Video-Botschaft wirft Fragen auf

Analyse seiner Entschuldigung: Kann man Xavier Naidoo wirklich glauben?

Kann man Xavier Naidoo glauben? Sänger distanziert sich von Querdenker-Thesen
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Sänger distanziert sich von Querdenker-Thesen
Kann man Xavier Naidoo glauben?

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Ganz plötzlich rudert Xavier Naidoo (50) zurück, distanziert sich in einem dreiminütigen Video auf seinem YouTube-Kanal deutlich von Verschwörungserzählungen. Er habe sich blenden lassen, entschuldigt sich für seine Aussagen in den letzten zwei Jahren. Doch was steckt hinter dem überraschenden Sinneswandel des Sängers und inwieweit kann man seinen Worten Glauben schenken? Eine Analyse seiner Entschuldigung sehen Sie im Video.

Das ramponierte Image von Xavier Naidoo

Im Laufe der letzten Jahre wurde der Musiker immer wieder mit populären Verschwörungserzählungen der sogenannten Querdenker- und Reichsbürger-Szene in Verbindung gebracht. Seine ganz eigene Weltanschauung rückte daher immer mehr in den Vordergrund und seine Musik wurde hingegen immer mehr zur Nebensache. Der Protest der Öffentlichkeit gegen ihn wurde zuletzt so laut, dass sogar seine Konzerte abgesagt wurden.

Die Frage, ob Naidoo mit seiner neuesten Botschaft lediglich versucht sein ramponiertes Image aufzupolieren, liegt daher nahe. Denn seitdem der Musiker im März 2020 mit einem Skandal-Video schockte, liegt seine musikalische Laufbahn brach. In dem Clip, der damals plötzlich über „Telegram“ verbreitet wurde, äußerte er sich singend über vermeintliche Missstände in Deutschland – in Form von rassistischen Aussagen.

Doch schon zuvor machte er immer wieder durch seine fragwürdigen Ansichten auf sich aufmerksam. Im März 2020 leugnete er in einem Gespräch auf einem „Telegram“-Kanal beispielsweise den von Menschen verursachten Klimawandel und zudem das Corona-Virus. Der Messenger-Dienst gilt seit Beginn der Pandemie als zentrale Plattform für verschwörungsideologische Akteure bzw. Influencer der Szene.

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Schon 1999 sorgten seine Aussagen für Verwirrung

Bereits 2014 sorgte Xavier Naidoo für Aufsehen, weil er an Veranstaltungen der sogenannten Reichsbürger in Berlin teilgenommen hat. Dort hat er auf der Bühne unter anderem die „Wahrheit“ über die Anschläge des 11. Septembers zum Teil in Frage gestellt. Darauf angesprochen, im Rahmen eines Interviews mit dem „Stern“ vom März 2015, wird deutlich, wie tief er sich bereits in der Suche nach seiner eigenen Wahrheit verloren hat. „Deutschland ist kein souveränes Land. Wir sind nicht frei", verkündete er damals.

Doch damit nicht genug: Schon vor über 20 Jahren sorgten einige seiner Aussagen in einem Interview mit dem „Musikexpress“ für Verwirrung. Darin sprach er 1999 über einen Wettkampf der Religionen, Kreuzzüge und die Apokalypse. Zudem erklärte er, ein Rassist zu sein, „aber ein Rassist ohne Ansehen der Hautfarbe. Ich bin nicht mehr Rassist als jeder Japaner auch.“

Xavier Naidoo auf YouTube: „Ich war von Verschwörungserzählungen geblendet"

Nun scheinen diese Ansichten ganz plötzlich der Vergangenheit anzugehören. Zumindest versucht Naidoo diese Botschaft jetzt in einem YouTube-Video zu verdeutlichen. Auf den ersten Blick entspannt und sachlich erklärt er darin sein Verhalten der letzten zwei Jahre. Auffälliges Detail: Er verzichtet auf sein Markenzeichen, die Sonnenbrille.Die Bewegungen seiner Augen deuten darauf hin, dass er den vorgetragenen Text abzulesen scheint. „Ich war von Verschwörungserzählungen geblendet und habe sie nicht genug hinterfragt. Habe mich zum Teil instrumentalisieren lassen“, erklärt der 50-Jährige. Grund für sein plötzliches Umdenken sei der Krieg in der Ukraine. „Meine Frau kommt aus der Ukraine. Und ihre, unsere Familie lebt dort. Auch ich bin öfter in der Ukraine und aus diesem wunderschönen Land musste ich jetzt Familie und Freunde rausholen, weil dort Angst und Schrecken herrscht.“

Wie ernst Naidoos Botschaft wirklich gemeint ist, wird die Zukunft zeigen. Auch wenn er sich in der Vergangenheit hat „instrumentalisieren“ lassen, hat er selbst auch aktiv fragwürdige Inhalte verbreitet und seinen Namen mutwillig für den Hass, Homophobie, Rassismus und Antisemitismus der Querdenker-Szene hingegeben. Ein Aspekt, den man nicht außer Acht lassen sollte. Gemeinsam mit Influencern der Szene hat er zudem kontroverse Ansichten auf seinem „Telegram“-Kanal geteilt. Diesen Account gibt es zwar immer noch, seit Spätsommer 2021 veröffentlicht der Musiker selbst dort aber keine Inhalte mehr. Zumindest öffentlich hat er sich seitdem mit seinen Mythen zurückgehalten.

Was auch immer Xavier Naidoo mit seinem neuesten Video bezwecken möchte, es ist immerhin ein Anfang – nicht mehr und nicht weniger. (sfi)