Polizei-Ärger in den USAUnschuldige Oma landet wegen KI-Fehler halbes Jahr im Knast

Angela Lipps saß fast ein halbes Jahr unschuldig im Knast.
Angela Lipps saß fast ein halbes Jahr unschuldig im Knast.
GoFundMe

„Ich habe alles verloren!”
Gemütlich befindet sich Angela Lipps (50) in ihrem Zuhause, babysittet vier Kinder, als plötzlich mehrere Einsatzkräfte auftauchen. Mit vorgehaltener Waffe führen sie die Großmutter ab. Ein beinahe halbes Jahr langer Albtraum beginnt – wohl nur wegen des Fehlers einer Künstlichen Intelligenz.

Angela Lipps erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

Für die US-Marshalls steht fest: Sie haben gerade in Tennessee (USA) eine üble Betrügerin verhaftet, die eine Bank im mehr als 1.700 Kilometer entfernten North Dakota abgezockt hat. Doch Lipps versteht die Welt nicht mehr, sie sei nie auch nur in der Nähe des Tatorts gewesen, schreibt sie in einer Spendenkampagne. Trotzdem landet sie nach eigenen Angaben in U-Haft. Ohne weitere Nachfragen – und mit der Begründung, dass eine KI-Gesichtserkennung sie anhand der Überwachungsaufnahmen aus der Bank identifiziert habe.

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108 Tage verbringt sie ohne Chance auf Bewährung in Haft, schreibt Lipps weiter. Dann wird sie in Handschellen nach Fargo in North Dakota geflogen. „Ich war total verängstigt, erschöpft und gedemütigt”, erinnert sich die 50-Jährige. Erst an Heiligabend, nach insgesamt mehr als fünf Monaten hinter Gittern, erhält sie ihre Freiheit – aber nicht ihr Leben zurück.

Angela Lipps hat nach Knast-Aufenthalt „alles verloren”

Denn während ihrer Abwesenheit kann niemand die anstehenden Rechnungen begleichen. „Ich habe meine Mietwohnung in einem Wohnwagenpark verloren. Ich habe meine Sozialhilfe verloren. Ich habe meine Krankenversicherung verloren. Ich habe meine Ärzte verloren. Ich habe meinen Hund verloren. Ich habe mein Auto verloren”, schreibt die fünffache Großmutter auf GoFundMe.

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Doch damit nicht genug. Auch ihren 50. Geburtstag verbringt sie alleine, kann weder an Halloween, Thanksgiving noch Weihnachten Zeit mit ihren geliebten Enkeln verbringen. Nach ihrer Entlassung habe sie nur die Besitztümer von vor ihrer Verhaftung erhalten – und so ohne Geld und in kurzen Sommerklamotten im Winter von North Dakota gestanden. „Die Polizei von Fargo tat nichts, um mir zu helfen.”

Mit dem Erlös der Spendenkampagne möchte sich Lipps, die mit schweren Schlafstörungen kämpft, ein neues Leben aufbauen. Mehr als 53.000 Euro hat sie bereits gesammelt.

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Polizeichef reagiert auf Vorwürfe von Angela Lipps

Nach Bekanntwerden der schweren Vorwürfe reagiert auch der Polizeichef aus Fargo: David Zibolski erklärt, eine andere Behörde habe mithilfe einer KI-Gesichtserkennung einen Treffer auf einem gefälschten Ausweis verzeichnet und die „Informationen an unsere Ermittler weitergeleitet”.

Polizeichef Dave Zibolski entschuldigt sich für die Fehler bei der Ermittlung – aber nicht bei Angela Lipps.
Polizeichef Dave Zibolski entschuldigt sich für die Fehler bei der Ermittlung – aber nicht bei Angela Lipps.
CNN

Diese seien dann fälschlicherweise als sichere Identifizierung interpretiert worden. „Wie Sie sich vorstellen können, bedeutet das Foto auf dem gefälschten Ausweis, den ich benutze, nicht unbedingt, dass ich die Person bin, die auf diesem gefälschten Ausweis zu sehen ist.“

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Er gebe „gerne zu, wenn wir Fehler machen – und in diesem Fall haben wir sicherlich einige gemacht. Aber wir sind auch bereit, diese zu beheben. Und wir haben in all diesen Fällen sofort Maßnahmen ergriffen. Eine direkte Entschuldigung an Lipps richtet er laut MPRNews aber nicht, da die Ermittlungen noch laufen.

Verwendete Quellen: GoFundMe, People, NewsChannel9, MPRNews