30 Grad und mehr werden erwartetHitzewelle rollt an! Für manche Menschen sind die heißen Temperaturen besonders gefährlich

Sommer in Sachsen
Die kommenden heißen Tage bringen auch Gefahren mit sich (Symbolbild).
woi, Jan Woitas/dpa, Jan Woitas

Der Sommer steht vor der Tür!
Es wird heiß in Deutschland: Über mehrere Tage hinweg sollen die Temperaturen über 30 Grad klettern, teilweise sogar deutlich. Das heißt nicht nur: Zeit für Freibad, Eis und Biergarten. Gleichzeitig bricht auch eine belastende und mitunter gefährliche Zeit für manche Menschen an.

Lese-Tipp: Heiß, heißer, Deutschland! Hier schlägt die Hitzewelle am härtesten zu

Was ist das Problem? 

„Insgesamt gehört Hitze heute neben den Luftschadstoffen bereits zu den wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland und weltweit”, betont die Epidemiologin Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München. Die Gefäße erweiterten sich, was den Blutdruck senke und dafür sorge, dass das Herz schneller und stärker pumpen müsse. Dadurch steige bei Vorerkrankten das Risiko für Herzinfarkt, Rhythmusstörungen und Herzinsuffizienz. Durch Schwitzen drohe auch Dehydration – also Flüssigkeitsmangel –, was wiederum einen Kreislaufkollaps oder Thrombosen begünstigen könne.

Wer muss besonders aufpassen? 

Besonders gefährdet seien neben Herzpatienten auch Menschen mit Nieren- oder Lungenerkrankungen, Diabetes sowie neurologischen Erkrankungen wie Demenz, betont Schneider. Und: „Ältere Menschen sind insgesamt am anfälligsten, da ihre Anpassungsfähigkeit an Hitze und ihr Durstempfinden oft eingeschränkt sind.”

Lese-Tipp: Eure Stadt ungeschützt? Hier droht Hitze-Chaos!

Neben Alter und Gesundheitszustand spielt auch eine Rolle, wie Menschen wohnen: „Wenn Personen in höheren Wohnetagen oder allein leben, erhöht sich das Risiko”, erklärt der Geriatrie-Forscher Kilian Rapp vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart. Ebenso ist Hitze für Schwangere eine enorme Belastung, etwa weil sich die Durchblutung der Gebärmutter verändert und dies den Schwangerschaftsverlauf beeinflussen kann, wie Petra Arck vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erklärt.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Auch Kinder müssen besonders aufpassen

Nicht zuletzt gehören auch Kinder zu den Risikogruppen – „weil sich ihr Körper noch entwickelt, sie mehr Zeit im Freien verbringen und sie im Verhältnis mehr körperlich aktiv sind und eine höhere Atemfrequenz haben als Erwachsene”, erklärt Marie Standl vom Helmholtz Zentrum München.

Lese-Tipp: Rettung in letzter Sekunde! Passantin holt Jungen (6) aus Hitze-Auto

Wie tödlich ist Hitze? 

Hitze wird oft als „stiller Killer” bezeichnet – auch, weil sie selten direkt als Todesursache in die Statistiken eingeht. Stattdessen modellieren Institutionen wie das Robert-Koch-Institut (RKI) oder das Umweltbundesamt die sogenannte Übersterblichkeit: Das heißt, sie erfassen, wie viele Menschen im konkreten Zeitraum einer Hitzeperiode gestorben sind und inwieweit dies die Todeszahlen in einem ähnlichen Zeitraum ohne Hitze übersteigt. So schätzt das RKI, dass im vergangenen Jahr rund 2.500 Menschen hitzebedingt gestorben sind. In heißeren Sommern als 2025 lag diese Zahl schon um ein Vielfaches höher. Rapp betont, dass ältere und gebrechliche Menschen hier den größten Anteil ausmachen: „Die beobachtete Übersterblichkeit in der Bevölkerung bei Hitzewellen ist fast ausschließlich auf diese Personengruppe zurückzuführen.”

Wie kann man sich schützen?

  • Viel trinken – und zwar deutlich mehr als sonst, da sind sich Experten einig.

  • Die Wohnung möglichst kühl halten, etwa durch Verdunkelung durch Rollläden oder Markisen außen.

  • Nicht nur jeder Einzelne ist gefragt, sondern auch die Politik muss die Bevölkerung schützen: Kommunen sind etwa aufgerufen, Hitzeaktionspläne – etwa mit Blick auf Stadtgestaltung und Schutzangebote – vorzulegen. Dabei gibt es laut Experten noch großen Nachholbedarf.

Wie heftig wird es in Deutschland in diesem Sommer?

Amelie Hoff aus dem Klimavorhersage-Team des DWD sagte der dpa kürzlich: „Unsere aktuelle saisonale Klimavorhersage zeigt eine Wahrscheinlichkeit von rund 62 Prozent für mehr heiße Tage, also Tage mit einer Maximumtemperatur über 30 Grad, im Vergleich zum Durchschnitt von 1991 bis 2020.” Dies bezieht sich auf den Zeitraum Juni bis August. Das ist wenig überraschend – denn durch den Klimawandel hat sich Deutschland bereits um rund 2,5 Grad erwärmt, deutlich stärker als der globale Durchschnitt. (anr)

Verwendete Quelle: dpa