RTL-Reporter verfolgt TäterGrausame Erpressung mit Nacktbildern! Wie Sextortion Teenager bis zum Äußersten treibt

von Christopher Grass, Rachel Kapuja und Anna Kriller

Für manche geht es um Leben und Tod.
Eine Nachricht, ein paar intime Fotos – und plötzlich beginnt für Betroffene ein Albtraum. Sextortion trifft besonders häufig junge Männer und Jugendliche. Über soziale Netzwerke erschleichen sich Täter mit Fake-Profilen ihr Vertrauen, bringen sie dazu, intime Bilder zu schicken – und drohen anschließend damit, sie zu veröffentlichen. Unser Reporter will wissen, wer hinter dieser perfiden Masche steckt, die Teenager bereits bis zum Suizid getrieben hat. Dafür lässt er sich selbst erpressen und folgt einer Spur bis nach Nigeria.

Sextortion: Wenn aus einem Flirt plötzlich Erpressung wird

Der Begriff Sextortion setzt sich aus den englischen Wörtern „Sex“ und „Extortion“, also Erpressung, zusammen. Die Masche beginnt häufig völlig harmlos: Fremde Accounts schreiben ihre späteren Opfer auf Instagram, TikTok oder anderen Plattformen an, machen ihnen Komplimente und bauen Vertrauen auf.

Dann wird der Chat intimer. Nacktbilder oder Videos werden ausgetauscht – und plötzlich kippt die Stimmung. „Schick mir sofort 500 Euro oder das Bild geht an jeden in deiner Kontaktliste“, lautet eine der Drohungen, mit denen die Täter ihre Opfer unter enormen Zeitdruck setzen.

„Sextortion – Erpresst in der Flirtfalle“ heute ab 18.45 Uhr auf RTL+ streamen!

Streaming Tipp
Extra
Extra jetzt auf RTL+ streamen
News & Magazine, Reportage
Jetzt auf RTL+ streamen
Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Murray (†16) nahm sich wegen Sextortion das Leben

Murray aus Schottland beging wegen Sextortion Suizid.
Murray aus Schottland beging wegen Sextortion Suizid.
RTL

Wie verheerend der Druck sein kann, zeigt das Schicksal des 16-jährigen Murray Dowey aus Schottland. Er ist ein begeisterter Fußballfan, hat viele Freunde und schmiedet Pläne für seine Zukunft. Doch eines Morgens findet seine Mutter Ros ihn tot in seinem Zimmer. Erst später stellt die Polizei fest: Murray wurde Opfer von Sextortion.

Was ihr Sohn in seinen letzten Stunden durchgemacht haben muss, lässt seine Mutter bis heute nicht los. „Ich glaube, das war einfach nur absolute Panik. Das ist mit das Schwerste – zu wissen, wie schrecklich seine letzten Stunden oder sogar seine letzten Minuten auf dieser Welt gewesen sein müssen.“

Für Murray habe sich die Vorstellung, seine Nacktfotos könnten an Freunde und Follower geschickt werden, offenbar wie „das Ende der Welt“ angefühlt, erzählt sie. Seine Familie habe keine Chance mehr gehabt, ihm zu sagen, dass es einen Ausweg gibt.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Lese-Tipp: Er quälte Mädchen im Internet! Polizei schnappt „White Tiger”-Junior

RTL-Reporter lässt sich selbst erpressen

Investigativreporter Christopher Grass will das System hinter Sextortion verstehen. Gemeinsam mit Experten erstellen er und das RTL-Team Fake-Profile erwachsener Männer und warten darauf, dass mögliche Erpresser anbeißen.

Es dauert nicht lange. Aus scheinbar harmlosen Chats werden sexuelle Nachrichten, dann folgen Nacktbilder – und schließlich massive Drohungen. Ein Erpresser ruft sogar an, fordert Geld und setzt das vermeintliche Opfer immer weiter unter Druck „Er lässt einem ja keine Zeit zum Durchatmen hier“, so Christopher. Obwohl er weiß, dass alles Teil einer Recherche ist, bekommt er zu spüren, wie brutal die Täter ihre Opfer in die Enge treiben.

Seine Mission steht fest: „Ich werde die Täter finden. Und ich werde sie zur Rede stellen.“

Lese-Tipp: Drei goldene Regeln für Eltern: Wie können wir unsere Kinder vor Missbrauch im Netz schützen?

„Es ist mir egal, wie alt die sind. Ich will nur ihr Geld.“

Mit Unterstützung von Computerspezialisten versucht das Team, einen der Erpresser zu orten. Eine eigens entwickelte Bezahlseite soll den Täter dazu bringen, seinen Standort preiszugeben. Schließlich führt die Recherche nach Nigeria, tausende Kilometer von Deutschland entfernt. Gemeinsam mit dem nigerianischen Journalisten Priye macht sich Christopher auf die Suche nach seinem Erpresser. Doch vorher trifft er drei Männer, die darüber sprechen, selbst mit Sextortion Geld zu verdienen: sogenannte „Yahoo-Boys“, benannt nach den Yahoo-Mailadressen, die die Täter früher verwendeten.

Sie erzählen ohne große Umschweife, wie ihr Geschäft funktioniert: „Wir erpressen Menschen um Geld. Wir fordern Nacktfotos und drohen dann damit, sie zu veröffentlichen, um Geld zu bekommen“, sagt einer von ihnen. Ein anderer zeigt dem Reporter eine Liste mit Dutzenden Menschen, mit denen er weltweit gerade chattet. Ob darunter Minderjährige sind? Für ihn offenbar zweitrangig. „Es ist mir egal, wie alt die sind. Ich will nur ihr Geld.“

„Was glaubst du, geht im Kopf deines Opfers vor, wenn du es erpresst?”, will Christopher wissen. Die eiskalte Antwort: „Es ist mir egal.“ Wer sich Gedanken über die Opfer mache, könne dieses Geschäft nicht betreiben, erklärt ein anderer. „Alles hier ist sehr teuer. Ich möchte nicht in Armut leben. Ich habe einen Schulabschluss. Das ist nichts, was du dir aussuchst, oh das würde ich gerne machen – nein, die Situation zwingt dich dazu. Du musst das machen”, rechtfertigt sich der Täter.

Christopher zeigt ihnen schließlich ein Foto von Murray und erzählt, wie der 16-Jährige starb. Doch auch das scheint die Männer kaum zu erreichen. Einer sagt: „Wenn die Erpressung vorbei ist, dann kümmert mich mein Opfer nicht mehr. Ich brauche nur das Geld.“

Ob Christopher den Mann zur Rede stellen kann, der ihn selbst erpresst hat, und was er in Nigeria noch über das Geschäft mit der Angst erfährt, zeigt die Investigativreportage „Sextortion – Erpresst in der Flirtfalle“ heute ab 18.45 Uhr auf RTL+ und um 22.15 Uhr bei RTL Extra.

Verwendete Quelle: RTL