Anwohner-Protest legt Alpen lahmVerkehrs-Chaos droht! Brenner am 30. Mai stundenlang dicht

Autos und LKW fahren über den Brenner (Brennerautobahn A13). Aufgrund einer Demonstration soll am 30.05.2026 von 11.00 bis 19.00 Uhr eine Totalsperre der Brennerautobahn A13 sowie der Brennerstraße (B182) und der Ellbögener Straße (L38) eingerichtet werden.
Autos und LKW fahren über den Brenner (Brennerautobahn A13). Aufgrund einer Demonstration soll am 30.05.2026 von 11.00 bis 19.00 Uhr eine Totalsperre der Brennerautobahn A13 sowie der Brennerstraße (B182) und der Ellbögener Straße (L38) eingerichtet werden.
picture alliance/dpa / Sven Hoppe

Der Brenner ist eine wichtige Verkehrsader der Alpen. Viele Millionen Autos und Lkw nutzen die mautpflichtige Autobahn jedes Jahr. Am 30. Mai müssen sie sich eine Alternative suchen. Der Brenner ist wegen einer Demonstration genervter Anwohner stundenlang komplett gesperrt. Auf österreichischer Seite ist von 11 Uhr bis 19 Uhr für Autos und Motorräder kein Durchkommen. Auf italienischer Seite gilt die Sperre von 10.30 Uhr bis 20 Uhr. Lastwagen können bereits einige Stunden zuvor nicht mehr über den Alpenpass fahren. Die Sperrung gilt nicht nur für die Autobahn: Auch die Bundesstraße und Nebenstrecken sind für den Transitverkehr zu. Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist der Grund der Demonstration?

Die Verkehrsflut am Brenner. Fast elf Millionen Autos und nahezu 2,5 Millionen Lastwagen haben die mautpflichtige Autobahn laut Autobahnbetreiber Asfinag im vergangenen Jahr genutzt. Der Lkw-Verkehr hat seit 2010 um rund 40 Prozent zugelegt. Das gesamte Verkehrsaufkommen hat sich seit Inbetriebnahme der Brennerautobahn in den 1960er-Jahren fast versiebenfacht. Die 15.000 Bewohner des Wipptales haben davon genug. Viele von ihnen leben in unmittelbarer Nähe der Autobahn und leiden unter Lärm, Feinstaub und vielen Beeinträchtigungen im täglichen Leben durch häufige Staus auf allen Strecken. Der Bürgermeister der Gemeinde Gries, Karl Mühlsteiger, hat deshalb einen Protest initiiert.

Warum lässt die Justiz die Demonstration zu?

Vorherige Demonstrationsversuche wurden wegen des drohenden Verkehrskollapses nicht genehmigt. Das Landesverwaltungsgericht Tirol hält diese Begründung für widersinnig und wich in seinem Urteil von dieser ab. „Eine Untersagung der Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen, führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum“, heißt es in dem Richterspruch. Es sei Sinn der Versammlungs- und Meinungsfreiheit aufzurütteln und zu provozieren, was auch für die Allgemeinheit unangenehm sein könne.

Mit welchen Behinderungen ist zu rechnen?

Tagsüber passieren Zehntausende Fahrzeuge den Brenner. Die Blockade fällt mitten in die Pfingstferien von Bayern und Baden-Württemberg sowie ans Ferienende in Sachsen-Anhalt. Die Polizei rechnet mit einer schwierigen Situation auf den Straßen. Die Behörden in Tirol und auch Deutschland bereiten sich auf eine außergewöhnliche Verkehrslage vor. Sie empfehlen dringend, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten. Bereits an den Landesgrenzen - also weit vor dem Brenner - werden Fahrzeuge kontrolliert und Fahrer informiert. Sollte es zu einem Verkehrskollaps kommen, droht eine Dosierung des Verkehrs. Auch vor und nach der Sperre dürfte es zu erheblichen Staus kommen.

Kommt wirklich niemand durch?

In der betroffenen Region ist jeglicher Transitverkehr in dem Zeitraum verboten. Erlaubt ist Ziel- und Quellverkehr. Wer also in einem Ort, zum Beispiel im Stubaital, ein Hotel gebucht hat und das nachweisen kann, darf die Sperre passieren. Radfahrer dürfen die Landstraße zum Brenner benutzen.

Wie reagieren Politiker?

Aus der Politik bekommt Bürgermeister Mühlsteiger durchaus Gegenwind. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter spricht von einem Knüppel, der der Logistikbranche zwischen die Beine geworfen werde. Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke macht sich Sorgen um die Beziehungen zu Deutschland und Italien, die „durch derartige Aktionen nicht belastet werden sollten.“ Aus Italien warnte Südtirols Ministerpräsident Arno Kompatscher, dass eine stundenlange Blockade in weiten Teilen der Bevölkerung Kopfschütteln auslösen und zum Eigentor werden könne.

Wie reagieren Urlauber?

Touristen in Südtirol passen nach Angaben des Hoteliers- und Gastwirteverbands ihren Urlaub angesichts der Blockade an. „Viele Gäste haben ihre Buchungen um einen Tag vor oder einen Tag nach hinten verschoben“, zitiert die Nachrichtenagentur Ansa den Verbandspräsidenten Klaus Berger. Die Menschen versuchen, die Sperre am Samstag zu umgehen. Mühlsteiger selbst berichtet von knapp 700 Mails aus Deutschland, Italien und Österreich: Fast alle seien positiv.

Welche Alternativen gibt es?

Für den 30. Mai und auch sonst gibt es auf der Fahrt nach Südtirol und anderen Zielen in Italien zumindest auf dem Papier Alternativen zum Brenner. Dazu zählen der Reschenpass, das Timmelsjoch in Österreich, der Gotthardtunnel und der San-Bernadino-Tunnel in der Schweiz. Der Nachteil: Fast alle diese Routen sind deutlich mühsamer und zeitaufwendiger.

Eine elegante Alternative könnte der Zug sein. Der braucht von Innsbruck bis nach Franzensfeste auf der italienischen Seite heute 80 Minuten. Wenn der Brenner-Basistunnel im Jahr 2032 in Betrieb geht, rauschen die Züge für den Personen- und Güterverkehr mit Tempo 200 durch die rund 64 Kilometer lange Röhre. Die Fahrtzeit für die Strecke beträgt dann nur noch 25 Minuten.

Kann der Brenner-Basistunnel helfen?

Tatsächlich liegen viele Hoffnungen auf der Fertigstellung des Jahrhundertbauwerks. Aber: Bis 2032 sind es noch sechs Jahre. Und: Die Nordzufahrt von Deutschland ist bis dahin wohl nicht so leistungsfähig wie erhofft. So liegen die unmittelbaren Hoffnungen der Anwohner beim Lärmschutz. Wenigstens sollten modernste Lärmschutzwände errichtet oder Einhausungen gebaut werden.

Verwendete Quellen: Matthias Röder und Robert Messer, dpa