Erste Krähe verfängt sich in KunstwerkFrankfurt kauft 2,3-Millionen-Euro-Vogelfalle

Eine Vogelfalle hätte man auch günstiger bekommen können!
Es sollte Frankfurt schöner machen – nun musste die Feuerwehr anrücken: Eine Krähe hatte sich im Netz-Kunstwerk „A Sky Full Of Hope“ an der Konstablerwache verfangen. Ausgerechnet dort, wo die Künstlerin und die Stadt zuvor betont hatten, Vögel seien nicht gefährdet.
Frankfurt: Feuerwehr rettet Krähe aus 2,3-Millionen-Kunstwerk an Konstablerwache
Dieses Kunstwerk liefert Stoff für eine Debatte, wie sie absurder kaum sein könnte: 2,3 Millionen Euro kostet die riesige Netz-Skulptur „A Sky Full Of Hope“, die seit gut einer Woche über der Frankfurter Konstablerwache hängt. Jetzt wurde das Kunstprojekt zur Falle für eine Krähe.
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Am Dienstagmorgen (18. August) verfing sich der Vogel im Netz. Feuerwehrleute mussten mit einer Drehleiter anrücken und die Krähe befreien. Anschließend kam das Tier in eine Tierklinik, wurde laut Stadt untersucht – und später wieder freigelassen.
Besonders pikant: Erst kurz zuvor hatte US-Künstlerin Janet Echelman erneut erklärt, ihre Netze stellten kein Risiko für Vögel dar. Sie verwies darauf, dass das Material dicker sei als klassische Fangnetze und die Maschen größer seien. Doch genau dieses Netz wurde nun zum Problem für einen Vogel.
Die Idee hinter dem Netz
Echelman hat ähnliche, nachts beleuchtete Installationen bereits in Städten wie Dubai und London gezeigt. Ihr Kunstwerk in Frankfurt soll, so ihre Idee, Verbundenheit sichtbar machen: „Wenn ein einziger Knoten sich bewegt, wirkt sich das auf jeden anderen Knoten aus.“ Es erinnere daran, „dass wir uns alle gemeinsam in dieser Welt bewegen“.

Über der Konstablerwache soll das Netz nach Angaben der Stadt drei Jahre lang hängen und den Ort aufwerten. Im Winter wird die Installation allerdings abgebaut – aus Sicherheitsgründen.
„Schon die erste Krähe drin“
Thomas Bäppler-Wolf, Mitglied im Frankfurter Kulturausschuss, bekam das Video von der Rettungsaktion zugeschickt. Sein Urteil fällt deutlich aus: „Bums, das Ding hängt eine Woche und schon war die erste Krähe drin.“
Der Lokalpolitiker kritisiert auch mögliche Folgekosten. „Wenn wir das mal hochrechnen, was die Feuerwehr jedes Mal kostet, wenn sie das Ding wieder leer machen muss – da kommt noch zu den 2,3 Millionen, die das Ding sowieso schon kostet, noch was dazu“, sagt Bäppler-Wolf. Ein Fußball habe sich nach seinen Angaben bereits zuvor im Netz verfangen.

Im RTL-Interview zeigen sich auch Passanten über den Vorfall wenig überrascht. „Ich glaube, das ist abzusehen, dass so was passiert“, sagt Frankfurter Matthias Kay. „Vögel gibt es hier ganz viele Tauben. Ich glaube, da werden wir noch einige drin sehen.“

Nora, die sich das Kunstwerk mit ihrem Vater ansah, sagt: „Überraschen tut es mich nicht, weil es ja schon in der Flugbahn von den meisten Vögeln ist.“ Ihr Vater ergänzt: „Es ist natürlich nicht weiter verwunderlich, dass sich da auch Vögel drin verfangen.“
Millionen und Kritik
Die Krähen-Rettung heizt eine ohnehin scharfe Diskussion weiter an. Die Stadt zahlt insgesamt 2,3 Millionen Euro für die Installation – zunächst als Leihgabe für drei Jahre. Kritiker hatten schon vor der Eröffnung die Kosten und die Vergabe ohne Wettbewerb oder Ausschreibung bemängelt.

Bäppler-Wolf hält die Ausgabe für falsch priorisiert: „Kunstwerk, ja, alles klar, kein Problem.“ Doch angesichts angespannter Kulturhaushalte und gekürzter Zuschüsse für kleinere Theater sei diese Summe schwer vermittelbar. „Das Ganze ist einfach Geldausgabe, die nicht sein muss“, sagt er.
Die Stadt widerspricht dem Eindruck, das Geld sei anderen Kulturprojekten weggenommen worden. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) betont: „Das Geld, das wir in die Hand genommen haben für dieses Kunstwerk, stammt nicht aus dem Kulturbudget. Wir nehmen niemandem etwas weg.“ Es handle sich um Mittel aus dem Stadtmarketing für die Illumination der Stadt.
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Doch es gibt auch Zustimmung. Ein Passant namens Roland findet die Skulptur „wirklich sehr gut“ – sie strahle „Lebendigkeit und Leichtigkeit“ aus. Zu den Kosten sagt er: „Gute Kunst kostet. Und wir sind ein reiches Land. Wir können uns das erlauben.“
Die Stadt Frankfurt zeigt sich nach dem Vogel-Vorfall überrascht. Er widerspreche den bisherigen fachlichen Einschätzungen, heißt es. Jetzt soll geprüft werden, welche Konsequenzen nötig sind und ob die Situation neu bewertet werden muss.
Die entscheidende Frage bleibt: Reicht es, den Platz mit Kunst schöner machen zu wollen – wenn aus einem Millionen-Netz schon nach wenigen Tagen eine Falle für Tiere wird?
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Facebook


