Keine nationalen SymboleFlaggenstreit in Kassel: Kulturzentrum verbietet Deutschland-Fahnen zur WM

Erschrecken Flaggen fremde Menschen?
Deutschland spielt, die Fans feiern in Schwarz-Rot-Gold, doch in einem Kasseler Biergarten bleiben Fahnen tabu. Die Betreiber bitten die Fans, auf nationale Zeichen zu verzichten. Das Flaggenverbot von Kassel sorgt mitten in der WM für mächtig Wirbel. Der Biergarten-Betreiber verteidigt die Regel, Kritiker sprechen von einem „ideologischen Eigentor”.
Flaggenverbot in Kassel sorgt für hitzige Reaktionen
Deutschlandflagge? Brasilien-Fahne? Oder doch das kleine Fähnchen im Gesicht? Beim Public Viewing im Boreal-Biergarten am Kulturzentrum Schlachthof in Kassel sollen Fans darauf komplett verzichten. Das Kulturzentrum will bei der Fußball-WM keine Nationalflaggen sehen. Nicht nur Schwarz-Rot-Gold ist betroffen, sondern die Fahnen aller 48 WM-Teilnehmer. Darüber berichten mehrere Zeitungen der Region.
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Auslöser der Debatte ist ein Social-Media-Post des Schlachthofs. Darin hieß es laut HNA: „Bei uns ist kein Platz für Nationalismus, also lasst eure Flaggen zuhause.” Ein früherer Hinweis, auch auf Schwarz-Rot-Gold-Schminke zu verzichten, wurde demnach inzwischen gelöscht.

Im Netz folgte ein Shitstorm mit Boykottaufrufen, Beschimpfungen und Drohungen. Schlachthof-Geschäftsführer Mirko Zapp erklärt gegenüber der Hessenschau, ihn hätten die heftigen Reaktionen überrascht. Die Ohne-Flaggen-Regel gelte bei solchen Veranstaltungen schon seit Jahren. Man wolle im Kulturzentrum, das einen Schwerpunkt auf Migration und Integration legt, „das Miteinander der Kulturen in den Vordergrund” stellen.
Betreiber verteidigt Verbot beim WM-Gucken
Zapp stellt klar, dass er Fans mit Fahnen nicht pauschal Nationalismus unterstellt. Trotzdem könnten Nationalflaggen auf Menschen „ausgrenzend, einschüchternd oder politisch aufgeladen” wirken, sagt er laut HNA. Der Betreiber bleibt also bei seiner Linie. Trikots sind erlaubt, Flaggen und Wimpel sollen zu Hause bleiben. Das Zentrum betont zugleich, die Regel richte sich nicht gegen Deutschland, deutsche Fans oder andere Länder.
Kritiker schießen gegen das Verbot
In der Kasseler Politik kommt das ganz anders an. Der frühere SPD-Stadtverordnete Volker Zeidler nennt das Vorgehen laut HNA „So ein Blödsinn”. Der Schlachthof sei zwar eine „unterstützenswerte Einrichtung”, schieße hier aber über das Ziel hinaus.
Auch die Kasseler Grünen sehen das Verbot kritisch. Vorsitzende Pilar Butte sagt der HNA: „Alle sollen während der Fußball-WM eine unbeschwerte Zeit haben und sich über die Erfolge ihrer Mannschaften freuen dürfen.” Aus ihrer Sicht spricht nichts dagegen, diese Freude auch mit Nationalflaggen zu zeigen.
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Noch deutlicher wird CDU-Politiker Maximilian Bathon. Er sagt zu BILD: „Da haben die sich ein ideologisches Eigentor geschossen.” Für ihn gehe es beim Jubel nicht um Nationalismus, sondern um Patriotismus. Sport biete die Möglichkeit, „gemeinsam und fair im Wettstreit gegeneinander anzutreten”.
Das Flaggenverbot Kassel bleibt damit ein Aufreger dieser WM. Aber wer mit Flagge in Kassel dem deutschen Team zujubeln möchte, findet sicher auch an anderer Stelle Gelegenheit. (tbe)
Verwendete Quellen: Instagram, HNA, Hessenschau, Bild


