ADAC und Stiftung Warentest warnenDiese zwei Kindersitze können lebensgefährlich werden!

Sicherheit hat im Auto oberste Priorität.
Aber was, wenn sich Eltern auf einen Kindersitz verlassen, der im Ernstfall versagt? ADAC und Stiftung Warentest erklären, warum zwei Modelle lebensgefährlich sind und welche stattdessen empfehlenswert sind.
Versagen von Kindersitzen „inakzeptabel”
Lässt sich der Kindersitz einfach einbauen, sitzt oder liegt das Kind gut, stimmt der Preis – und vor allem: Ist er auch sicher? Welche Modelle dahingehend etwas taugen, hat der ADAC gemeinsam mit der Stiftung Warentest und weiteren europäischen Partnern zum zweiten Mal in diesem Jahr getestet. Auf dem Prüfstand waren insgesamt 16 aktuelle Modelle, darunter acht Babyschalen.
Zwei Modelle fielen im Crashtest mit „mangelhaft” durch: Britax Römer Baby-Safe Pro (mit Isofix-Basis Vario Base 5Z) sowie der Axkid Minikid Core. „Wir raten dringend vom Gebrauch dieser Kindersitze ab“, warnt Testleiterin Sarah Vasconi. „Das Versagen von Gurtschloss oder Stützfuß beim Crash ist inakzeptabel. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ein Kindersitz bei einem Unfall das Kind schützt.“
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Deshalb sind die Kindersitze so gefährlich
Beim Britax Römer verbog sich die Babyschale in geneigter Position im Frontalaufprall stark nach hinten – die Gurtschnalle öffnete sich, die Einrasthaken brachen und die Dummypuppe flog durch das Prüffahrzeug. Wer diesen Kindersitz nutzt, sollte laut Vasconi deshalb nur noch die aufrechte Position wählen oder auf die Babyschale mit dem Autogurt anschnallen, denn so bestand der Sitz den Crashtest sowohl in aufrechter als auch liegender Position. Der Hersteller hat das Modell zurückgerufen und bietet Betroffenen an, es kostenlos auszutauschen oder das unsichere Gurtschloss reparieren zu lassen.
Beim Axkid, gedacht für Babys und Kinder bis zu 125 Zentimetern Größe, wurde mit einem Dummy geprüft, der einem etwa sechsjährigen Kind entspricht. In geneigter Sitzposition gab das Stützbein beim Frontalcrash so stark nach, dass das Gurtschloss mit dem Schrittgurt herausriss. Der Dummy schleuderte in einer halben Rückwärtsrolle über den Kopf nach hinten. Beine und Körper drückten mit voller Wucht auf den Nackenbereich. „Bei einem ernsten Frontalaufprall führt das unserer Ansicht nach zu einem deutlich erhöhten Verletzungsrisiko“, so Vasconi. „Dieser Kindersitz sollte nicht mehr genutzt werden.“
Der Hersteller teilte mit, den Verkauf des Modells eingestellt und einen freiwilligen Rückruf eingeleitet zu haben. Betroffene Kunden werden laut Axkid direkt informiert und können den Sitz kostenlos austauschen.
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Jeder zweite Sitz ist „gut“
Glücklicherweise bietet der aktuelle Test Eltern einige „gute” Alternativen. Die drei besten sind Babyschalen, der Testsieger ist gleichzeitig das teuerste Produkt. Das sind die jeweiligen Sieger in den verschiedenen Größen:
Babyschale: Maxi-Cosi Coral Slide Pro + Familyfix Slide Pro, geeignet für eine Größe von 40-87 cm, circa 570 Euro (Note 2,1).
Baby und Kleinkind: Recaro Toron 1, 40-105 cm, rund 550 Euro (Note 2,3)
Kleinkind: Cybex Sirona G3 + Base G3, 61-105 cm, etwa 500 Euro (Note 2,5)
Kleinkind und Kind: Maxi-Cosi MobiFix Pro, 61-125 cm, rund 550 Euro (Note 2,5)
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Kindersitz: Darauf muss man bei Kauf achten
Nicht jeder Sitz passt zu jedem Auto. Bei der Auswahl des passenden Sitzes sollten Eltern daher immer auf einen Probe-Einbau bestehen. Folgendes sollte man im Blick haben:
Nach der i-Size-Sicherheitsnorm zugelassene Kindersitze können auf Autositze mit i-Size-Freigabe montiert werden. Schaut dafür auf die Kennzeichnung am Autositz oder ins Fahrzeug-Handbuch.
Sitz und Basis am besten zusammen kaufen. Denn nicht jede Isofix-Basis passt automatisch zum Kindersitz desselben Herstellers.
Die Schultergurtführung des Sitzes muss zum Fahrzeug passen. So sollte sich der Gurt bei Sitzerhöhungen mit Rückenlehne selbstständig aufrollen, wenn sich das Kind nach vorn beugt.
Es muss genug Platz sein, wenn die Kopfstütze des Kindersitzes nach oben gestellt oder der Sitz zum Anschnallen des Kindes zur Seite gedreht wird. Ebenso muss Platz sein zwischen dem Vordersitz und dem Kindersitz dahinter.
Wenn ihr häufig das Fahrzeug wechselt, ist ein leichterer Kindersitz vielleicht besser.
Nicht zu früh auf den nächstgrößeren Sitz wechseln, erst einmal Gurte und Rückenlehne nachjustieren.
Augen auf beim Gebrauchtkauf
Nicht jeder kann oder will sich einen neuen Sitz kaufen. Vielleicht ist auch der vom größeren Geschwisterkind noch in Ordnung. Dann gilt es allerdings laut ADAC Hessen-Thüringen Folgendes zu beachten: Babyschalen und Kleinkindersitze sollten höchstens sechs bis sieben Jahre verwendet werden, Sitzerhöhungen mit Rückenlehne für größere Kinder nicht länger als acht bis zehn Jahre. Ältere Kindersitze sollten unbedingt ein gültiges Prüfsiegel haben: i-size/UNI Reg. 129 für Kindersitze, die ab September 2024 verkauft wurden, UN ECE Reg 44/04 und UN ECE Reg 44/03 für ältere gebrauchte Kindersitze.
Informiert euch außerdem, ob der Sitz möglicherweise inzwischen Teil einer Rückrufaktion war. Tipp: Der ADAC testet zweimal jährlich Kindersitze und listet auch die Bewertungen älterer Sitze weiterhin auf. (rka)
Verwendete Quellen: Stiftung Warentest, dpa


