RTL Docs Sprechstunde am MittagWarum unser Blutdruck bei Hitze in den Keller sackt
Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Ruhepuls.
Alles medizinische Bezeichnungen, die wir schon mal gehört haben. Was sich genau dahinter verbirgt, wie wir vorbeugen können und inwiefern sich Hitze auf unser Herz auswirkt, erklärt Kardiologin Dr. Conchita Ruiz-Mohné in ihren Antworten auf eure „Punkt 12”-Zuschauerfragen.
Inhaltsverzeichnis
- Was genau ist Bluthochdruck?
- Ab welchem Alter sollte man auf seinen Blutdruck achten?
- Wie kann man hohem Blutdruck vorbeugen?
- Wie sehr schlägt die Hitze aufs Herz-Kreislauf-System?
- Was kann ich tun bei der Hitze, wenn ich merke, dass mein Herz Extraschläge macht?
- Müssen Medikamente wie Blutdrucksenker bei Hitze angepasst werden?
- Haben Hormone einen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise in den Wechseljahren?
- Was kann man generell für eine gute Herzgesundheit tun?
- Kann Atemnot ein Zeichen für einen Herzinfarkt sein?
- Kann man eine Herzmuskelschwäche nach Herzrhythmusstörungen wieder loswerden?
- Herzstolpern ist angeblich nicht gefährlich, nervt aber trotzdem. Was versteht man darunter?
- Warum hat man einen erhöhten Ruhepuls? Und was ist überhaupt ein Ruhepuls?
Was genau ist Bluthochdruck?
Mit jedem Herzschlag wird Blut durch unseren Körper gepumpt, damit es in die Organe und Zellen gelangt. Dadurch entsteht ein Druck im Inneren unserer Gefäße: Blutdruck. Dieser ist nötig, damit das Blut durch den ganzen Körper transportiert werden kann. Verengen sich die Blutgefäße, weil die Arterien steif geworden sind oder wir zu viel Stress haben, steigt der Blutdruck.
Der optimale Wert liegt übrigens unter 120 zu 80. Ab 140 zu 90 ist der Blutdruck zu hoch. „Dann können die Arterienwände Schaden nehmen und auf lange Sicht kann man dann womöglich irgendwann einen Herzinfarkt kriegen oder einen Schlaganfall”, erklärt Kardiologin Dr. Conchita Ruiz-Mohné bei Punkt 12.
Ab welchem Alter sollte man auf seinen Blutdruck achten?
„In aller Regel haben Jüngere keine Probleme”, sagt die Medizinerin. Nichtsdestotrotz mache es ab Mitte 40 Sinn, darauf zu achten. Ab 35 könne man alle drei Jahre beim Hausarzt einen Gesundheitscheck machen. Dabei werde auch auf den Blutdruck geguckt. Eine Erkrankung allein älterer Menschen sei es aber auf keinen Fall. Darum gelte: „Wenn wir es frühzeitig erkennen, weil wir einfach mal messen, dann können wir reagieren.“
Wie kann man hohem Blutdruck vorbeugen?
Hier zähle vor allem eines: Bewegung statt sitzen. „Ausdauersport wäre natürlich toll, wenn wir das alle regelmäßig machen würden.” Aber auch schon kleine Veränderungen zeigen ihre Wirkung: „Wenn wir in den Alltag schon etwas einbauen, also zum Beispiel uns entscheiden, den Aufzug stehen zu lassen und die Treppen zu gehen, dann erreiche ich schon etwas.” Auch das Körpergewicht wirke sich auf den Blutdruck aus. „Und dann natürlich diese ganzen Dinge wie erholsamer und ausreichender Schlaf, immer wieder Entspannungsinseln finden und sich gesund und vor allem salzarm ernähren.“

Wie sehr schlägt die Hitze aufs Herz-Kreislauf-System?
„Hitze kann großen Einfluss haben, denn wenn es so super heiß ist wie im Moment, dann stellen sich unsere Gefäße, unsere Venen und Arterien, weit und dann sackt der Blutdruck oft ab in den Keller”, weiß Ruiz-Mohné. Schwitzen wir dann noch viel und verlieren Salz, verlieren wir auch Flüssigkeit. „Dann ist der Blutdruck noch mal niedriger und das merkt man oftmals deutlich. Gerade Patienten, die regelmäßig Blutdruckmedikamente einnehmen, merken dann, dass das zu viel ist in dieser Zeit.“
Was kann ich tun bei der Hitze, wenn ich merke, dass mein Herz Extraschläge macht?
„Das ist etwas, was ganz häufig ist”, erklärt die Medizinerin. Durch den Wasser- und Elektrolytverlust könne es sein, dass wir mehr Extraschläge bemerken. „Die starke Hitze ist ja auch Stress für uns und dann können so Extraschläge auch vermehrt auftreten.” Wichtig sei, dies abklären zu lassen, wenn man das länger habe. Meistens seien solche Extraschläge aber völlig harmlos und regulieren sich wieder von allein. „Ganz wichtig ist, dass man in dieser Phase viel trinkt, sich Ruhe gönnt und die Hitze meidet, so gut es geht.“
Müssen Medikamente wie Blutdrucksenker bei Hitze angepasst werden?
