Journalistin hat neue Theorie Starb der zweijährige Émile durch den Tritt eines Pferdes?

Foto von Émile auf einem Handy vor dem Ortsschild von Le Vernet, wo er verschwand
Émile (†2) verschwand im Juli 2023. Neun Monate später wurde seine Leiche gefunden
Thibaut Durand / Le Dauphiné Libéré
von Philipp Petersdorff

Ein heftiger Schlag, ein tragischer Unfall und anschließend Panik?
Im mysteriösen Fall des kleinen Émile Soleil rückt eine Theorie in den Fokus, über die in Frankreich derzeit diskutiert wird. Peggy Poletto, Kriminalreporterin der Regionalzeitung Nice-Matin, beschäftigt sich in ihrem neuen Buch mit der Möglichkeit, dass der Junge von einem Pferd getroffen worden sein könnte.

Die ganze Welt nahm Anteil an Émiles Verschwinden

Émile war zweieinhalb Jahre alt, als er am 8. Juli 2023 im südfranzösischen Weiler Haut-Vernet verschwand. Er hielt sich zu diesem Zeitpunkt bei seinen Großeltern auf. Monatelang fehlte von dem Jungen jede Spur. Ende März 2024 fand eine Wanderin schließlich seinen Schädel. Weitere Knochen und Kleidungsstücke tauchten später in der Umgebung auf. Bis heute ist nicht geklärt, wie Émile starb.

Lese-Tipp: Tod des kleinen Émile (2) – eine Chronologie der Ereignisse

Jetzt die neue Theorie: Starb Émile womöglich durch den Tritt eines Pferdes? Damit setzt sich die französische Journalistin Peggy Poletto in ihrem neuen Buch „Émile. Le silence et le bruit“ (dt. Die Ruhe und der Lärm) auseinander. Poletto arbeitet als Gerichts- und Kriminalreporterin für die Regionalzeitung Nice-Matin und begleitet den Fall Émile seit dem Verschwinden des Zweieinhalbjährigen.

Die Theorie passt zu wichtigen Indizien

Poletto stellt die Frage: Könnte Émile zunächst bei einem Unfall mit einem Pferd ums Leben gekommen sein und anschließend jemand versucht haben, die Todesumstände zu verschleiern und die Leiche zu verstecken? Genau hier bekommt Brisanz in die Überlegung:

  • Die rechtsmedizinischen Untersuchungen haben bei Émile schwere Verletzungen im Gesicht ergeben. Unter anderem wurde eine Verletzung am rechten Jochbein festgestellt. Genau hier setzt Polettos Theorie an: Könnten diese Verletzungen durch den Huf eines Pferdes verursacht worden sein?

  • Die Ermittler gehen davon aus, dass Émiles nicht am Fundort gestorben ist. Als der Zweijährige verschwand, hielt er sich bei seinen Großeltern in Haut-Vernet auf. Sein Großvater soll dort ein Gehege für Pferde eingerichtet haben. Émiles Schädel wurde allerdings erst rund neun Monate später von einer Wanderin etwa 1,7 Kilometer vom Haus der Großeltern entfernt gefunden.

  • Émiles später gefundene Kleidungsstücke waren im Verhältnis zum Verwesungszustand seiner sterblichen Überreste auffällig gut erhalten. 2025 teilte die Staatsanwaltschaft zudem mit, dass die gefundenen Knochen und Kleidungsstücke erst relativ kurze Zeit vor ihrer Entdeckung dort abgelegt worden sind. Wo sie sich in der Zwischenzeit befunden haben, ist bislang ungeklärt.

Bewiesen ist die Huftritt-Theorie nicht. Pferde spielten allerdings auch schon vorher in den Ermittlungen eine Rolle. Im März 2025 durchsuchten Ermittler das Anwesen von Émiles Großeltern in La Bouilladisse. Dabei beschlagnahmten sie neben einem SUV auch einen Pferdeanhänger, den die Gendarmen anschließend untersuchen haben. Ergebnisse dieser Untersuchung wurden bislang nicht öffentlich bekannt.

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Im Video: Zwischenzeitlich wurde auch gegen Émiles Großeltern ermittelt

Fall Émile: Die entscheidende Antwort fehlt weiter

Bereits im März 2025 berichtete Le Parisien, dass die Ermittler sowohl eine vorsätzliche als auch eine unbeabsichtigte Tötung durch eine andere Person als mögliche Szenarien untersuchten. Peggy Poletto macht selbst deutlich, dass ihr Buch keine Enthüllung des Falls liefert. Im Gespräch mit der Regionalzeitung Le Dauphiné Libéré beschreibt sie das ungelöste Rätsel mit einem Satz: „Es fehlt ein Teil des Puzzles und wir müssen es finden.“

Verwendete Quellen: Le Dauphiné Libéré, Le Parisien