Schüsse in München Ermittler gehen von versuchtem Terroranschlag aus

Es war Terror!
Nach dem Schusswechsel nahe dem israelischen Generalkonsulat in München gehen Ermittler von einem versuchten Anschlag aus. Der 18 Jahre alte Schütze, der von den Einsatzkräften getötet wurde, soll einen Österreicher mit IS-Bezug sein. Offenbar hatte er es auf das Generalkonsulat von Israel abgesehen.

Terrorverdächtiger Emrah I.
Emrah I. soll einen Terroranschlag in München geplant haben.
IMAGO SP/privat

Ermittlung gegen 18-Jährigen Angreifer von München

Die Polizei verhinderte aber Schlimmeres. „München hat kurz den Atem angehalten», sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Es bleibt aber, da darf sich keiner täuschen, ein Warnsignal für uns alle”, meint er. Emrah I., der in Flachgau bei Salzburg geboren wurde, soll sich mit den Beamten eine Schießerei geliefert haben. Polizeisprecher Andreas Franken erklärte, dass es gegen 9 Uhr zu einem Schusswechsel mit einer „Person mit einer Langwaffe“ gekommen sei. „Dabei wurde der Tatverdächtige getroffen.“ Der 18-Jährige starb. Ob er sich zu seinen möglichen Terrorplänen geäußert hat, bevor die Polizei ihn erschoss, ist unklar. Ebenso, ob Hinweise auf einen Anschlag bei ihm gefunden wurden.

Die österreichische Presseagentur APA berichtet, dass gegen den Schützen im vergangenen Jahr wegen mutmaßlicher Nähe zur Terrororganisation Islamischer Staat ermittelt worden ist. Auf seinem Mobiltelefon sei einschlägiges Propagandamaterial gefunden worden. Ein Verfahren wegen Mitgliedschaft bei der Terror-Miliz sei aber eingestellt worden, heißt es.

Die Polizei rückt zum Wohnort des Schützen aus.
Die Polizei sichert im Wohnort des Schützen Spuren.
Fmt-Pictures - Mw/APA/dpa

18-Jähriger hatte Waffenverbot bis 2028

In Neumarkt am Wallersee, wo die Familie des 18-Jährigen wohnen soll, war die Polizei im Einsatz, um Spuren zu sichern. Ein Nachbar beschreibt den 18-Jährigen im Gespräch mit RTL als ruhig und unauffällig. Er sei nur selten draußen auf der Straße gewesen und habe eher zurückgezogen gelebt.

Auch die Polizei bestätigte, dass der Mann mit bosnischen Wurzeln bereits seit Februar 2023 polizeibekannt ist. Der Teenager war damals aufgefallen, weil er Mitschüler bedroht hatte. Die Beamten ermittelten auch wegen Körperverletzung und Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung. „Es bestand der Verdacht, dass er sich religiös radikalisiert hatte, online einschlägig aktiv war und sich für Sprengstoff sowie Waffen interessierte”, erklärte die Polizei Salzburg. Gegen den damals 17-Jährigen sei ein Waffenverbot verhängt worden, das bis Anfang 2028 gelten sollte.

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Großeinsatz vor dem israelischen Generalkonsulat in München
Die Ermittler gehen davon aus, dass der 18-Jährige einen Anschlag auf das israelische Generalkonsulat verüben wollte.
Peter Kneffel/dpa
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Österreich erhöht Sicherheitsmaßnahmen nach versuchtem Terroranschlag

In Österreich sollen die Sicherheitsmaßnahmen nach dem Schusswechsel in München erhöht werden. Das gab Innenminister Gerhard Karner in Wien bekannt. Die Staatsschutzbehörde DSN habe deswegen bereits mit der israelischen Botschaft und der israelischen Kultusgemeinde Kontakt aufgenommen, sagte er. „Die österreichischen Sicherheitsbehörden sind in intensivem Austausch mit den deutschen Kollegen”, sagte Karner. Details zu dem jungen Mann oder zu dem Wissensstand seiner Beamten nannte er nicht.

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Offenbar wollte Emrah I. am Jahrestag des Olympia-Attentats in München im Jahr 1972 einen Anschlag verüben. Am 5. September 1972 erschossen palästinensische Terroristen im Olympischen Dorf zwei Männer und nahmen neun Geiseln. Rund 18 Stunden später endete ein Befreiungsversuch mit dem Tod der neun israelischen Geiseln, eines Polizisten und von fünf der Attentäter. Die Terroristen wollten mehr als 200 Gefangene in Israel und die RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof freipressen. Zum Zeitpunkt des Schusswechsels war das Generalkonsulat laut dem israelischen Außenministerium wegen einer Gedenkveranstaltung zu diesem Jahrestag geschlossen.