrifft und die Kinder aus dem Zimmer holt, laufen die Brüder laut den Berichten direkt in die Küche und trinken mehrere Gläser Wasser. In ihrem Zimmer gibt es demnach nichts zu trinken. Das Fenster ist mit schwarzen Müllsäcken und Vorhängen verdunkelt und zusätzlich mit einem Brett gesichert. Im stickigen Raum steht ein voller Nachttopf, außerdem riecht es nach Urin.
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Der Vater kehrt erst um 22.40 Uhr von der Arbeit zurück. Nach Angaben von „20 Minuten“, die sich auf Recherchen der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ und dem „Tages-Anzeiger“ berufen, hatte der 52-Jährige seine Söhne gegen 16.30 Uhr eingeschlossen. Die Polizei nimmt ihn fest.
Der Vermieter beschreibt den Vater gegenüber dem „Tages-Anzeiger“ allerdings nicht als grundsätzlich schlechten Menschen. Nach seiner Einschätzung sei der Mann verzweifelt und überfordert gewesen. Er habe befürchtet, die Jungen könnten weglaufen oder aus dem Fenster springen.
Lange Vorgeschichte, die von Zürich nach Schweden führt
Die Geschichte der beiden Brüder beginnt nicht erst in Zürich. Wie „Dagens Nyheter“ nach Recherchen zu dem Fall berichtet, kennt der Sozialdienst in Schweden die Familie bereits seit Jahren.
2019 geht demnach die erste Gefährdungsmeldung zum damals dreijährigen älteren Bruder ein. Weitere Hinweise von Kindergarten, Schule und Polizei folgen. Insgesamt sollen 26 Gefährdungsmeldungen eingegangen und rund 15 Untersuchungen zur Situation der Kinder eingeleitet worden sein.
2022 erhält die Mutter laut „Dagens Nyheter“ das alleinige Sorgerecht. Aus Gerichtsunterlagen gehe hervor, dass der ältere Junge wiederholt hungrig und niedergeschlagen in die Schule gekommen sei und nach Urin gerochen habe.
Behörden verhängen zunächst Ausreisestopp
Im Mai 2024 erscheint der ältere Bruder laut „Dagens Nyheter“ zum letzten Mal in seiner schwedischen Schule. Als die Behörden von einem geplanten Umzug der Familie in die Schweiz erfahren, verhängt der zuständige Sozialausschuss zunächst ein Ausreiseverbot für die Kinder und beantragt ihre Unterbringung in staatlicher Obhut.
Beide Maßnahmen werden später wieder zurückgezogen. Laut den von der Zeitung ausgewerteten Unterlagen geschieht das nach dem Umzug der Familie. Die Mutter erklärt später demnach, ihre Söhne seien nach Dubai gezogen und lebten dort bei Verwandten.
Tatsächlich führt ihre Geschichte schließlich nach Zürich und zu jenem Zimmer, aus dem der Vermieter im Februar die Kinder hört.
Schwere Entwicklungsrückstände bei den Kindern
Beim älteren Bruder wurde laut Zürcher Behörden Autismus diagnostiziert, beim jüngeren wird dies vermutet. Dem Vater war nach den Berichten bekannt, dass seine Söhne Betreuung und Therapie benötigten. Trotzdem ließ er sie an jenem Tag über Stunden allein in dem verschlossenen Raum.
Der Vater wurde wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht rechtskräftig zu sechs Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Nach 52 Tagen Untersuchungshaft lebt er laut „Tages-Anzeiger“ wieder in dem Zimmer in Zürich-Wollishofen.
Für die beiden Brüder hat sich dagegen vieles verändert. Sie sind inzwischen zurück in Schweden und werden gemeinsam in einer spezialisierten Einrichtung betreut. Der Kontakt zu beiden Eltern ist laut „Dagens Nyheter“ vollständig unterbunden.
Verwendete Quellen: 20min.ch
