„Tatsächlich ganz oft.” Hier dürfe man sich auch selbst ein bisschen trauen, die Medikation anzupassen, rät Ruiz-Mohné. „Da bin ich dafür, dass dieses Dogma ‚man darf nicht selber an den Medikamenten spielen‘, ein bisschen wegrückt. Wenn wir merken: Ich fühle mich schlecht, der Blutdruck ist niedrig, ich messe nach. Dann bitte nicht noch die Blutdrucktablette obendrauf, sondern Blutdruckmedikamente kann man in diesen warmen Zeiten durchaus ein bisschen reduzieren oder später einnehmen. Das darf man sich ruhig eigenmächtig trauen.“
In einem solchen Fall sollte man immer mit gesundem Menschenverstand an die Sache herangehen: „Wenn der Blutdruck im Keller ist, dann haue ich ja nichts noch obendrauf.“ Sobald wie möglich sollte man die Dosierung dann mit seinem Hausarzt besprechen.
Lese-Tipp: Herzstillstand oder Herzinfarkt? Worauf es im Notfall ankommt
Haben Hormone einen Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise in den Wechseljahren?
„Ja, die haben einen sehr großen Einfluss darauf”, erklärt die Expertin. „Gerade die weiblichen Hormone, von denen wissen wir, die schützen unser Herz-Kreislauf-System jahrzehntelang. Und dann fallen die in den Wechseljahren. Da gibt es dieses Auf und Ab der Hormone. Und nach den Wechseljahren sind die plötzlich weg.”
Das mache sich bemerkbar, weil die weiblichen Hormone dafür sorgen, dass die Arterien weit gestellt, dass sie elastisch seien. „Diese wirken sich positiv auf unser vegetatives Nervensystem aus., auch am Herzmuskel direkt. Wenn das wegfällt, dann kommt es zum großen Umbruch. Aber da kann man was tun.“
Was kann man generell für eine gute Herzgesundheit tun?
„Das Übliche: Bewegen statt sitzen, gesunde Ernährung, Ausdauersport, möglichst viel Stress reduzieren, sich immer wieder Auszeiten nehmen, bei denen man runterkommt. Also gerade diese ganze Thematik der Achtsamkeit für sich selbst ist ein ganz großes Thema.“
Kann Atemnot ein Zeichen für einen Herzinfarkt sein?
„Ja, Atemnot kann ein Symptom von einem Herzinfarkt oder einer Herzschwäche sein”, weiß Ruiz-Mohné. Vor allem eine neu aufgetretene Atemnot oder eine, die langsam immer mehr wird, sollte man auf jeden Fall ärztlich abklären lassen, rät die Kardiologin.
Kann man eine Herzmuskelschwäche nach Herzrhythmusstörungen wieder loswerden?
„Ja, je nach Ursache”, weiß die Kardiologin. „Herzrhythmusstörung kann man heutzutage sehr gut behandeln. Es gibt ganz viele Therapien und wenn man das erfolgreich behandelt, dann geht oft die Herzschwäche auch wieder weg.” Dabei helfen auch die passenden Medikamente. „Wenn wir die nehmen, schaffen wir wieder eine Pumpleistungssteigerung und dann kann das weggehen. Oftmals braucht man diese Medikamente auch dauerhaft, je nachdem, was die Ursache ist.“
Herzstolpern ist angeblich nicht gefährlich, nervt aber trotzdem. Was versteht man darunter?
Herzstolpern bedeutet, „dass das Herz einen Extraschlag macht und dann ist vielleicht eine Pause drin. Das nervt natürlich. Ganz häufig ist das völlig harmlos. Da steckt nichts Schlimmes dahinter, aber das stört”, weiß auch Ruiz-Mohné. Interessant: Frauen bemerken Herzstolpern eher als Männer, weil sie empfindsamer seien. Hier könne man aber auch einiges tun. „Also einmal gucken: Was ist das für ein Herzstolpern? Ist das ein harmloses Ding? Erst mal zum Hausarzt, dann weiter zum Kardiologen. Und dann guckt man mal, wie sieht das aus, aus welcher Region am Herzen kommt das? Und dann kann man das ganz schnell einordnen. Und wenn es harmlos ist, dann helfen da auch wieder Entspannungsübungen und Stressabbau.”
Warum hat man einen erhöhten Ruhepuls? Und was ist überhaupt ein Ruhepuls?
„Unser Herz schlägt in einem gewissen Rhythmus, in einem gewissen Tempo. In Ruhe ist dieser Rhythmus niedriger als wenn wir uns körperlich anstrengen. Es gibt Menschen, die haben in Ruhe einen etwas höheren Ruhepuls als andere. Manchmal steckt auch da Stress dahinter.” Ein Beispiel: Sitzt man auf dem Sofa, strengt man sich nicht an. „Wenn der Puls dann trotzdem hoch ist, hängt das oft mit dem vegetativen Nervensystem zusammen.” Das sollte man dann ärztlich abklären lassen, rät die Medizinerin.







