Keine Verantwortung für Drogen im ChampagnerAngeklagter im Ecstasy-Prozess von Weiden freigesprochen

In diesem Restaurant bekamen die Gäste hochkonzentriertes Ecstasy statt Champagner
In diesem Restaurant in Weiden in der Oberpfalz bekamen die Gäste hochkonzentriertes Ecstasy statt Champagner
RTL Punkt 12
von Julian Kaiser, Michaela Johannsen und Nadine Becker

Ecstasy im Champagner.
Bis heute kämpfen die Opfer der Ecstasy-Horror-Nacht aus Weiden in der Oberpfalz mit den Folgen des verhängnisvollen Abends aus dem Februar 2022. Heute ging der Prozess gegen einen Beschuldigten zu Ende. Urteil: Freispruch!

Ecstasy im Champagner: Die Horror-Nacht von Weiden

Ein Mini-Schluck, dann kippt der Abend komplett. Am 12. Februar 2022 treffen sich Carola Potrz und mehrere Freunde im Restaurant „La Vita” in Weiden, gönnen sich eine Drei-Liter-Flasche Champagner und ahnen nicht, dass wenig später der blanke Horror beginnt. Denn in der Flasche steckt laut Ermittlungen kein Schaumwein, sondern hochkonzentriertes, flüssiges Ecstasy. Der Hausbesitzer berichtet schon damals von schrecklichen Details aus der Nacht.

Im Restaurant „La Vita” in Weiden brechen plötzlich alle zusammen

Carola Potrz erinnert sich, nur ganz wenig getrunken zu haben. Trotzdem habe sie sofort gespürt, dass etwas Schlimmes passiert sei. Kurz darauf kollabieren mehrere Menschen, die von dem vermeintlichen Champagner getrunken haben. Der damalige Pächter des Restaurants schildert Szenen voller Panik. Gäste zittern am ganzen Körper, zwei Frauen schreien, Menschen werden aus dem Lokal gebracht. Für einen 52-jährigen Familienvater kommt jede Hilfe zu spät, er stirbt. Sieben weitere Menschen werden verletzt.

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Im Video: Theo G. betritt im Ecstasy-Prozess den Gerichtssaal als freier Mann

Ecstasy-Prozess in Weiden: Theo G. vor Gericht freigesprochen

Der Niederländer Theo G. war wegen fahrlässiger Tötung, siebenfacher fahrlässiger Körperverletzung und bandenmäßigen Drogenhandels angeklagt gewesen. Die Polizei hatte ihn 2023 in den Niederlanden festgenommen. Die Staatsanwaltschaft forderte zehn Jahre Haft.

Zum Prozess kam er nicht aus der U-Haft, sondern als freier Mann. Den Haftbefehl hatte das Gericht bereits vor Monaten wegen mangelnder Beweise aufgehoben. Für Carola Potrz war das kaum zu ertragen. Er könne seine Familie umarmen, sagt sie, sie selbst aber lebe weiter mit den Folgen dieser Nacht.

Doch ist Theo G. wirklich verantwortlich für die Drogen in der Champagnerflasche? Vor Gericht konnte nicht erwiesen werden, dass der 46-Jährige etwas damit zu tun hat. Entsprechend endete der Ecstasy-Prozess mit einem Freispruch.

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Carola Potrz lebt bis heute mit den Folgen des Ecstasy-Abends

Für Carola Potrz und die übrigen Opfer geht die Suche nach einem Schuldigen also weiter. Die zweifache Mutter erlitt damals eine Hirnblutung, lag im künstlichen Koma und ist heute auf eine Gehhilfe angewiesen. Dazu kommen unkontrollierte und schmerzhafte Muskelzuckungen.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, AFP