Verkehrs-Frust wird zur GefahrStudie schockiert: Auf Deutschlands Straßen geht es immer brutaler zu

Der Autoverkehr fließt flüssig auf der A100 auf Höhe vom Südkreuz. Der Besuch von US-Präsident Biden in Deutschland ist mit zahlreichen Verkehrseinschränkungen verbunden.
„Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert”, sagte GDV-Forschungsleiterin Zeidler.
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Riskante Fahrmanöver, Ungeduld und zu wenige Polizeikontrollen: Sowohl Autofahrer als auch Radfahrer fahren einer Langzeitstudie zufolge aggressiver und unvorsichtiger. Gleichzeitig ist die Selbstwahrnehmung vieler Verkehrsteilnehmer demnach verzerrt. Die Studienautoren fordern juristische Nachschärfungen.

Die Aggression im deutschen Straßenverkehr hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das geht aus einer Langzeitstudie der Unfallforschung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Demnach verschlechterten sich beinahe alle erhobenen Werte zur Messung von aggressivem Verhalten. Der Trend halte bereits seit etwa zehn Jahren an.

„Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert“, sagte die Leiterin der GDV-Unfallforschung, Kirstin Zeidler, zu den Ergebnissen. 47 Prozent der Autofahrer drängelten den Daten zufolge, wenn der Verkehr ihnen zu langsam erschien. 32 Prozent scherten nach dem Überholen so dicht ein, dass andere Fahrzeuge bremsen mussten. Zudem lässt die Selbstwahrnehmung laut den Studienergebnissen zu wünschen übrig. So gaben 92 Prozent aller Studienteilnehmer von sich an, Radfahrer besonders vorsichtig zu überholen. Gleichzeitig gaben 86 Prozent an, zu enge Überholmanöver bei anderen Fahrern zu beobachten.

Die permanente Erreichbarkeit und Hektik im Leben sorge für zunehmenden Druck und eine kürzere Zündschnur bei den Verkehrsteilnehmern, erklärte Zeidler. So beobachtete der GDV auch eine bedenkliche Zunahme der Smartphonenutzung. Jeder vierte Fahrer schrieb ab und an Nachrichten, jeder fünfte nutzte soziale Medien während der Fahrt. „Der Zeitgeist läuft der Sicherheit entgegen“, beurteilte Zeidler die Entwicklung.

Das zunehmend aggressive Verhalten betrifft neben Autofahrern allerdings auch Radfahrer. 43 Prozent von ihnen erzwangen zumindest hin und wieder die Vorfahrt, fast jeder zweite überholte Autos auch links oder schlängelte sich durch den Verkehr. Laut der GDV-Unfallforschung braucht es mehr Sicherheitsmaßnahmen und Konzepte gegen aggressives Verhalten im stetig dichter werdenden Verkehr.

Der Verband forderte schärfere Sanktionen und Kontrollen. Unter den mehr als 2000 Befragten seien nur wenige mit Polizeikontrollen konfrontiert gewesen, auch das Strafmaß werde als mild empfunden. „Aus UDV-Sicht sind Verkehrsplanende, Verkehrspsychologen und -psychologinnen gefordert, Konzepte gegen aggressives Verhalten im immer dichter werdenden Verkehr zu entwickeln“, hieß es darüber hinaus.

Der GDV erhob mit der Umfrage zudem die Meinung der Befragten zu gesetzlichen Maßnahmen. Demnach befürworteten 74 Prozent eine Null-Promille-Grenze, 72 Prozent unterstützten eine 1,1-Promille-Grenze für Radfahrer. 60 Prozent sprachen sich für eine Tempobegrenzung von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen aus, 53 Prozent befürworteten 80 Stundenkilometer auf Landstraßen, 43 Prozent Tempo 30 in der Stadt.

Verwendete Quellen: lar/AFP/dpa