Er war freiwillig in BehandlungAmok-Täter verließ Psychiatrie kurz vor Bluttat von Leipzig

Ein Verletzter der Amokfahrt wird im Universitätsklinikum Leipzig weiter behandelt, sein Zustand ist stabil. (Archivbild)
Amokfahrt in Leipzig: Der Täter fiel bereits vor der Tat polizeilich auf.
Sebastian Willnow/dpa

Nach der Amokfahrt von Leipzig nennen die Behörden weitere Details zum Täter. Er soll wenige Tage vor der Tat in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden sein. Jetzt erklärt das Sozialministerium, warum die Ärzte ihn entließen.

Der für die Amokfahrt in Leipzig verantwortliche Täter ist nur wenige Tage zuvor in stationärer Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung gewesen. Wie das Sozialministerium in Dresden bestätigte, hielt sich der 33-Jährige auf eigenen Wunsch freiwillig in der Klinik auf.

Genauer teilten die Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion der Stadt Leipzig mit, dass der Täter in diesem Jahr bereits polizeilich aufgefallen war. Grund seien Bedrohung und ehrverletzende Delikte gewesen, so die Behörden. Am 17. April habe der 33-Jährige mit einem Anruf einen Polizeieinsatz ausgelöst. Wegen seines psychischen Zustandes sei er daraufhin mit seiner Zustimmung in einem Fachkrankenhaus aufgenommen worden. Dort wurde er bis zum 29. April behandelt.

Nach einem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“ soll es sich um das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie in Altscherbitz (Kreis Nordsachsen) gehandelt haben. Warum der Täter aus der Einrichtung entlassen wurde, erklärte das Ministerium wie folgt: „Während der Zeit dieses Aufenthalts in der Klinik bestand keine Eigen- oder Fremdgefährdung. Es lagen damit keine medizinischen Gründe vor, den Patienten, der sich freiwillig in der Klinik aufhielt, am Verlassen der Klinik zu hindern und damit gegen seinen Willen festzuhalten.“

Der 33-jährige Deutsche war am Montagnachmittag in der Innenstadt von Leipzig mit einem Auto durch eine belebte Fußgängerzone gerast. Er erfasste mehrere Menschen, eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann starben. Sechs weitere Personen im Alter von 21 bis 87 Jahren wurden verletzt. Darunter befinden sich zwei Schwerverletzte: ein Mann im Alter von 75 Jahren und eine Frau im Alter von 84 Jahren. Laut Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung befindet sich keiner der Verletzten mehr in Lebensgefahr.

Unterdessen gehen die Ermittlungen gegen den Beschuldigten wegen des Tatvorwurfs des zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs weiter. Der Mann wurde nach der Amokfahrt am Montag vorläufig festgenommen, am heutigen Dienstag soll er einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Die mutmaßlichen Hintergründe der Tat sind weiterhin unklar. Hinweise auf ein politisches oder religiöses Tatmotiv gebe es derzeit nicht, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit.

Verwendete Quellen: nbr/dpa/afp