Warum nicht jede Adoption klapptLilly (10) landet zum sechsten Mal im Tierheim – findet sie jetzt endlich ihr Glück?

So oft sollte kein Hund zurückkommen müssen.
Lilly ist zehn Jahre alt und sitzt bereits zum sechsten Mal im Hamburger Tierheim. Seit dem 12. August wartet die Border-Collie-Mix-Hündin dort erneut auf Menschen, die ihr ein Zuhause schenken. Die Hoffnung der Tierschützer: Dieses Mal soll es für immer sein. Doch Lillys Geschichte zeigt auch, wie wichtig es ist, sich vor einer Adoption ehrlich zu fragen, ob Hund und Mensch wirklich zusammenpassen. Denn Liebe zu Tieren allein reicht im Alltag nicht immer aus.
Lilly ist auch mit zehn Jahren noch voller Energie
Wer bei einer zehnjährigen Hündin an eine gemütliche Seniorin denkt, liegt bei Lilly falsch. „Seniorin? Ja, aber mit Power!“, beschreibt der Hamburger Tierschutzverein die Hündin.
Lilly ist ein Border-Collie-Mix, wiegt rund 19 Kilogramm und hat eine Schulterhöhe von 54 Zentimetern. Typisch für ihre Rasse beobachtet sie ihre Umgebung sehr genau und versucht nach Angaben des Tierheims gerne, alles unter Kontrolle zu behalten. Menschen gegenüber zeigt sie sich freundlich. Gleichzeitig fordert Lilly viel Aufmerksamkeit ein. Das Tierheim bezeichnet sie freundlich aber auch relativ klar als „distanzlos”.
Ihre neuen Besitzer sollten ihr deshalb freundlich, aber konsequent zeigen, dass sie nicht für alles verantwortlich sein muss. Klare Strukturen und ausreichend Beschäftigung sind für die Hündin besonders wichtig.
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Border Collies wollen nicht nur spazieren gehen
Gerade bei einem Border-Collie-Mix sollten Interessenten wissen, worauf sie sich einlassen. Border Collies wurden ursprünglich als Arbeitshunde zum Hüten gezüchtet. Sie gelten als intelligent, aufmerksam und ausgesprochen arbeitsfreudig.
Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) weist darauf hin, dass die Hunde nicht nur körperliche Bewegung, sondern auch Beschäftigung für den Kopf brauchen. Ein paar kurze Gassirunden am Tag können für einen solchen Hund deshalb zu wenig sein. Beschäftigung, Training und gemeinsame Aufgaben gehören dazu. Gut möglich, dass ihre bisherigen Besitzer dieser Aufgabe nicht genug Raum geben konnten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Border Collie rund um die Uhr bespaßt werden muss. Entscheidend ist, die Bedürfnisse des individuellen Hundes zu kennen. Gerade bei Lilly spielen schließlich auch ihr Alter und ihre bisherige Lebensgeschichte eine Rolle.
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Vor einer Adoption: Passt ein Hund wirklich in mein Leben?
Genau diese Frage sollte man sich laut Deutschem Tierschutzbund stellen, bevor ein Hund einzieht. Denn eine Adoption bedeutet Verantwortung über viele Jahre – und sollte nicht allein davon abhängen, ob beim ersten Kennenlernen sofort die große Liebe ausbricht.
Entscheidend ist vor allem, ob der Hund wirklich zum eigenen Alltag passt. Habe ich jeden Tag genügend Zeit für Spaziergänge, Beschäftigung und Erziehung? Auch Arbeitszeiten, Urlaube oder mögliche Krankheiten sollten bedacht werden. Hinzu kommen laufende Kosten für Futter, Tierarzt, Versicherung und Hundesteuer – und möglicherweise unerwartete Ausgaben, wenn das Tier einmal krank wird.
Auch die Wohnsituation spielt eine Rolle. Nicht jeder Hund passt in jedes Zuhause, und gerade bei bestimmten Rassen können Bewegungsdrang, Temperament oder andere typische Eigenschaften entscheidend sein. Wer einen Hund adoptiert, sollte deshalb nicht nur überlegen, was er sich von seinem neuen Begleiter wünscht – sondern auch, was der Hund selbst braucht.
Dazu gehört auch die Bereitschaft, mit schwierigeren Verhaltensweisen umzugehen und nicht gleich aufzugeben, wenn der gemeinsame Alltag anfangs anders läuft als erhofft. Schließlich soll die Entscheidung im besten Fall für den Rest des Hundelebens halten.
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Nicht nur nach dem süßen Blick entscheiden
Im Tierheim sollte deshalb nicht unbedingt der Hund mit dem schönsten Fell oder dem süßesten Blick automatisch die erste Wahl sein. Viel wichtiger ist, ob sein Charakter zum eigenen Leben passt.
Die Mitarbeiter im Tierheim kennen ihre Schützlinge und können einschätzen, welche Bedürfnisse und Eigenheiten ein Hund mitbringt. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt, sich Zeit für das Kennenlernen zu nehmen und beispielsweise bei gemeinsamen Spaziergängen herauszufinden, ob Mensch und Tier zusammenpassen.
Denn ein Hund kann sich beim ersten Treffen anders verhalten als später im Alltag. Je besser sich beide Seiten vorher kennenlernen, desto realistischer lässt sich einschätzen, ob daraus tatsächlich ein dauerhaftes Zuhause werden kann.

Nach sechs Aufenthalten soll Lilly endlich ankommen
Für Lilly werden Menschen gesucht, die Freude an einer aufgeweckten Hündin haben und ihr gleichzeitig Sicherheit, klare Strukturen und ausreichend Beschäftigung bieten können. Erfahrung im Umgang mit Hunden dürfte dabei helfen – vor allem aber braucht die Zehnjährige Menschen, die geduldig sind und ihr die Zeit geben, wirklich anzukommen.
Denn Lilly hat einiges zu bieten: Sie ist freundlich zu ihren Bezugspersonen, versteht sich grundsätzlich mit anderen Hunden und steckt auch mit zehn Jahren noch voller Energie. Mit den richtigen Menschen an ihrer Seite könnte die aufgeweckte Seniorin eine tolle Begleiterin werden.
Wer Lilly kennenlernen und ihr die Chance auf ein dauerhaftes Zuhause geben möchte, kann sich mit einer Selbstauskunft beim Hamburger Tierschutzverein melden. Vielleicht ist ihr sechster Aufenthalt dort ja tatsächlich der letzte.
Verwendete Quellen: Hamburger Tierschutzverein, t-online , Deutscher Tierschutzbund, Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH)
































