Nicht mehr zeitgemäßer Prunk?Tradition unter Beschuss! Warum die Bärenfellmützen der Palastwache bald Geschichte sein könnten

Soldaten der Königlichen Garde bei der Wachablösung
Soldaten der Königlichen Garde bei der Wachablösung am Buckingham Palast
picture alliance / dpa-Zentralbild

Die roten Uniformen, die starren Gesichter, die riesigen schwarzen Fellmützen!
Wer London besucht, kommt an der Palastwache vor Buckingham Palace nicht vorbei. Doch hinter der ikonischen Kulisse der britischen Monarchie tobt derzeit ein Streit, der das Traditionssymbol ins Wanken bringt. Denn die berühmten Bärenfellmützen der King’s Guard bestehen bis heute aus echtem Bärenfell – und genau das soll sich nach dem Willen britischer Politiker und Tierschützer ändern.

Parlamentarier fordern Verzicht auf echtes Fell

In einem fraktionsübergreifenden Brief an Verteidigungsminister Luke Pollard haben sich 18 Abgeordnete des Unterhauses und ein Mitglied des Oberhauses zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Die britische Regierung soll die Verwendung von echten Bärenfellen für die zeremoniellen Kopfbedeckungen der königlichen Garde stoppen.

Die Pelze stammen derzeit aus legalen Abschüssen in Kanada. Die Politiker fordern, diese Praxis zu beenden und stattdessen auf synthetische Alternativen aus Kunstfell umzusteigen. Die Fortführung der bisherigen Tradition sei mit modernen ethischen Standards und dem Regierungsversprechen zur Förderung des Tierschutzes nicht mehr vereinbar.

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Tierschützer kritisieren steigende Bestellzahlen

Unterstützung erhält die politische Initiative von der Tierschutzorganisation PETA UK, die seit Jahren gegen die Pelzmützen ankämpft. Nach Angaben der Organisation, die sich auf offizielle Anfragen zur Informationsfreiheit stützt, wurden allein im Jahr 2024 insgesamt 22 und für das Jahr 2025 sogar 96 neue Bärenfellmützen bestellt.

Laut PETA wird für die Herstellung einer einzigen Mütze das Fell mindestens eines Bären benötigt. Zwischen 2017 und Juli 2024 habe das Verteidigungsministerium 526 dieser Kopfbedeckungen erworben, was Kosten von über einer Million Pfund (rund 1,3 Millionen Dollar) verursacht habe. Eine einzelne Mütze kostet in der Anschaffung rund 2.460 Pfund (ca. 2.868 Euro).

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Das Ministerium stellt fünf Bedingungen für Kunstfell

Das britische Verteidigungsministerium (MoD) zeigt sich grundsätzlich offen für eine Veränderung. Ein Sprecher erklärte, dass das Ministerium den Ersatz der Bärenfellmützen durch eine Kunstfell-Alternative unterstütze. Allerdings müsse jeder Ersatzstoff zuvor fünf strenge Tests bestehen. Diese Kriterien betreffen: die Wasseraufnahme, das Eindringen von Wasser, das optische Erscheinungsbild, die Trocknungszeit sowie die Kompressionsfähigkeit des Materials.

Zudem muss das neue Material von den aktiven Gardisten akzeptiert werden, damit die Mützen im Dienst ihre Form behalten und angenehm zu tragen sind. Auch Aspekte wie Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit müssen vor einer Umstellung geprüft werden. Das Ministerium betonte, die Zusammenarbeit mit PETA bei der Suche nach einer Alternative gerne wieder aufnehmen zu wollen.

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Eine jahrhundertealte Tradition

Die Geschichte der imposanten Kopfbedeckungen reicht bis in das frühe 19. Jahrhundert zurück, sie ist nicht bloß ein dekoratives Accessoire, sondern ein Stück Militärgeschichte. Ursprünglich sollten die rund 45 Zentimeter hohen Mützen, die auf einem Korbgeflecht aufgebaut sind, die Soldaten auf dem Schlachtfeld größer und furchteinflößender wirken lassen. Heute werden sie von den fünf Fußgarde-Regimentern der britischen Armee bei staatlichen und zeremoniellen Anlässen getragen. Die Mützen kommen bei Wachablösungen vor den königlichen Residenzen, bei Staatsakten, der „Trooping the Colour“-Parade zum Geburtstag des Königs und bei der Parlamentseröffnung zum Einsatz.

Bei guter Pflege – die Mützen werden regelmäßig gebürstet, gedämpft und shamponiert – hält eine solche Kopfbedeckung oft jahrzehntelang. Einige der aktuell genutzten Mützen sind bereits seit mehr als 40 Jahren im Einsatz. Ob neue Generationen von Gardisten bald mit Hightech-Kunstfell vor dem Palast stehen, hängt nun davon ab, wie schnell die Industrie ein Material entwickelt, das den strengen Anforderungen des Militärs gerecht wird.

Verwendete Quellen: CNN