Jetzt sprechen Mutter und Schwester über die unfassbare Tat

Zoe (†17) vergewaltigt und erwürgt: „Er saß vor uns und hat uns ins Gesicht gegrinst"

23. September 2020 - 14:30 Uhr

"Der wird das wieder tun, das sieht man ihm an"

Mutter Andrea und Tochter Vivien Z. sitzen ganz nah zusammen auf einer Parkbank, halten sich bei den Händen, als müssten sie einander stützen. Der gewaltsame Tod ihrer geliebten Zoe (†17), aber auch das Verhalten ihres mutmaßlichem Mörders zu Prozessbeginn, hat die beiden nachhaltig erschüttert. Im Interview mit RTL sprechen sie über die unvorstellbare Tat – und wie das Leben ohne Zoe weitergehen soll.

Schwester Vivien: Zoe (17) "war noch Jungfrau"

"Es war der Horror", beschreibt Vivien ihre Eindrücke aus dem Gerichtssaal. "Er saß vor uns und hat uns ins Gesicht gegrinst. Ihm war das alles total egal. Keine Reue, nichts. Es war einfach schlimm, das alles noch einmal erleben zu müssen (...) und zu hören, was er alles mit ihr gemacht hat." Er, das ist Lukas, 17 Jahre alt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankenthal sagte, der Teenager habe während der Ermittlungen eingeräumt, dass er eine kurze Beziehung zu Zoe gehabt habe - alles andere habe der beschuldigte Deutsche bestritten. Die Anklage sieht das anders.

Zoe hatte ihren späteren Peiniger im Internet kennengelernt, mit ihm gechattet. Dann trafen die beiden sich das erste Mal am Willersinnweiher in Ludwigshafen. Eine Verabredung, die die 17-Jährige nicht überleben sollte. Zoe, die noch Jungfrau war, die sich nie schminkte, weder Alkohol noch Zigaretten anrührte. Der 17-Jährige soll sie vergewaltigt und anschließend erwürgt haben.

"Sie war meine beste Freundin. Sie war immer für jeden da, für die Kinder, die Familie", so Vivien. "Wenn man sie gebraucht hat, hat sie geholfen, sie hat zugehört. Wenn sie da war, ist einfach die Sonne aufgegangen, die ganze Welt hat gelacht mit ihr." Immer fröhlich, immer freundlich, sagt sie. "Er hat sie uns genommen." Dann bricht ihre Stimme, sie kann nicht weitersprechen. "Es ist, als würde man Ihnen das Herz rausreißen", so Mutter Andrea Z.. Die Familie hofft, dass der Täter für immer weggesperrt wird. "Der wird das wieder tun, das sieht man ihm an", ist sich Vivien sicher.

Mutter und Schwester erkannten Zoe nach der Tat nicht wieder

Andrea Z. erinnert sich noch genau an den 12. März 2020. Am späten Abend gegen zehn Uhr habe die Polizei vor der Türe gestanden, Zoe sei überfallen worden, teilten die Beamten der Familie mit. Was wirklich geschehen war, das erfuhren die Angehörigen erst später. Nach einer Befragung fuhr die Familie ins Krankenhaus nach Ludwigshafen. Zu diesem Zeitpunkt sei noch immer nicht klar gewesen, wie es Zoe gehe, was ihr überhaupt zugestoßen sei, erzählen Mutter und Tochter im Interview.

Stunden um Stunden wachte die Familie an ihrem Bett auf der Intensivstation. Zoe war an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen, Blätter hätten noch in ihren Haaren gesteckt. "Sie sah so schlimm aus, sie war überall gewürgt", erzählt Vivien und greift sich demonstrativ an den Hals. "Das Blut überall, das sah so schlimm aus. Wir haben sie nicht wiedererkannt. Die Augen waren total geschwollen, die gingen gar nicht mehr zu." 36 Stunden später hörte Zoes Herz für immer auf zu schlagen.

Täter soll drei weitere Mädchen vergewaltigt haben

Die Familie hat sich bewusst dazu entschlossen, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen und Fotos von Zoe offen zu zeigen, um ihr Andenken zu bewahren und Gerechtigkeit für sie zu erkämpfen. Ihr Tod hat tiefe Spuren im Leben ihrer Angehörigen hinterlassen. Andrea Z. hat über den Kummer ihre Wohnung verloren, Vivien war hochschwanger als ihre Schwester starb. Ihren Sohn brachte sie per Notkaiserschnitt zur Welt. Aufgrund der Coronapandemie habe sich die Beerdigung monatelang hingezogen, Freunde durften nicht Abschied nehmen.

Die Familie kann nicht verstehen, wieso es so weit kommen konnte. Denn: Der mutmaßliche Täter ist kein unbeschriebenes Blatt. Außer der Tat im März 2020 wird dem Teenager vorgeworfen, 2019 in Ludwigshafen drei minderjährige Mädchen vergewaltigt und teilweise gewürgt zu haben. Außerdem legt ihm die Staatsanwaltschaft zur Last, in Ludwigshafen 2019 einen Mann mit einem Messer bedroht zu haben. Als eine Frau dazwischen gehen wollte, habe ihr der Angeklagte den Messergriff gegen den Brustkorb gestoßen.

Vivien Z. erhebt schwere Vorwürfe. "Aus Sicht der Mutter verstehe ich nicht, warum man da nicht reagiert? Sie hat das ja gewusst! Er ist minderjährig, sie hatte die Aufsichtspflicht, warum hat da niemand reagiert?", fragt sie erbost. "Warum ist er alleine zu Hause? Er hat zwei Mädchen zu Hause vergewaltigt – wo war da die Mutter? Wie kann so etwas passieren?" Eine Frage, bei der nun hoffentlich die Richter Licht ins Dunkel bringen können.