Erschütternder ObduktionsberichtSeltene „Seefahrer-Krankheit”! Als Connor (6) starb, wog er nur noch 14 Kilo

In einigen Kinderkliniken in NRW gibt es bereits jetzt erste Engpässe. (Symbolbild)
Connor (6) starb in einem Krankenhaus in Brisbane (Symbolbild).
Marijan Murat/dpa

Die Ärzte waren ratlos – nun ist klar, woran der kleine Connor (6) starb!
Weißbrot, Wurst, Pudding und Schokolade: Connor Dean ernährte sich über längere Zeit extrem einseitig. Jetzt kommt die Gerichtsmedizin zu einem erschütternden Ergebnis. Der Sechsjährige litt an einer Krankheit, die in früheren Jahrhunderten grassierte, heute aber eigentlich als sehr selten gilt.

Schwerer Vitamin-C-Mangel führte zu Herzstillstand

Eine Krankheit aus längst vergangenen Zeiten wird für einen sechsjährigen Jungen offenbar zum Verhängnis. Connor Dean aus Australien stirbt im August 2024 nach einem Herzstillstand.

Mehr als zwei Jahre später legt die Gerichtsmedizin im australischen Bundesstaat Queensland ihre Untersuchung vor: Connor litt demnach unter einem extremen Vitamin-C-Mangel mit Symptomen von Skorbut. Die Mediziner sehen den Mangel als wahrscheinlichsten zugrunde liegenden Faktor für seinen Tod. Der Bericht ist vom 28. August 2026.

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Die genaue Kausalkette ist kompliziert. Connor erlitt am 20. Juli 2024 nach einer Vollnarkose für eine MRT-Untersuchung einen Herzstillstand. Dabei wurde sein Gehirn durch Sauerstoffmangel schwer geschädigt. Am 10. August starb der Junge im Queensland Children’s Hospital in Brisbane.

Die stellvertretende Gerichtsmedizinerin Stephanie Gallagher hält ausdrücklich fest, dass sich der genaue Mechanismus des Herzstillstands nicht abschließend klären ließ. Behandelnde Ärzte und Rechtsmediziner betrachteten den schweren Vitamin-C-Mangel jedoch als wahrscheinlichsten zugrunde liegenden Faktor. Das Down-Syndrom des Jungen wird als mitwirkende Erkrankung aufgeführt.

Connor Dean wog mit sechs Jahren nur knapp 14 Kilo

Schon lange vor seinem Tod gab es Sorgen um Connors Ernährung und Entwicklung. Laut Bericht war der Sechsjährige nur 104 Zentimeter groß und wog 14,19 Kilogramm. Beide Werte lagen deutlich unter denen gleichaltriger Kinder. Sein Kinderarzt erklärte, Connor sei ab einem Alter von etwa viereinhalb bis fünf Jahren zu einem extrem wählerischen Esser geworden.

Im Mai 2023 bestand seine Ernährung den Angaben zufolge überhaupt nicht mehr aus Obst oder Gemüse. Bei einer späteren Untersuchung beschrieb sein Kinderarzt den Speiseplan mit viel Weißbrot, etwas Rindswurst, Pudding und Schokolade. Gemüse sei Connor in der Kita zwar angeboten worden, vermutlich habe er es aber nicht gegessen. Zeitweise trank er außerdem Apfel- und Johannisbeersaft.

Sein Arzt hatte schon damals erhebliche Bedenken. Innerhalb von elf Monaten hatte Connor lediglich 300 Gramm zugenommen. Untersuchungen zeigten unter anderem einen Mangel an Eisen sowie den Vitaminen A und B12. Die Familie erhielt Ernährungsberatung, Connor bekam Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate.

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Skorbut wird bei Connor (6) erst im Krankenhaus erkannt

Im Juli 2024 verschlechterte sich sein Zustand. Connor klagte zunächst über Knieschmerzen, begann zu hinken und wollte schließlich gar nicht mehr auftreten. Im Krankenhaus suchten Ärzte nach der Ursache. Eine MRT-Untersuchung zeigte Veränderungen am Knochenmark, die unter anderem zu Skorbut passten.

Dann liefert ein Bluttest einen alarmierenden Wert! Connors Vitamin-C-Spiegel lag bei weniger als einem Mikromol pro Liter. Der im Bericht angegebene Referenzbereich liegt bei 20 bis 120. Nach Angaben seiner Eltern wussten sie bis zu seinem Herzstillstand nichts von dem Mangel.

Warum Skorbut früher vor allem Seeleute traf

Skorbut entsteht, wenn der Körper über längere Zeit viel zu wenig Vitamin C bekommt. Der Nährstoff ist unter anderem wichtig für die Bildung von Kollagen und damit für stabiles Bindegewebe. Nach Angaben der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) können erste Beschwerden schon nach etwa einem Monat mit extrem geringer Vitamin-C-Zufuhr auftreten. Dazu gehören Müdigkeit und entzündetes Zahnfleisch. Später drohen Blutungen, blaue Flecken, Gelenkschmerzen, schlechte Wundheilung und bei Kindern auch Veränderungen an den Knochen. Unbehandelt kann die Krankheit tödlich enden.

Berüchtigt wurde die Krankheit durch Seeleute auf langen Schiffsreisen. Frisches Obst und Gemüse fehlten an Bord häufig monatelang, weshalb Besatzungsmitglieder schwer erkrankten oder starben. Heute gilt Skorbut in entwickelten Ländern als selten. Gefährdet können laut NIH aber weiterhin Menschen sein, die über längere Zeit nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an Lebensmitteln essen.

Für Connor kommt diese Erkenntnis zu spät. Die Gerichtsmedizinerin hofft nun, dass die Veröffentlichung des ungewöhnlichen Falls dazu beiträgt, ähnliche Todesfälle künftig zu verhindern.

Verwendete Quellen: Bericht des Gerichtmediziners, People, News.com.au, National Institutes of Health