Laut Spahn „rein statistische Größe“

Zusatzbeitrag steigt 2020: Wird dadurch die Krankenversicherung teurer?

© dpa, Jens Kalaene, jka jai

12. Oktober 2019 - 15:03 Uhr

Seit Jahren könnte Zusatzbeitrag erstmals steigen

In den letzten Jahren ist der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenkasse eher gesunken. Doch Schätzungen eines Expertenkreises von Gesundheitsministerium, Bundesversicherungsamt und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zufolge, wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2020 von 0,9 Prozent um 0,2 Prozentpunkte oder 0,3 Prozentpunkte zunehmen. Für Verbraucher stellt sich daher die Frage, ob sie dadurch ab kommendem Jahr mehr für ihre Krankenversicherung bezahlen müssen. Die Antwort darauf ist aber gar nicht so einfach.

Worum handelt es sich überhaupt bei dem Zusatzbeitrag?

Seit 2015 gibt es den Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung, damit die Krankenkassen über einen Teil ihrer Beiträge wieder selbst bestimmen können. Dadurch können die einzelnen Kassen durch individuelle Angebote auf ihre eigene finanzielle Lage reagieren und sich im Wettbewerb behaupten. Damit die Beiträge durch die Einführung der Zusatzbeitrags jedoch nicht einfach steigen, wurde zum 1. Januar 2015 der allgemeine Beitragssatz um 0,9 Prozent gesenkt. Bei einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent bleiben die Beiträge, die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte teilen (seit 2019 auch den Zusatzbeitrag), also gleich.

Wenn nun jedoch der durchschnittliche Zusatzbeitrag erhöht, wird der Krankenkassenbeitrag insgesamt also sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber theoretisch teurer. In der Praxis muss das allerdings nicht so sein.

Krankenkassen sollen genug Rücklagen haben

"Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist eine rein statistische rechnerische Größe", erklärt Gesundheitsminister Jens Spahn der "Deutschen Presse-Agentur". "Entscheidend für die Versicherten ist, was sie bei ihrer Kasse wirklich zahlen müssen. Dank der übermäßig hohen Rücklagen vieler Krankenkassen, werden die tatsächlich zu zahlenden Beiträge für sehr viele Versicherte unterm Strich in 2020 gleich bleiben oder sinken. Das ist die entscheidende Botschaft."

Die gesetzlichen Kassen hätten laut des Schätzerkreises inzwischen Reserven von mehr als 20 Milliarden Euro angespart, sodass bei vielen Kassen trotz des Anstiegs des durchschnittlichen Zusatzbeitrags der Gesamtbeitrag gesenkt werden könne. Ob der Gesamtbeitrag also tatsächlich steige oder sogar falle, hänge daher von der Finanzlage jeder einzelnen Krankenkasse ab.

Also nichts zu befürchten?

Nicht ganz. Laut Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, kämen im nächsten Jahr durch Reformgesetze hohe finanzielle Belastungen auf die Krankenkassen zu. Schon allein durch das Terminservicegesetz, das regelt, dass Kassenpatienten schneller Arzttermine bekommen, sowie das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz kämen auf die GKV im nächsten Jahr und fünf Milliarden Euro an Mehrausgaben zu.

Im November wird das Gesundheitsministerium nun erst einmal entscheiden, wie hoch der Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrages tatsächlich ausfällt. Wahrscheinlich müssen Versicherte sich bis nächstes Jahr gedulden, den Beitrag der eigenen Krankenkasse mit den Angeboten anderer vergleichen und gegebenenfalls wechseln.

Welche Krankenkassen 2019 im Vergleich der Stiftung Warentest am besten abschnitten, können Sie hier nachlesen.