Mit versteckter Kamera erwischtFührerschein-Betrug fliegt auf – aufmerksame Prüferin durchschaut perfiden Technik-Trick

Eine Frau beantwortet eine Frage der theoretischen Prüfung des Führerscheins. Neben ihr liegt ein Zettel, der auf die Videoüberwachung und das Nutzungsverbot von Smartphones hinweist. (Symbolbild)
Prüfungsbetrug beim Führerschein wird immer häufiger
Sebastian Gollnow/dpa
von Philipp Petersdorff

Eine Kamera im Hemdkragen, einen Hotspot in der Hosentasche und den Sohn vor der Tür.
Mit diesem Plan wollte ein 44-Jähriger offenbar seine theoretische Führerscheinprüfung bestehen. Doch eine aufmerksame Prüferin machte dem Täuschungsversuch einen Strich durch die Rechnung.

Von Anfang an verdächtig

Schon zu Beginn der theoretischen Führerscheinprüfung in einer TÜV-Prüfstelle in Schleiden fiel der Prüferin das Verhalten des 44-jährigen Kölners auf. Für die ersten Fragen benötigte der Mann ungewöhnlich viel Zeit. Weil ihr das verdächtig vorkam, verständigte sie die Polizei.

Als die Beamten eintrafen, hatte der Mann noch rund 20 Fragen vor sich. Auffällig plötzlich: Diese beantwortete er nun innerhalb weniger Minuten. Bestanden hatte er die Prüfung dennoch nicht.

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Bei der anschließenden Kontrolle bestätigte sich der Verdacht der Prüferin. Nach Angaben der Polizei entdeckten die Einsatzkräfte eine versteckte Kamera im Kragen des Mannes. Unter seiner Kleidung war weitere technische Ausrüstung im Brustbereich befestigt. Außerdem fanden die Beamten einen Hotspot in seiner Hosentasche. Die Geräte wurden sichergestellt.

Gegen den 44-Jährigen wird nun wegen des Verdachts des Betrugs sowie des Ausspähens von Daten ermittelt.

Sohn ebenfalls im Visier der Ermittler

Vor der Prüfstelle trafen die Beamten außerdem den 23-jährigen Sohn des Mannes an. Er hatte zwei Mobiltelefone bei sich. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei besteht der Verdacht, dass der Sohn seinem Vater während der Prüfung die richtigen Antworten übermitteln sollte. Als er bemerkte, dass Polizeibeamte auf das Display eines laufenden Videoanrufs blickten, wurde die Verbindung laut Polizei sofort beendet.
Auch gegen den 23-Jährigen wird nun ermittelt.

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Immer mehr organisierte Täuschungsversuche

Der Fall aus Schleiden passt zu einem bundesweiten Trend. Nach Angaben des TÜV-Verbands wurden 2025 insgesamt 4.239 Täuschungsversuche bei theoretischen Führerscheinprüfungen registriert – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Besonders auffällig: Mehr als jeder zweite aufgedeckte Fall gilt inzwischen als professionell organisiert.

Lese-Tipp: Theoretische Führerscheinprüfung: Würdet ihr noch bestehen?

In 36 Prozent der Fälle kommen technische Hilfsmittel wie Mini-Kameras oder andere versteckte Kommunikationstechnik zum Einsatz. Der TÜV-Verband warnt deshalb, dass organisierte Täuschungsversuche kein Kavaliersdelikt seien. Wer sich die Fahrerlaubnis erschleiche, dem fehlten wichtige Kenntnisse für den Straßenverkehr – mit möglichen Folgen für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.

Verwendete Quellen: Polizei Euskrichen, TÜV-Verband