Gefährlicher Diabetes-NotfallWie eine Ketone-Messung Leben retten kann
Bei Diabetes Typ 1 denken viele Betroffene zuerst an den Blutzucker.
Doch auch sogenannte Ketone können gefährlich werden. Laura Heyn hat selbst erlebt, wie schnell daraus ein medizinischer Notfall entstehen und warum eine Ketone-Messung lebenswichtig sein kann. Wir haben die 26-Jährige, die nun andere Betroffene aufklären möchte, zum Arzt begleitet.
„Ein paar Stunden später und ich wäre wahrscheinlich gestorben”
Alleine in Deutschland leben knapp 400.000 Diabetes-Typ-1-Patienten, die ihren Körper täglich genau im Blick behalten müssen. Doch was viele Betroffene zunächst nicht wissen: Neben den Blutzucker-Werten sollte man auch auf die sogenannten Ketonwerte achten. Sonst kann eine sogenannte Ketoazidose drohen; eine akute und potenziell lebensbedrohliche Komplikation.
Genau das passierte auch Laura Heyn, die vor zwei Jahren aufgrund einer Ketoazidose auf der Intensivstation behandelt werden musste. Im RTL-Interview erklärt sie: „Ein paar Stunden später und ich wäre wahrscheinlich gestorben. Im Krankenhaus konnten die gar nicht mehr meine Ketosewerte am ersten Tag messen, weil die so hoch waren, dass es das System nicht mehr anzeigen konnte.” Ihr Ketonwert lag bei 4,8. Der Normalwert reicht bis 0,8.
Doch was genau bedeutet das eigentlich?
Was bei einer Ketoazidose im Körper passiert
Ihr Diabetologe Dr. Daniel Krismer erklärt im RTL-Interview: „Wenn dem Körper Insulin fehlt, dann produziert der Körper diese sogenannten Ketonkörper. Diese Ketonkörper sind insgesamt sauer, was dazu führt, dass es im Blut durch die Bildung von Ketonkörpern irgendwann zu einer Übersäuerung kommt. Diese Übersäuerung ist für Patienten mit Diabetes mellitus Typ eins und einem Insulinmangel äußerst gefährlich.”
Eine Ketoazidose gehört zu den häufigsten medizinischen Notfällen bei Menschen mit Diabetes. Sie kann sich innerhalb weniger Stunden zuspitzen. Das Tückische: Die ersten Symptome werden im Alltag oft mit einem Infekt verwechselt. Frühe Anzeichen können starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und Schwäche sein. Später können Luftnot und ein Aceton-Atemgeruch dazukommen. Dieser Geruch erinnert an Nagellack.
Laura beschreibt ihren Zustand rückblickend so: „Ich musste auf die Toilette. Das waren vielleicht zehn Meter und ich konnte nicht mehr laufen. Ich musste wirklich auf dem Boden krabbeln. Und als ich dann fertig war, habe ich einfach keine Luft mehr bekommen. Ich habe Panik gekriegt.” Ein Jahr nach dem ersten Vorfall entwickelt Laura erneut eine Ketoazidose. Wieder muss sie auf der Intensivstation behandelt werden. Sie bekommt Infusionen und Insulin.
Warum die Ketone-Messung wichtig sein kann

Nun hat die 26-Jährige jedoch eine Möglichkeit gefunden, um sich im Alltag noch sicherer zu fühlen. In vielen Fällen lässt sich eine Ketoazidose nämlich verhindern. Wichtig dabei ist, dass Betroffene ihren Körper beobachten und bei Warnzeichen reagieren. Helfen kann zum Beispiel ein Ketone-Messgerät, das auch Laura nutzt. Der Ketonwert sollte vor allem bei erhöhten Blutzuckerwerten oder bei Infekt-Symptomen gemessen werden. In Deutschland gibt es inzwischen außerdem erste Ankündigungen zu Messgeräten, die sowohl den Blutzuckerwert als auch Ketone messen können. Für Menschen wie Laura könnte das im Alltag eine weitere Erleichterung sein.
Inzwischen hat Laura Heyn so gelernt, besser mit ihrem Diabetes Typ 1 umzugehen. Außerdem hat sie einen Instagram-Blog gestartet, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Ihre Geschichte zeigt, warum Wissen über Ketoazidose und die rechtzeitige Ketone-Messung im Ernstfall entscheidend sein können.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Diabetologe Dr. Daniel Krismer



