Trauer-Ritual der SPD-PolitikerinBärbel Bas spricht mit der Jacke ihres toten Ehemanns

„Dann erzähle ich das halt der Jacke kurz.“
In der Talkshow Bembel & Gebabbel öffnet sich SPD-Politikerin Bärbel Bas so persönlich wie selten. Als Moderator Bernd Reisig ein Foto einer schwarzen Jacke einblendet, lächelt sie erst, dann wird ihre Stimme leiser: Die Jacke ihres Mannes hängt immer noch im Flur – seit Jahren.
Bärbel Bas ganz privat
„Die hängt da immer noch. Ich habe die immer noch nicht weggenommen“, sagt die SPD-Politikerin in der Talkshow „Bembel & Gebabbel“. Dann beschreibt sie ihr Ritual: „Du kommst nach Hause und hast irgendwas erlebt. Man kommt nach Hause, dann erzählt man, was so war. Dann erzähle ich das halt der Jacke kurz. Dann gehe ich weiter ins nächste Zimmer.“
Als der Moderator nachhakt – „Du redest mit der Jacke?“ – nickt Bas und antwortet: „Ja, kurz. Wie der Tag so war, wer mich wieder irgendwie blöd behandelt hat – und dann ist das weg.“ Sie fügt hinzu: „Ein bisschen spooky, aber es hilft.“
Ein Kleidungsstück als Erinnerung an ein ganzes Leben
Ihr Mann Siegfried Ambrosius, selbst SPD-Politiker, starb 2020 mit 79 Jahren nach schwerer Krankheit. Für Bas bricht damals eine Welt zusammen. Der gemeinsame Alltag – nach Hause kommen, erzählen, sich auskotzen, zusammen lachen – ist von einem Tag auf den anderen weg.
Die Jacke im Flur steht für diese vertrauten Momente. Sie ist für Bas mehr als ein Kleidungsstück: ein sichtbares Stück gemeinsamer Geschichte. Manche Dinge kann und will man nicht einfach wegräumen, macht sie deutlich. Die Jacke zu behalten – und ihr kurz vom Tag zu erzählen – ist für sie eine Form, die Verbindung zu ihrem Mann zu bewahren.
Wie der Tod ihres Mannes ihr Leben verändert
Die 58-Jährige hat schon früher beschrieben, wie sehr sie der Tod ihres Mannes geprägt hat. „Wenn du Menschen in deinem Leben verlierst, kriegst du eine andere Sichtweise“, sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Tiefschläge hätten ihr einen neuen Kompass gegeben, vieles rücke in eine andere Reihenfolge.
Als ihr Mann 2020 stirbt, denkt sie zunächst, sie könne „erstmal gar nicht weitermachen“. Ein Jahr später wird sie dennoch gebeten, für eines der höchsten Ämter im Staat zu kandidieren – und stimmt zu. Sie spricht von einer „Ironie des Schicksals“: Eine Tür habe sich geschlossen, eine andere geöffnet. Der Verlust habe sie verletzlicher, aber auch widerstandsfähiger gemacht.
Verwendete Quellen: Bembel & Gebabbel und süddeutsche.de


