RTL-Team konfrontiert ihn mit seinen Chat-Nachrichten Bolt-Fahrer belästigt junge Frau und behauptet frech: „Die lügt”

von Lina Schäfer, Mareike Luft und Katrin Peters

Wie dreist!
Eine junge Frau ruft per App einen Fahrdienstanbieter, um sich nach Hause fahren zu lassen. Doch der gerufene Fahrer wird plötzlich übergriffig und belästigt sie. Er zwingt ihr sogar seine Privatnummer auf. Wir haben den Mann noch einmal für eine Fahrt gebucht und ihn mit seinem Verhalten konfrontiert.

Fahrer erschleicht sich Nummer seiner Passagierin

Um gefährliche Situationen auf dem einsamen Heimweg zu vermeiden, bestellen viele Frauen ein Taxi oder einen Fahrer per App. Studentin Lisa Lauermann macht dabei eine Erfahrung, die sie bis heute belastet. Nach einem Partyabend in Köln bucht sie sich einen Fahrer über eine App. Die Fahrt nimmt einen unschönen Verlauf. „Der Fahrer hat begonnen mit so komischen Fragen über meine Finger- und Fußnägel“, berichtet sie. Die Stimmung sei „ganz komisch“ gewesen. Plötzlich habe der Mann ihre Hand genommen. Als sie aussteigen wollte, fragte er die junge Frau nach ihrer Nummer.

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Chatverlauf, Studentin Lisa Lauermann (r.)
RTL

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Lisa möchte ihren Kontakt nicht herausgeben. Der Fahrer gibt nicht auf, fordert sie auf, seine Nummer in ihr Handy zu tippen. Damit sie sich im Notfall bei ihm melden könne, behauptet er. Aus Angst macht Lisa mit, doch der Fahrer greift in ihr Handy und ruft sich selbst an.

Sofort schreibt er übergriffige Nachrichten

Jetzt hat er ihre Nummer und nutzt das direkt aus. „Dann kam direkt eine Nachricht, wieder über meine Hände, dass er sie gerne gestreichelt hätte, aber ich ja nicht wollte.“ Sofort blockiert die Studentin die Nummer.

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Sie informiert eine RTL-Reporterin. Die beschließt, den Fahrer mit seinem übergriffigen Verhalten zu konfrontieren. Die Reporterin bucht den Fahrer auf direktem Wege per Chat. Nur wenige Minuten später steht das Treffen. Auch Reporter-Kollege Max Fassbender fährt zum vereinbarten Zielort.

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Fahrer streitet alles ab und fährt weg

Die Reporterin trifft den Fahrer. Auf der Fahrt erzählt er, dass er schon viele Nummern gesammelt habe. „Fast jeden Tag bekomme ich drei, vier Kunden – die nehmen unsere Privatnummer und wollen weiter mit uns fahren“, gibt er an.

Die Fahrt verläuft ruhig. Nach einer knappen halben Stunde kommen sie am Zielort an. Dort warten der Reporterkollege und Studentin Lisa. „Kennen Sie die Frau hier? Die Frau ist mit ihnen gefahren und hat sich belästigt gefühlt“, konfrontiert der Reporter den Fahrer. „Sie haben diese Woche noch mit ihr geschrieben.”

Das können Betroffene tun

Dreist sagt der Mann: „Die lügt.” Auf die Reporter-Frage, ob er seine eigene Whatsapp-Nachricht sehen will, verbarrikadiert der Mann sein Auto und fährt weg. Das Team meldet den Betreibern der App den Vorfall. Die reagieren schriftlich: „Dieses Verhalten ist nicht akzeptabel und der betreffende Fahrer wurde von unserer Plattform gesperrt. Wir empfehlen unseren Fahrgästen dringend, Vorfälle, bei denen sie sich unsicher fühlen, entweder direkt über die Bolt-App oder bei den Strafverfolgungsbehörden zu melden.“

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In Apps wie Uber und Bolt gibt es außerdem noch einen SOS-Knopf, der in bedrohlichen Situationen Hilfskräfte informiert. Für alle, die bei männlichen Fahrern Bedenken haben, gibt es mittlerweile in einigen Städten spezielle Frauentaxis.