Ungewöhnliches Projekt in Italien Vom Gefängnis an den Strand – Häftlinge retten jetzt Badegäste

Raus aus der Zelle, rein in die Bademeister-Kluft.
In Süditalien sind in diesem Sommer erstmals Gefängnisinsassen als Strandwärter im Einsatz. Hinter dem ungewöhnlichen Projekt steckt nicht nur der Wunsch nach Resozialisierung – sondern auch ein akuter Personalmangel.
Italien fehlen tausende Rettungsschwimmer
Morgens verlassen sie das Gefängnis, abends kehren sie dorthin zurück. Dazwischen wachen sie an den Stränden Apuliens über die Sicherheit der Badegäste. In der süditalienischen Region läuft derzeit ein außergewöhnliches Pilotprojekt, bei dem erstmals zwölf Häftlinge als Strandwärter arbeiten. Der Grund für die ungewöhnliche Idee ist ein seit Jahren wachsendes Problem. An den mehr als 5.000 Stränden des Landes fehlen Bademeister und Rettungsschwimmer. Nach Schätzungen werden rund 3.000 bis 4.000 zusätzliche Kräfte benötigt. Der Beruf gilt vielen inzwischen als wenig attraktiv, zudem wird häufig schlecht bezahlt.
Unter dem Projektnamen „Io salvo“ („Ich rette“) sollen die Gefängnisinsassen deshalb gleich doppelt profitieren. Sie sammeln Berufserfahrung für die Zeit nach ihrer Haft und helfen gleichzeitig dabei, die Sicherheitslücken an den Stränden zu schließen. Darüber berichtet die italienische Zeitung La Stampa.
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Drei Monate Ausbildung hinter Gittern
Bevor die Männer ihren ersten Dienst antreten durften, mussten sie ein Auswahlverfahren bestehen. Anschließend absolvierten sie in der Haftanstalt Borgo San Nicola bei Lecce einen dreimonatigen Ausbildungskurs. Auf dem Lehrplan standen Bade- und Sicherheitsvorschriften, Erste Hilfe und der Umgang mit einem Defibrillator. Nach Angaben von La Stampa verliefen die ersten Wochen ohne Zwischenfälle. Keiner der Häftlinge nutzte den täglichen Einsatz außerhalb der Gefängnismauern für einen Fluchtversuch. Für ihre Arbeit erhalten sie dem Bericht zufolge einen Tageslohn von 50 Euro.
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„Zum ersten Mal nützlich“
Für den 44-jährigen Antonio V., der nach eigenen Angaben bereits mit 23 Jahren erstmals im Gefängnis saß, bedeutet die Aufgabe weit mehr als nur einen Job. „Nach so vielen Jahren hinter Gittern fühlst du dich zum ersten Mal nützlich“, zitiert ihn La Stampa.
Auch Mauro della Valle, Vorsitzender des Strandbäderverbandes Confirmprese Demaniali, sieht das Projekt als Chance. Die Männer setzten ihr eigenes Leben für die Sicherheit anderer ein. Das sei eine „sehr starke Wiedergutmachung“.
Nach dem erfolgreichen Start wird bereits geprüft, das Modell auf weitere Gefängnisse in Italien auszuweiten. In Apulien arbeiten zudem bereits zwei Häftlinge als Bademeister an einem Hotelpool. (abl)
Verwendete Quelle: dpa


