Monatelang in der Sonne gelegenTimmys Kadaver wird an Land gezogen! Doch ein ekelhaftes Problem droht

Der tote Wal liegt aufgebläht vor der dänischen Insel Anholt. Es handelt sich um den als Timmy bekannten Buckelwal, der Ende März erstmals vor Timmendorfer Strand gestrandet war und rund einen Monat später in die Nordsee transportiert wurde. (Luftaufnahme mit einer Drohne) +++ dpa-Bildfunk +++
Vielen Dänen ein Ärgernis: Der tote Wal liegt aufgebläht vor der dänischen Insel Anholt.
picture alliance/dpa / Marcus Golejewski

Das Schicksal des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals, der Timmy getauft wurde, bewegt seit Monaten die Deutschen.
Zur großen Verwunderung der Dänen, die nun mit dessen Kadaver klarkommen müssen. Allerdings kommt Bewegung in die Sache.

Untersuchung des Kadavers soll kommende Woche folgen

Lange passierte nichts, nun soll der vor der dänischen Insel Anholt liegende Kadaver des Buckelwals geborgen werden. Ob das tote Tier an diesem Samstag oder erst am Sonntag an Land gezogen wird, ist noch unklar. Die Untersuchung des Kadavers soll kommende Woche folgen. „Weil das Tier so lange in der Sonne gelegen hat, wird es stark stinken“, sagte der Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen, der in Dänemark seit 25 Jahren Wal-Obduktionen begleitet. „Das wird ziemlich überwältigend, wenn man es nicht gewohnt ist.“ Außerdem bestehe Ansteckungsgefahr, weshalb an solchen Aktionen möglichst wenige Menschen beteiligt seien.

Seit mehr als zwei Wochen treibt der Kadaver vor der Urlaubsinsel im flachen Wasser. Einmal hatten die Dänen versucht, den von Fäulnisgasen aufgeblähten Wal in tieferes Gewässer zu ziehen, um ihn dann in einen Hafen zu bringen. Der Versuch scheiterte, nun soll das Tier direkt am Strand untersucht werden. Es gehe vor allem darum, herauszufinden, woran es starb, sagte Madsen - „denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht“.

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Der Forscher nimmt derzeit an, dass das Tier von vornherein keine Chance hatte. „Das war ganz offensichtlich ein krankes, entkräftetes Tier, das nicht gerettet werden konnte, und man hätte es einfach in Frieden lassen sollen.“ Stattdessen habe man ein Tier, das noch nie in Gefangenschaft gelebt habe, tagelang in einer Metallkiste eingesperrt über das Meer bugsiert. „Es wurde von den Wellen hin und her geschmissen, dem Lärm der Motoren ausgesetzt, um dann einfach ins Meer gekippt zu werden - das muss höllisch stressig und beängstigend für das Tier gewesen sein.“ Die Aktion sei „reine Tierquälerei“ gewesen.

Der Wal hatte an der deutschen Ostseeküste immer wieder Flachwasserbereiche aufgesucht - weitergezogen war er mehrfach erst, nachdem sich Menschen genähert hatten. Schließlich lag er vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Gegen die Empfehlung deutscher Fachleute und Institutionen hatte das Landesumweltministerium geduldet, dass eine private Initiative das Tier abtransportiert und in der Nordsee freisetzt.

Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Anholt mit nur etwa 130 Bewohnern wundern sich viele über das Vorgehen - und noch mehr über das große Interesse an dem „deutschen Promi-Wal“, wie ihn hier einige nennen. „Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen so ein Aufheben um diesen Wal machen“, sagte die Dänin Susanna.

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Für die Einheimischen bedeutet der Kadaver vor allem Ärger, zumal er am beliebtesten und zugänglichsten Strand der Insel liegt. „Wenn er liegenbleibt und noch stärker stinkt, wird das zum Problem für unsere Sommergäste und den Campingplatz“, sagte Matthias Vanman, der mit seiner Bekannten Hanne Skov am Hafen in der Sonne saß. Skov verbringt seit über 30 Jahren den Sommer auf dem Campingplatz der Insel unweit vom Strand. „Das größte Problem ist, dass so ein Kadaver alles verschmutzt“, meinte sie.

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Die Umweltbehörde warnt Badegäste davor, sich dem verwesenden Wal zu nähern. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr. Wenn die Arbeiten an dem Tier beginnen, soll der Strand abgesperrt werden. Tierärzte, Behördenvertreter und Experten werden zum Beispiel nach Resten von Fischernetzen und Plastik im Darm und in der Speiseröhre des Tiers suchen.

„Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt“, sagte Wal-Forscher Madsen. Bei den beiden anderen sei das zumindest eine Möglichkeit gewesen, man könne es nur nicht mit Sicherheit sagen.

„Wir sollten uns darüber freuen, dass wir wieder mehr Buckelwale in der Ostsee sehen“, sagte der Experte von der Uni Aarhus. „Aber anstatt so viele Ressourcen auf den Versuch zu verwenden, ein einzelnes Tier zu retten, sollten wir dafür sorgen, dass Tiere nicht in solche Situationen geraten.“

Verwendete Quellen: ghö/dpa