Ungewöhnliche RettungsmethodeCrans-Montana-Opfer Agata überlebt dank Fischhaut aus Island

von Céline Jouffrau, Priska Winkelmann und Jacqueline Vetten

Für Agata Strzelczak ändert sich in der Brandnacht von Crans-Montana alles.
65 Prozent ihres Körpers sind verbrannt, sechs Wochen liegt die Schülerin im Koma. Als ihre eigene Haut für die Behandlung nicht mehr ausreicht, setzen Ärzte auf eine ungewöhnliche Methode: Fischhaut aus Island. Wie die Fischhaut hergestellt wird, warum sie bei schweren Wunden eingesetzt werden kann und wie Agata heute mit den Folgen der Brandkatastrophe lebt, zeigen wir im Video.

Crans-Montana-Opfer Agata liegt sechs Wochen im Koma

Eigentlich will Agata Strzelczak mit Freunden nur ins neue Jahr feiern. Doch dann bricht in der Bar in Crans-Montana ein verheerendes Feuer aus. 40 Menschen sterben, 116 werden verletzt. Auch Agata wird schwer getroffen: 65 Prozent ihres Körpers sind verbrannt.

Für ihre Familie beginnen bange Stunden. Zunächst wissen die Angehörigen nicht einmal, wo Agata ist und wie es ihr geht. Später besuchen ihre Eltern sie jeden Tag im Krankenhaus – auch während die Schülerin im Koma liegt. „Es ist so schlimm, sie leiden zu sehen und man kann nichts tun“, erinnert sich ihre Mutter Aleksandra Strzelczak.

Sechs Wochen lang ist Agata nicht bei Bewusstsein. Als sie schließlich aufwacht, ist ihr früherer Alltag weit weg. Essen und Trinken funktionieren zunächst nur über eine Sonde, ihre Haut kann die Körpertemperatur nicht mehr richtig regulieren. Auch ihre Stimme hat sich durch die Beatmung verändert.

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Ärzte behandeln Agatas Verbrennungen mit Fischhaut aus Island

Die Mediziner stehen vor einem weiteren Problem: Agatas eigene gesunde Haut reicht nicht aus, um die schweren Wunden zu versorgen. Sie schlagen der Familie deshalb eine Behandlung vor, von der diese bis dahin noch nie gehört hat – mit der Haut von atlantischem Kabeljau.

Auf beiden Armen kommt die Fischhaut zum Einsatz. Für Agata ist die Vorstellung zunächst beängstigend. Die ungewöhnlichen Transplantate sollen ihre Wunden schützen und die Heilung unterstützen.

Die Fischhaut stammt aus Island. Dort wird Kabeljauhaut, die bei der Verarbeitung des Fisches normalerweise übrig bleibt, für die medizinische Anwendung aufbereitet. Dabei wird sie so behandelt, dass eine zellfreie Grundstruktur zurückbleibt. Diese wird sterilisiert, zugeschnitten und auf die Wunde gelegt.

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Ihre Struktur ähnelt menschlichem Gewebe. Dadurch kann sie dem Körper als eine Art Gerüst dienen, während sich neues Gewebe bildet. Je nach Wunde kommen unterschiedliche Varianten zum Einsatz – unter anderem bei Verbrennungen, Operationswunden und chronischen Wunden.

Dass ausgerechnet ein vermeintliches Abfallprodukt aus der Fischindustrie einmal bei der Versorgung schwerer Verbrennungen helfen würde, dürfte für viele zunächst gewöhnungsbedürftig klingen. Agata selbst geht es ähnlich. „Es ist immer noch seltsam. Das ändert sich nicht“, sagt sie Monate später.

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Agata kämpft sich nach Crans-Montana zurück ins Leben

Acht Monate nach dem Feuer ist Agata wieder zu Hause bei ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder. Doch die Folgen der Katastrophe bestimmen ihren Alltag weiterhin. Die junge Frau ist schnell erschöpft und kann noch nicht wieder zur Schule gehen. Ihre Rehabilitation wird noch lange dauern.

Trotzdem macht sie Fortschritte. Ihre Haut heilt, Spaziergänge werden wieder möglich. Und Agata wagt sogar einen Schritt, der besonders viel Kraft kostet: Sie kehrt nach Crans-Montana zurück – an den Ort, an dem sich ihr Leben innerhalb weniger Augenblicke verändert hat.

Über die Erinnerungen an die Brandnacht selbst möchte sie nicht sprechen. Beim Besuch des Unglücksortes fehlen ihr schließlich die Worte. Ihre Mutter bringt auf den Punkt, was die Familie jetzt antreibt: „Man muss die Kraft und den Mut finden, immer weiterzumachen.“

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche